Corona hinterlässt deutliche Spuren auf dem M&A-Markt

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In 2020 brachen die globalen M&A-Aktivitäten aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Unsicherheiten deutlich ein. Für 2021 prognostizieren Experten jedoch eine kräftige Erholung. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die erste Ausgabe meines Newsletters im neuen Jahr möchte ich nutzen, um Ihnen einen Überblick über die weltweiten M&A-Aktivitäten (Fusionen & Übernahmen-Aktivitäten) des vergangenen Jahres zu geben. Wie auf allen anderen Märkten spielte dabei der Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 eine besondere Rolle.

Dabei lässt sich das vergangene Jahr wie folgt zusammenfassen: Nach einem guten Start brachen die M&A-Aktivitäten mit Aufkommen der weltweiten Corona-Pandemie im 2. Quartal 2020 deutlich ein und konnten sich erst nach einigen Monaten wieder erholen.

M&A-Markt bricht ein

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Thomson Reuters sind die globalen M&A-Aktivitäten in 2020 sowohl vom Volumen her als auch nach der Anzahl der Deals deutlich eingebrochen. Dies ergibt sich aus einer vorläufigen Analyse des Finanzdatenanbieters Refinitiv, an dem Reuters beteiligt ist.

Insgesamt hatten die im vergangenen Jahr getätigten Übernahme-Deals ein Volumen von nur noch 3,6 Bio. US-Dollar (USD) erreicht. Dabei sank der Gesamtwert der weltweit getätigten Fusionen und Übernahmen im Jahresvergleich um satte 5% und lag somit auf den niedrigsten Stand seit 2017.

Die Zahl der in 2020 getätigten Übernahmen und Fusionen belief sich weltweit betrachtet auf nur noch 48.226 Deals. Das waren 3,9% weniger als im Vorjahr, in dem noch 50.113 Transaktionen verzeichnet wurden.

Absturz im größten M&A-Markt: den USA

Betrachtet man die Entwicklung der M&A-Aktivitäten auf kontinentaler Ebene, so wird deutlich, dass der globale Einbruch vor allem auf dem Absturz des dominanten US-Marktes zurückzuführen ist. Dort sank das M&A-Volumen um 23% auf nur noch 1,4 Bio. USD.

In Europa und im asiatisch-pazifischen Raum stiegen die Ausgaben für Übernahmen und Fusionen in 2020 hingegen deutlich an. So wurden in Europa Deals mit einem Gesamtvolumen von 989 Mrd. USD getätigt, ein Plus von satten 35%.

Die mit Abstand meisten M&A-Aktivitäten in Europa mit britischer Beteiligung statt. Dort wurden im vergangenen Jahr Übernahme-Geschäfte in Höhe von 302 Mrd. USD getätigt, ein stolzes Plus von 50% gegenüber dem Vorjahr.

Auch im asiatisch-pazifische Raum wurden M&A-Transaktionen in Höhe von 872 Mrd. USD realisiert, was einem Anstieg von 15% entspricht.

Es geht wieder aufwärts

In der zweiten Jahreshälfte 2020 konnte sich der globale M&A-Markt wieder deutlich erholen. So wurden im zweiten Halbjahr 8 der 10 größten Deals des gesamten Jahres angekündigt.

Dazu zählten die Übernahme der britischen IHS Markit Ltd. durch den Finanzdatenanbieter S&P Global Inc. für 44 Mrd. USD, die Übernahme des US-Arzneimittelherstellers Alexion Pharmaceuticals Inc. durch die britische AstraZeneca Plc. für 39 Mrd. USD und die Übernahme der Messaging-App Slack Technologies Inc. durch Salesforce.com Inc. für 27,7 Mrd. USD.

Erholung wird sich auch in 2021 fortsetzen

Führende Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass sich die begonnene Erholung des M&A-Marktes auch im neuen Jahr fortsetzen wird. Dafür spreche vor allem der Beginn der Impfkampagnen gegen Covid-19 und die damit verbundene Beruhigung der weltweiten Märkte.

“Die Welt ist immer noch ein volatiler Ort, aber die Grundlagen für eines der größten M&A-Jahre sind vorhanden”, so Stephan Feldgoise von Goldman Sachs Group Inc.

“Bis zum Ende des Sommers gab es einfach keine Bereitschaft von Investoren, eine aktivistische Kampagne zu unterstützen. Der Aktivismus kommt zurück, da einige Fonds die Markterholung nutzen wollen, um neue Positionen aufzubauen”, so Dirk Albersmeier, M&A-Fachmann bei JPMorgan.

Auch das zur Bekämpfung der Corona-Krise in den Markt gepumpte Kapital wird zu einer Erholung der M&A-Aktivitäten in 2021 führen, so die Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC): „Die M&A-Erholung, die in der zweiten Jahreshälfte 2020 begann, wird sich 2021 beschleunigen, da Unternehmen und private Investoren Zugang zu Kapital haben.“

Auch ich bin zuversichtlich und optimistisch, was die Entwicklung im Bereich der Übernahmen und Fusionen angeht. Und eines kann ich Ihnen schon jetzt versprechen: Sie können sich schon jetzt auf einige spektakuläre Deals gefasst machen, über die ich in den kommenden Ausgaben des Übernahme-Sensors berichten werde.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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