Corona-Krise erschüttert die Flugzeugbauer schwer

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Nicht nur Fluggesellschaften sind von der Corona-Krise hart getroffen, auch der Flugzeugbau leitet wie kaum eine zweite Branche. (Foto: vaalaa / Shutterstock.com)

Die Corona-Krise hat der Luftfahrt ein Katastrophenjahr beschert. Die zahlreichen Maßnahmen gegen die Pandemie haben im Großteil der Welt zu Abriegelungen von ganzen Staaten geführt. Dadurch wurden nicht nur Urlaube gestrichen, sondern auch Lieferketten unterbrochen und Geschäftsreisen verhindert. Somit wurden nicht nur Passagier- sondern auch Frachtflugzeuge in immensen Stückzahlen am Boden gelassen. Konjunktur haben in der Luftfahrt während der Corona-Krise nur die Flugzeugparkanlagen.

Dies schlägt sich ebenso auf den Flugzeugbau nieder. Volle Auftragsbücher hatten bei Anlegern nachhaltig das Vertrauen in Hersteller wie Boeing und Airbus geprägt. Boeing war nur durch einen Skandal wie bei der 737 Max zu fallenden Kursen zu bewegen. Airbus wurde dabei immer als Profiteur gesehen. Die beiden Unternehmen haben gemeinsam einen Burggraben im kommerziellen Flugzeugbau. Dies spielt aber vorerst kaum noch eine Rolle. Die vollen Auftragsbücher retten auch nicht vor den zahlreichen Stornierungen, welche die Corona-Krise zu verantworten hat.

Wenn man volle Auftragsbücher hat, hilft das kaum, wenn Unternehmen wie Lufthansa und Emirates Flugzeuge stornieren wollen, die kurz vor der Auslieferung stehen. Bei Lufthansa reden wir hier allein von Flugzeugstornos im dreistelligen Bereich. Dies führt teilweise auch zu langfristigen Produktionsreduzierungen. Einen ordentlichen Überblick über das Ausmaß bekommen wir wohl erst innerhalb der nächsten beiden Quartale. Die Zahlen zu Q2 und Q3 werden zeigen, wie sich die schlimmsten Monate der Krise auswirken und wie die Unternehmen jeweils daraufhin langfristige Entscheidungen treffen.

Luftfahrt im Wandel

Die Luftfahrtindustrie erlebt einen Strukturwandel. Viele Unternehmen müssen für ihre Margen und Liquidität Kosten senken. Daher sehen wir eine steigende Anzahl an Umstrukturierungsmaßnahmen. Nicht nur Boeing muss einiges verändern. Auch Bombardier will sich verschlanken und fokussiert sich mit seinem Verkauf der Transportbranche an Alstom weiter auf die lukrativen Regional- und Geschäftsflugzeuge. Raytheon Technologies, der neue Merger aus United Technologies und Raytheon Company entwickelt sich ebenfalls zu einem reinen Luftfahrtunternehmen.

Die beiden Sparten von United Technologies werden durch den Merger abgetrennt und separat an die Börse gebracht. Damit verabschiedet sich Raytheon Technologies von der Aufzugssparte Otis Worldwide und dem Klimatechnikbereich Carrier Global. Diese neuen Unternehmensstrukturen innerhalb der Luftfahrtbranche sind langfristig gute Entscheidungen. Schlankere Unternehmen, kürzere Entscheidungswege und starke Synergieeffekte sorgen für nachhaltiges Wachstum und Flexibilität.

Corona-Ansturm auf Privatjets

Charterservices für Privat- und Businessjets sorgen für eine Überraschung in der Branche. Unternehmen, die sich auf Flugreisen von vermögenden Kunden spezialisiert haben, melden erhöhte Umsätze in Zeiten der Corona- Krise. Mit fehlenden Möglichkeiten, kommerzielle Flugzeuge zu nutzen, scheint es einen Ansturm auf die noch bestehenden Alternativen zu geben.

Vermögende Kunden scheinen dieses abgeschottete und in Kleingruppen nutzbare Transportmittel innerhalb der Corona-Krise zu bevorzugen. Es wird sich zeigen, ob sich dieser kurzfristige Trend langfristig auf die Hersteller von Privat- und Regionaljets auswirken kann. Hier könnten vor allem Boeing, Bombardier und Airbus profitieren.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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