Corona-Dilemma: Wenn alle gleichzeitig die Hand aufhalten

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Der Staat verteilt das Geld so großzügig wie nie – und dennoch könnte es am Ende nicht reichen. Der gesellschaftliche Rückhalt bröckelt. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Die Osterferien sind vorbei, der Lockdown bleibt uns erhalten: Bis auf weiteres gelten in Deutschland sowie nahezu allen anderen EU-Staaten strikte Einschränkungen des persönlichen und öffentlichen Lebens.

In Nuancen unterscheidet sich die Ausgestaltung der Regelungen hierzulande je nach Bundesland, im Großen und Ganzen bleibt die gemeinsame Linie jedoch, dass wir noch weit davon entfernt sind von so etwas wie Normalität.

Großveranstaltungen sind bis mindestens Ende August bundesweit untersagt, auch Kulturbetriebe bleiben vorerst geschlossen. Zugleich treten die psychologischen und auch die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Beschlüsse immer deutlicher zutage.

Totalkollaps der Wirtschaftsleistung

Die Vollbremsung der Wirtschaft trifft nicht nur einzelne Branchen, sondern praktisch alle. Vom Dax-Konzern bis zum Solo-Selbständigen werden nun die Rufe nach staatlicher Unterstützung lauter. Zwar hat die Bundesregierung in den vergangenen Wochen bereits mehrere Maßnahmenpakete auf den Weg gebracht, von kurzfristigen Direkthilfen bis hin zur Kreditvergabe mit geringeren Hürden.

Doch ob das auf Dauer ausreicht, bleibt fraglich. Das Geld könnte schnell aufgebraucht sein, immerhin halten gerade alle gleichzeitig die Hand auf. Neben der betrieblichen Liquidität hat die Regierung auch die Einkommen der Angestellten im Blick, sie fördert mit dem Instrument des Kurzarbeitergeldes die Arbeitgeber, um möglichst viele Arbeitsplätze abzusichern.

Schließlich steigen die staatlichen Ausgaben auch durch die neuen Arbeitslosen, deren Jobs bereits weggebrochen sind. Im Vergleich zu anderen Ländern hält sich deren Anzahl zwar in Grenzen, dennoch sind die Belastungen nicht zu unterschätzen.

Sind die Lockerungen zu halten?

Trotz der zögerlichen und mit zahlreichen Auflagen versehenen Öffnung einiger Geschäfte und Gastronomiebetriebe in dieser Woche brechen den Unternehmen erhebliche Einnahmen weg. Voll besetzte Biergärten sind in diesem Sommer kaum denkbar, die erlaubten Ausnahmen zum Take-Away-Verzehr können das kaum auffangen.

Zudem ist völlig offen, ob die bisherigen Lockerungen mittelfristig überhaupt aufrechtzuerhalten sind oder nicht doch wieder zurückgenommen werden. Immerhin häuften sich bereits zu Beginn der Woche die Berichte über zahlreiche Geschäfte, in denen zwar Hinweisschilder aufgestellt, die Maßnahmen ansonsten aber nicht durchgesetzt wurden.

In der Gesellschaft regt sich Widerstand

Sollten sich in den Infektionszahlen der kommenden Wochen negative Effekte abzeichnen, ist durchaus denkbar, dass die Regierung noch einmal zurückrudert und die Beschränkungen wieder verschärft. Der gesellschaftliche Grundkonsens, auf den sie sich dabei bislang stützen konnte, beginnt jedoch bereits zu bröckeln.

Dass Kinderbetreuungseinrichtungen nach aktueller Einschätzung noch weitere drei Monate geschlossen bleiben sollen stößt ebenso auf Unverständnis wie die anlaufenden Abiturprüfungen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind nicht vorbereitet auf eine Situation dieser Tragweite.

Dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr wohl um rund 5 Prozentpunkte einbrechen wird, gilt inzwischen als weitgehend unumstritten. Wie schnell es in den Folgejahren gelingen wird, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, bleibt abzuwarten.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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