Corona-Impfstoff: Russland prescht vor – die Welt bleibt skeptisch

Kurse Laptop – shutterstock_532873330 phongphan

Russland hat einen Impfstoff gegen Covid-19 zugelassen, doch in Europa wird sich wohl vorerst niemand das Mittel spritzen lassen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Corona hat die Welt fest im Griff, das gilt auch im 8. Monat des Jahres nach wie vor. Nach Phasen der mehr oder weniger strikten Lockdowns und anschließender teils zaghafter, teils umfassender Lockerungen stellen sich nun die Weichen für den Herbst.

In Deutschland etwa gehen dieser Tage die Sommerferien zu Ende, nach und nach nehmen die Bundesländer ihren Schulbetrieb wieder auf. Vorgesehen ist regulärer Präsenzunterricht für alle Jahrgangsstufen, Einschränkungen wie Hygienekonzepte oder Vorgaben zu Abständen, Lüftungsintervallen oder auch Maskenpflicht sind von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

Keine Rückkehr zur Normalität

Auch die zahlreichen Reiserückkehrer, die sich in den Sommermonaten eine vermeintliche Auszeit von der Pandemie gönnen wollten, sorgen nun wieder für steigende Infektionszahlen: Etwa ein Drittel der neu registrierten Ansteckungsfälle lassen sich offiziellen Statistiken zufolge auf Reiserückkehrer zurückführen.

Kurzum: Von so etwas wie Normalität sind wir noch weit entfernt, in Deutschland, Europa und insgesamt auf der Welt. Große Hoffnung setzen die meisten Länder daher auf die Entwicklung von Impfstoffen, die unter Hochdruck vorangetrieben wird. Verschiedene Wirkstoffe werden in verschiedenen Ländern und von verschiedenen wissenschaftlichen Teams auf ihre Wirksamkeit hin untersucht, kaum ein Medikament war so heißbegehrt wie ein wirkungsvoller Impfstoff gegen Covid-19.

Russland prescht vor

Russland ist nun in der vergangenen Woche vorgeprescht mit der überraschenden Meldung, einen Impfstoff gefunden und zugelassen zu haben. Präsident Wladimir Putin verkündete den vermeintlichen Erfolg stolz vor der Presse mit dem Hinweis, unter anderem habe eine seiner Töchter sich das Mittel spritzen lassen und es gehe ihr gut.

Das muss reichen – keine umfassenden klinischen Studien, keine Langzeittests, keine Beobachtungen an zehntausenden Probanden, wie sie normalerweise üblich sind und weswegen die Entwicklungs- und Zulassungsprozesse von Medikamenten im Allgemeinen und Impfstoffen im Speziellen so viel Zeit in Anspruch nehmen.

Skepsis im Westen

Im Rest der Welt reagierte man jedenfalls einigermaßen erstaunt, vor allem aber mit einer großen Portion Skepsis auf den russischen Impfstoff, der – angelehnt an technologische Erfolge früherer Jahrzehnte – „Sputnik 5“ getauft wurde. Im Rennen um die Raumfahrt hatten die Russen einst die Amerikaner überholt und Sputnik in den Orbit geschossen.

Auch jetzt sieht man sich als Vorreiter, als das Land, das schneller und besser als andere imstande ist, eine Antwort auf das weltweit drängendste Problem des Jahres zu liefern. Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass der Wirkstoff beispielsweise in Europa ohne Weiteres zugelassen wird. Genau wie alle anderen Zulassungsverfahren steht auch hier die gesundheitliche Unbedenklichkeit im Vordergrund. Dies gilt für Impfstoffe umso mehr, da sie gesunden Menschen verabreicht werden.

Flächendeckender Impfstoff wohl erst 2021

Überwiegt bei therapeutisch eingesetzten Medikamenten der Nutzen gegenüber gewissen Risiken, dürfen durch Impfstoffe in der Regel keine größeren ungewollten Nebenwirkungen eintreten. Wissenschaftler rechnen daher damit, dass erst im Laufe des Jahres 2021 mit wirklich durchgetesteten und dann zulassungsfähigen Impfstoffen zu rechnen ist – und auch das wäre im Hinblick auf das Tempo eine bemerkenswerte Leistung.

Eine Rückkehr zur Normalität, wie man sie in Vor-Pandemie-Zeiten kannte, ist bis dahin wohl so gut wie ausgeschlossen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz