Corona bringt Saubermacher nach vorne

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Während sich Luxuskosmetika derzeit schwer verkaufen lassen, läuft es bei den Hygiene- und Reinigungsartikeln viel besser. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Die Drogerie- und Kosmetikbranche wird durch die Corona- Krise zweigeteilt. Während traditionsreiche US-Konzerne wie Colgate-Palmolive, Procter & Gamble oder Church & Dwight von den Auswirkungen der Pandemie profitieren, haben es andere Konzerne, die vor allem Luxuskosmetika verkaufen, deutlich schwerer. Durch das starke Geschäft mit Hygiene- und Reinigungsartikeln hat Colgate alle Erwartungen übertroffen und den Umsatz in den ersten 9 Monaten um 4% auf rund 12,1 Mrd. $ gesteigert. Der Gewinn legte um fast ein Fünftel zu.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei C&D ab. Der Konzern mit Hammer und Arm hat ebenfalls starke Zahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg um 12% auf 3,6 Mrd. $. Unterm Strich verbesserte sich der Gewinn um mehr als ein Drittel auf 2,52 $ je Aktie. Besonders gut ließen sich Pflegeprodukte für Private verkaufen. Noch besser lief es nur bei P&G. Im Geschäftsjahr 2020 ist bei einem Umsatzplus von 4,8% auf rund 71 Mrd. $ ein Gewinnsprung von 234,3% auf rund 13 Mrd. $ gelungen.

Überzeugen konnte auch Reckitt Benckiser, die trotz der politischen Brexit-Krise wieder auf den Erfolgskurs zurückgefunden haben. Der Umsatz konnte in den ersten 9 Monaten um 12,4% auf rund 10,4 Mrd. £ gesteigert werden. Besonders gut lief das Hygiene-Geschäft, aber auch das Geschäft mit der Liebe. Trotz zeitweisen Kontaktverboten wurden deutlich mehr Durex-Kondome verkauft. Der starke Trend setzte sich fort. Vergleichbar gute Zahlen lieferte Kimberly-Clark, die den Umsatz um 3,2% auf rund 14,3 Mrd. $ steigerten. Der Gewinn legte um 14% zu.

Negative Überraschungen bleiben nicht aus

Doch Hygiene war kein Selbstläufer. Negative Überraschungen gab es bei Ecolab und Walgreens Boots Alliance. Ecolabs wichtigste Kunden sind in der Gastronomie und dem Hotelgewerbe angesiedelt. Aufgrund des weltweiten Lockdowns mussten diese Institutionen zeitweise schließen, sodass auch die übliche Nachfrage nach Hygieneprodukten teilweise ausfiel. Der Umsatz sank um 6,4% auf rund 8,7 Mrd. $. Unterm Strich brach der Gewinn um mehr als ein Drittel ein.

Bei Walgreens brach der Gewinn sogar um fast 90% ein. Zudem plant Amazon den Einstieg in das Medikamenten-Geschäft, wodurch Walgreens Expansionsanstrengungen ernsthaft in Gefahr sind. Hier kam die Digitalisierungsoffensive scheinbar viel zu spät.

Luxus läuft schlechter

Enttäuschend lief es bei Luxuskosmetika. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Luxuskosmetik wird oft an Flughäfen und auf Kreuzfahrtschiffen verkauft. Die Pandemie hat dieses Geschäft praktisch komplett zum Stillstand gebracht. So hat der Marktführer L’Oréal für die ersten 9 Monate ungewöhnlich schwache Verkaufszahlen präsentiert. Der Umsatz sank um 7,4% auf rund 20,1 Mrd. €.

Auch Beiersdorf ist mit seiner Luxusmarke La Prairie vor allem an Flughäfen erfolgreich. Aufgrund des weltweiten Lockdowns brach der Umsatz dieser Selektivmarke um 34,5% ein. Selbst die Geschäfte der Dachmarke Nivea haben es nicht geschafft, diese negativen Effekte auszugleichen. Ich rechne bei beiden Konzernen aber damit, dass es bei diesen kurzfristigen Rückschlägen bleiben wird.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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