Corona-Ausbruch bei Tönnies: Gütersloh zurück im Lockdown

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Nun also doch: NRW-Ministerpräsident Laschet verhängt einen Lockdown für den Kreis Gütersloh nach dem Covid-Ausbruch bei Tönnies. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Es ist ein Vorgang, der es in sich hat: Seit Tagen beschäftigt der massenhafte Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück die Öffentlichkeit.

Heute nun trat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vor die Presse und verkündete, wovor er sich bislang gescheut hatte. Für den Kreis Gütersloh sowie einige angrenzende Bereiche, in denen ebenfalls Tönnies-Beschäftigte untergebracht sind, wird der Lockdown wieder in Kraft gesetzt.

Gütersloh: Zurück auf März

Konkret bedeutet das – neben den bereits beschlossenen erneuten Schul- und Kita-Schließungen – eine Rückkehr zu den Einschränkungen, wie sie Ende März und Anfang April bundesweit Geltung hatten. Kontakte sind nur zu Personen aus dem eigenen Hausstand erlaubt, im Freien dürfen sich maximal zwei Personen verschiedener Haushalte gemeinsam aufhalten, für Gastronomiebetriebe gelten strenge Auflagen, die meisten anderen Kultur- und Freizeiteinrichtungen werden wieder geschlossen. Davon betroffen sind unter anderem Kinos, Museen, Fitnessstudios und dergleichen mehr.

Vorläufig sind die Maßnahmen begrenzt auf eine Woche bis Ende Juni. In der Zwischenzeit sollen weitere breitangelegte Testungen stattfinden, beispielsweise sollen Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen im Kreis flächendeckend getestet werden. Zudem soll für alle Einwohner des Kreises Gütersloh die Möglichkeit angeboten werden, sich freiwillig kostenlos testen zu lassen. Darüber hinaus ist eine repräsentative Testung quer durch die ansässige Bevölkerung geplant.

In einer Woche soll dann das Ausbruchsgeschehen erneut bewertet werden. Bislang wurden mehr als 1.500 Beschäftigte der Firma Tönnies positiv auf Covid-19 getestet, aber nur 24 Externe im Kreis Gütersloh. Bleibt es bei diesen geringen Fallzahlen, könnten die präventiven Maßnahmen zeitnah wieder aufgehoben werden, so Laschet am späten Vormittag.

Verunsicherung: Was wird aus den Reiseplänen?

Dennoch bleibt die Verunsicherung in weiten Teilen der Bevölkerung. In wenigen Tagen beginnen die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen, viele Familien haben ihren Sommerurlaub geplant – und sehen sich nun mit Stornierungen konfrontiert, weil Hoteliers am Zielort nun doch lieber keine Gäste aus Gütersloh empfangen möchten. Dies sei nicht hinnehmbar, kritisierte Laschet, wurde jedoch nicht wirklich konkret bezüglich der grundsätzlichen Reisebedingungen.

Auf Nachfrage von Journalisten betonte er, es bestehe kein Ausreiseverbot. Für Gütersloher, die sich derzeit in anderen Regionen aufhalten, haben die neuerlichen Beschränkungen demnach keine Auswirkungen. Andererseits bekräftigte der Chef der Landesregierung, die Menschen sollten den Kreis Gütersloh während des Lockdowns möglichst nicht verlassen, um die Gefahr eines weiteren Infektionsgeschehens gering zu halten.

Bereits in den Tagen zuvor war Laschet nicht gerade durch entschiedenes Durchgreifen aufgefallen. Der bundesweit definierte gemeinsame Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wurde mit dem Ausbruch bei Tönnies weit überschritten, dennoch zögerte die Landesregierung mit der Verhängung des Lockdowns für die betroffene Region – bis heute.

Für die Bevölkerung im Kreis Gütersloh stehen damit erneut schwierige Tage bevor. Und auf Tönnies könnten neben den Kosten für die Testreihen nun auch noch Schadensersatzforderungen der gerade erst wiedereröffneten Kulturstätten zukommen, die jetzt wieder schließen müssen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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