Corona lässt den Ölpreis stürzen

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Die Corona-Pandemie und die Lockdown-Maßnahmen lassen die Nachfrage nach Öl einbrechen, was zur Folge hatte, dass auch der Ölpreis eingebrochen ist. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

2020 erlebte der Ölpreis Turbulenzen von historischem Ausmaß. Das Corona-Virus erfasste die Weltwirtschaft und zwang die großen Volkswirtschaften, angefangen mit China, in den Lockdown. Produktionsanlagen und Geschäfte wurden geschlossen, der Flugverkehr wurde eingestellt. Jeder der es sich erlauben konnte, verlegte seine Arbeit ins Homeoffice. Die Menge der benötigten Energie ist in kürzester Zeit so stark zurückgegangen wie noch nie.

Die Ölförderer waren auf eine solche Situation völlig unvorbereitet. Der Spielraum, um auf einen so abrupten Nachfragerückgang zu reagieren, ist gering: Die meisten Förderstätten lassen sich nicht ohne Weiteres anhalten. Somit haben die Ölförderer nur wenige Möglichkeiten, das Angebot der verknappten Nachfrage anzupassen. Die damit beginnende Abwärtsspirale im Ölpreis rief die OPEC Plus auf den Plan.

Gerangel um Marktanteile

Anstatt sich auf straffere Ölpreisbeschränkungen zu einigen, kündigte Russland die Vereinbarung zur Fördermengenbeschränkung mit dem Kartell auf. Die Saudis eskalierten die Situation und drohten, die Fördermenge um ein Viertel auf 12,3 Mio. Barrel pro Tag anzuheben. Die Russen fühlten sich mit den niedrigsten Förderkosten der Welt am längeren Hebel.

Der Streit hat den Preis für Terminkontrakte für die Ölsorte WTI ins Minus gedrängt. Erst im April konnte sich die OPEC Plus unter Einbezug anderer bedeutender Fördernationen wie den USA auf eine massive Fördermengenbeschränkung einigen. Die Hauptlast dieser Beschränkungen tragen Saudi-Arabien und Russland.

Die Zukunft ist ungewiss

Dieser Frieden konnte zwar den Ölpreis wieder steigen lassen, steht aber auf wackeligen Beinen: Der niedrige Preis hat die Schieferölindustrie in den USA zum Erliegen gebracht. Bei steigenden Preisen springt diese Industrie wieder an. Wenn die Fördermenge in den USA steigt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Saudi- Arabien und Russland den Markt mit billigem Öl fluten, um ihre Marktanteile zu verteidigen.

Moderne Konzepte sind gefragt

In diesen turbulenten Zeiten haben die Unternehmen die Nase vorn, die mehr als nur Ölförderung betreiben. Konzerne, die sich auf Gasförderung fokussieren, haben den Vorteil, dass bei Gas die Fördermenge in modernen Anlagen flexibel reguliert werden kann. Auch die Versorgung von Privathaushalten und eine Energiesparte kann Stabilität bieten. Klimaschutzmaßnahmen spielen für immer mehr Ölunternehmen eine zentrale Rolle. Viele Konzerne geben Versprechen zur Klimaneutralität ab und investieren in Erneuerbare Energien.

Shell, Total und Equinor verfolgen ein Projekt, bei dem bedeutende Mengen an industriell produziertem CO2 im norwegischen Kontinentalschelf gelagert werden sollen. Mit Neste haben wir ein finnisches Mineralölunternehmen neu aufgenommen, das sich neben den klassischen Geschäftsbereichen wie der Ölförderung und Weiterverarbeitung auf die Produktion von Biokraftstoffen fokussiert. Dieses alternative Geschäftsfeld kommt Neste vor allem während der Krise zugute. Während Shell das erste Mal seit dem Ende des 2. Weltkriegs die Dividende kürzt, erlaubt sich Neste eine großzügige Dividendenerhöhung.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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