Corona-Maßnahmen werden gelockert: Experimente im Juni

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Von einer bundesweit einheitlichen Linie sind die Länder längst weit entfernt – ab Juni dürfte sich der Flickenteppich weiter ausbreiten. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

An diesem Wochenende steht der letzte Monatswechsel des laufenden zweiten Quartals an. Allen Prognosen zufolge dürfte es wirtschaftlich eines der schwächsten Vierteljahre der letzten Jahrzehnte werden, und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Erste Gehversuche in Richtung Normalität

Dennoch ruhen viele Hoffnungen, aber auch Ängste auf dem über Pfingsten beginnenden Juni. Nachdem weite Teile von Wirtschaft und Gesellschaft hierzulande seit Mitte März drastisch heruntergefahren wurden, sollen im Laufe des Juni Beschränkungen nach und nach gelockert werden.

Unter bestimmten Auflagen werden etwa Kinobesuche wieder möglich sein, Gastronomiebetriebe haben in vielen Bundesländern bereits wieder geöffnet. Der gemeinsame Aufenthalt von bis zu 10 Personen in der Öffentlichkeit wird ebenfalls wieder gestattet.

Es sind erste Gehversuche in Richtung einer neuen Normalität, die wohl bis auf Weiteres nicht viel gemeinsam haben werden mit dem Leben, wie wir es vor Corona gewohnt waren. Doch es ist zugleich ein Balanceakt. Denn die Gefahr einer zweiten Infektionswelle und somit einer erneuten Ausweitung von Einschränkungen ist längst nicht gebannt, wie Experten nicht müde werden zu betonen.

Wirtschaftlicher Kollaps geht vorerst weiter

Aber selbst, wenn epidemiologisch alles gutgehen sollte: Der wirtschaftliche Kollaps ist noch lange nicht vorbei. Restaurants, die aufgrund der vorgeschriebenen Abstandsregeln nur 50 Prozent ihrer Plätze belegen können, machen eben auch nur 50 Prozent ihres normalen Umsatzes, wenn überhaupt. Viele Betriebe befinden sich damit weiterhin im Minus, die Verluste der vergangenen zwei Monate können so lange nicht aufgeholt werden.

Hinzu kommt, dass sich zahlreiche Arbeitnehmer seit Wochen in Kurzarbeit befinden, viele haben zudem ihren Job komplett verloren oder stehen kurz vor der betriebsbedingten Kündigung – das schlägt sich in der Konsumlaune nieder. Verbraucher fokussieren sich auf das Wesentliche, raffen das knapp gewordene Geld zusammen für ihren Lebensunterhalt. Viel finanzieller Spielraum für Freizeitvergnügen oder ausgedehnte Shoppingtouren steht den meisten gerade nicht zur Verfügung. Trotz der absehbaren Lockerungen ist dementsprechend mit einer wirtschaftlichen Erholung auch in der Schlussphase des Quartals eher nicht zu rechnen.

Föderaler Flickenteppich bald wohl noch größer

Auf politischer Ebene zeichnet sich ebenfalls eine scharfe Auseinandersetzung ab: Die Bundesländer tendieren in komplett unterschiedliche Richtungen. Die weitreichendsten Lockerungen versprechen zurzeit die Ministerpräsidenten von Thüringen und Sachsen, während Bayern seinem eher restriktiven Kurs wohl vorerst treu bleibt. Das kann insbesondere in grenznahen Gemeinden zu Verwirrung oder auch schwindender Akzeptanz führen.

Viele andere Bundesländer pendeln irgendwo zwischen den Extrempolen, haben noch keine klare Linie für sich gefunden. Auch, wann und wie die Schulen wieder in ihren Regelbetrieb übergehen können, ist noch nicht entschieden – hier droht nach den Sommerferien der nächste föderale Flickenteppich.

Nach zwei Monaten der Einschränkungen jedenfalls wird der Juni wohl ein Monat der Experimente – Ausgang ungewiss.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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