Corona beflügelt digitale Dienstleister

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Je digitalisierter das Unternehmen und das Produktangebot ist, desto besser läuft es auch in Zeiten von Corona. (Foto: Mikko Lemola / shutterstock.com)

Die Corona-Krise hat in der Dienstleistungsbranche Spuren hinterlassen. Viele Unternehmen haben teils erhebliche Rückschläge verzeichnet, für andere lief es dagegen besser denn je. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je digitalisierter das Unternehmen und das Produktangebot ist, desto besser läuft es auch in Zeiten von Corona und Kontaktbeschränkungen.

Besonders sichtbar wird dieses Bild bei der CEWE Stiftung & Co. KGaA. Während die Umsätze mit digitalen Fotoprodukten durch die Decke gingen, brachen die Geschäfte im Einzelhandel und dem kommerziellen Druck deutlich ein. Die guten und schlechten Geschäfte hielten sich fast die Waage. CEWE erzielte im 1. Halbjahr ein Umsatzplus von 1% auf 277 Mio. €. Dabei konnte ein schmaler Gewinn von 0,15 € je Aktie verbucht werden.

Zu den klaren Gewinnern der Corona-Krise zählt Fiserv. Mit der Übernahme von First Data für rund 22 Mrd. $ und der Pleite von Wirecard zählt Fiserv jetzt zu den stärksten Unternehmen im FinTech-Bereich. Allein im 1. Halbjahr legte der Umsatz um mehr als 140% auf rund 7,2 Mrd. $ zu. Ebenfalls überzeugen konnte mich Moody’s. Die Ratingagentur hat im 1. Halbjahr ihren Umsatz um 15,7% auf rund 2,7 Mrd. $ gesteigert.

Besonders gut haben sich die Investor Services entwickelt. Hier konnte ein Umsatzplus von 27% erzielt werden. Unterm Strich verbesserte sich der Gewinn um 48% auf 5,27 $ je Aktie. Die frühzeitige Digitalisierung zahlte sich aus.

Delivery Hero – der nächste Pleitegeier im DAX?

Ein weiterer klarer Gewinner der Pandemie und der Wirecard-Pleite ist Delivery Hero. Der Essenszusteller ist unverhofft in den DAX30 aufgestiegen und kann sich jetzt in der ersten deutschen Börsenliga rühmen. Dabei ist der Konzern überwiegend im Ausland tätig und hat seine deutschen Geschäfte an seine Konkurrenten verkauft. Der wichtigste Absatzmarkt ist der Nahe Osten. Hier nimmt Delivery Hero eine führende Rolle in der Zustellung von Lebensmitteln ein. Die jüngsten Zahlen geben der Erfolgsgeschichte die notwendige Würze.

Im 1. Halbjahr konnte der Umsatz um 87,4% auf ein neues Rekordniveau von 957,7 Mio. € gesteigert werden. Unterm Strich musste jedoch ein Fehlbetrag von 2,20 € je Aktie ausgewiesen werden. Für uns ist die spontane Erfolgsgeschichte zu risikoreich. Für konservative Investoren ist dieser Trendwert eher nicht geeignet.

Arbeitsmarkt in der Bredouille

Der Arbeitsmarkt wurde von der Corona-Krise hart getroffen. Durch die flächendeckende Kurzarbeit konnten Massenentlassungen vorerst verhindert werden. Was jedoch nicht verhindert werden konnte, ist der Einstellungsstopp bei vielen Unternehmen. In Krisenzeiten geht niemand gerne neue Verpflichtungen ein.

Das Recruiting wurde bei vielen Unternehmen auf Eis gelegt. Die Personalabteilung sitzt selbst in Kurzarbeit. Diese Auswirkungen bekamen die beiden Personalvermittler Adecco und Amadeus FiRe zu spüren. Beide Unternehmen verweisen zwar darauf, dass es sich um kurzfristige Effekte handelt, sicher ist das aber nicht. Im direkten Vergleich schlägt sich Amadeus deutlich besser als Adecco. Das starke Projektgeschäft konnte die Flaute in anderen Bereichen ausgleichen.

Wirecard Konkurrent Adyen

Adyen: Wirecard-Rivale weiter auf WachstumskursDer Zahlungsdienstleister Adyen profitiert von der Wirecard-Krise - und punktet mit einem hohen Wachstum im Corona-Quartal. › mehr lesen


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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