Conwert-Übernahme füllt Vonovia die Kasse

Immobilien-Aktien sind einen Blick wert. Bei einem Kauf winken Kursgewinne, ansprechende Dividenden – und ein Übernahme-Joker. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Deutschlands größter Immobilien-Konzern Vonovia blickt auf ein erfolgreiches 1. Quartal 2017 zurück:

Um 500 Mio. € legte der Wert des Immobilien-Portfolios gegenüber dem Jahresende 2016 zu.

Die für die Branche wichtige Kennzahl Funds From Operations (FFO) stieg im Vergleich mit dem Vorjahres-Zeitraum um hohe 17%.

Vonovia bleibt für den weiteren Jahresverlauf optimistisch:

Der Konzern rechnet damit, dass die Vorjahres-Ergebnisse noch einmal gesteigert werden können. Mieterhöhungen sollen die FFO dann weiter steigen lassen.

Vonovia-Aktionäre nach 3 Jahren rund 90% im Gewinn

Die starken Ergebnisse hat das Unternehmen nicht zuletzt dem Übernahme-Kurs der vergangenen Jahre zu verdanken.

Die Übernahme von Gagfah im Volumen von 3,9 Mrd. €, die Übernahme der Süddeutschen Wohnen im Volumen von 1,9 Mrd. € sowie die Deals mit Franconia, Dewag und Vitus machten die Ergebnis-Steigerungen möglich.

Bei den jetzt vorgelegten starken Zahlen wurde der Einfluss der 2,7 Mrd. € schweren conwert-Übernahme aus dem Vorjahr sichtbar.

Der Erfolg des Konzerns ist aber nicht nur mit einem Blick in die Bücher auszumachen – auch die Aktie legte in den vergangenen 3 Jahren kräftig zu:

Wer sich im Mai 2014 Vonovia-Aktien ins Depot holte, hat inklusive der Dividenden 90% Gewinn erzielt.

Niederlage Deutsche Wohnen: Nicht jede Übernahme war ein Erfolg

Der Vonovia-Übernahme-Kurs war allerdings nicht nur von Erfolgen begleitet. 2015 wagte das Management einen feindlichen Vorstoß auf den Branchen-Zweiten Deutsche Wohnen.

Der Konkurrent wollte sich mit der ebenfalls zur Spitzengruppe zählenden LEG Immobilien zusammenschließen und Vonovia wollte mit dem Vorstoß die Schaffung eines stärkeren Rivalen verhindern.

Der Plan ging auf – wenngleich nur teilweise.

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Zwar musste das Deutsche Wohnen-Management den Übernahme-Plan LEG abblasen, doch eine feindliche Übernahme durch die Vonovia konnte verhindert werden.

Portfolio-Optimierung durch conwert soll 70 Mio. € zum FFO beisteuern

Nach dem Deal-Aus hieß es immer wieder, dass die beiden Gesellschaften es noch einmal freundlich versuchten könnten, doch es blieb bei Gerüchten.

Zuletzt zeigte sich Konkurrent Deutsche Wohnen für einen Deal zwar offener, doch Vonovia-Chef Rolf Buch sagte im Zuge der Zahlen, dass er im Moment andere Pläne hat.

2017 setze das von ihm geführte Unternehmen auf Neubau und Modernisierungen: 730 Mio. € hat Vonovia dafür bereitgestellt.

Die conwert-Übernahme dürfte also der vorerst letzte Deal gewesen sein.

Den Kauf der Österreicher bezeichnete Buch mit Verweis auf die konstant gebliebene durchschnittliche Anzahl der Wohnungen bei Vorstellung der Zahlen allerdings als Portfolio-Optimierung.

Offenbar war dies eine sehr lohnende Optimierung: Den conwert-FFO-Beitrag bezifferte Vonovia mit 70 Mio. €.

Übernahme-Karussell in der Immobilien-Branche dreht sich auch ohne Vonovia weiter

Auch wenn der Marktführer 2017 voraussichtlich keinen Milliarden-Deal abschließen wird, dürfte sich in der Branche das Übernahme-Karussell weiter drehen.

Neue Käufer aus dem Ausland und die Erwartung weiter steigender Mietpreise treffen auf ein Niedrigzins-Umfeld.

Das sorgt für gute Bedingungen auf dem deutschen Immobilien-Übernahme-Markt. Immobilien-Aktien sind zur Depot-Beimischung ein Blick wert.

Analysten trauen fast allen Immobilien-Firmen (gemessen am durchschnittlichen Kursziel) noch weiteres Potenzial zu.

Zudem sind Immobilien-Unternehmen i. D. R. gute Dividenden-Zahler.

Und wenn Sie sich nicht gerade beim Branchen-Primus Vonovia engagieren, haben Sie den Übernahme-Joker meist gleich mit eingekauft.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.