Corona-Pandemie belastet Europas Wirtschaft stärker als gedacht

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Die EU-Kommission hat ihre Wirtschaftsprognose nach unten korrigiert. Kommt Deutschland mit blauem Auge davon? (Foto: isak55/Shutterstock)

Die Coronakrise trifft Europas Wirtschaft härter als gedacht: Die EU-Kommission geht nach jüngsten Schätzungen von einem europaweiten Konjunktureinbruch um 8,3 Prozent aus, wie in dieser Woche bekanntgegeben wurde. Die vorherige Prognose von Mai war noch um rund 1 Prozent optimistischer ausgefallen.

Für Deutschland wird ein Wirtschaftsrückgang um 6,5 Prozent erwartet. Damit würde die Bundesrepublik noch etwas besser davonkommen als viele andere, insbesondere südliche EU-Staaten, bei denen der Konjunktureinbruch noch härter ausfallen dürfte als der Gesamtschnitt.

Gerade Länder im Mittelmeerraum, die stark vom Tourismus profitieren und einen Großteil ihrer Wirtschaftsleistung darauf ausgerichtet haben, verzeichnen durch die Reisebeschränkungen der vergangenen Monate massive Einbußen.

Deutsche Exporte brechen um 30 Prozent ein

Aber auch die deutsche Exportwirtschaft gerät unter die Räder: Im April gingen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 31,1 Prozent zurück und markierten damit den heftigsten Einschnitt seit Beginn der Statistik im Jahr 1950. Für den Monat Mai fallen die Zahlen geringfügig besser aus: Im Verhältnis zum Vergleichsmonat im Vorjahr gingen die Warenausfuhren um 29,7 Prozent zurück auf 80,3 Milliarden Euro.

Immerhin: Die Talsohle scheint vorerst durchschritten. Setzt man den Mai in Relation zum April, verzeichnen die deutschen Exporte einen Anstieg um rund 9 Prozentpunkte. Auch die Importe legten wieder um 3,5 Prozent zu, gingen im Mai aber im Vergleich zum Vorjahresmonat um 21,7 Prozent zurück auf 73,2 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr schätzen Experten den Exporteinbruch für Deutschland auf etwa 15 Prozent – betonen aber zugleich, dass es sich dabei um eine eher optimistische Prognose handelt. Weltweit rechnet die Welthandelsorganisation mit einem Rückgang des internationalen Warenhandels im zweistelligen Bereich, schwankt dabei aber noch massiv zwischen 13 und 32 Prozent – es sind schlicht zu viele Unwägbarkeiten und Fragezeichen im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen, als dass sich eine gesicherte Prognose bereits treffen ließe.

2021 – Experten warnen vor Optimismus

Unsicherheiten bestehen auch im Hinblick auf die Wirtschaftsprognosen für das kommende Jahr. Beobachter rechnen einerseits damit, dass die schlimmsten Auswirkungen dann vorüber sein dürften und es allmählich wieder aufwärts geht. Demnach wären die verheerendsten Folgen im laufenden Jahr, und davon die schwerwiegendsten wohl im zweiten Quartal zu verzeichnen.

Dennoch warnen Experten immer wieder davor, zu optimistisch zu sein im Hinblick auf 2021, das wohl eher als Übergangsjahr betrachtet werden muss. Eine Rückkehr zur alten wirtschaftlichen Stärke aus den Vor-Corona-Zeiten ist frühestens ab 2022 zu erwarten. Vorher wird es wohl noch zu einer ganzen Reihe von tatsächlichen und Beinahe-Insolvenzen kommen – in Deutschland, aber auch bei seinen internationalen Handelspartnern.

Die Talsohle mag durchschritten sein – möglicherweise zumindest –, aber die Krise ist noch lange nicht vorbei.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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