Corona-Pandemie bremst Stahlproduzenten aus

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Die weltweite Stahlnachfrage wird, vor allem wegen der lahmenden Autoindustrie, in diesem und wohl auch im kommenden Jahr stark zurückgehen. (Foto: Stoyan Yotov / shutterstock.com)

Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal hat wegen der lahmenden Autoindustrie und den Auswirkungen der Corona-Pandemie seine Prognose für die weltweite Stahl-Nachfrage zusammengestrichen. Vor allem die Entwicklung in Europa bereitet Sorge. Aber auch die Nachfrage in den USA und in Brasilien schwächelt. So ging im 1. Halbjahr die weltweite Produktion um 4,9% auf 879 Mio. Tonnen zurück.

Dieser Rückgang war auf COVID-19 und dem darauf folgenden weltweiten Lockdown zurückzuführen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Obwohl die Stahlproduktion in den meisten Regionen nicht eingestellt werden musste, hat der Nachfragerückgang in vielen Ländern zum Stillstand der Anlagen für die Rohstahlproduktion geführt.

Vor diesem Hintergrund haben sich die Geschäfte von ArcelorMittal im 2. Quartal weiter eingetrübt. Der Weltmarktführer litt auch unter nachgebenden Stahlpreisen. Zudem belasteten die gestiegenen Rohstoffkosten und höhere Abschreibungen. So sank der Umsatz um 43% auf 11 Mrd. $. Operativ fiel das Ergebnis jedoch nicht ganz so schlecht aus, wie erwartet. Das EBITDA hat sich zwar auf 707 Mio. $ mehr als halbiert, lag aber über der Prognose.

thyssenkrupp kommt nicht zur Ruhe

Die Aktie von thyssenkrupp ist seit Juli 2017 um über 74% eingebrochen. Ein nachhaltiger Befreiungsschlag ist nicht in Sicht. Zumindest hat sich der schwer angeschlagene Stahl- und Industriekonzern mit dem Verkauf seiner Aufzugsparte für 17,2 Mrd. € finanziell Luft verschafft.

Durch das abgewickelte Geschäft verliert thyssenkrupp aber zugleich seinen wertvollsten Unternehmenszweig und derzeit einzigen nennenswerten Gewinnbringer sowie mehr als 50.000 Mitarbeiter. Die Vorstandschefin nannte den Verkauf an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven eine schwierige Entscheidung. Der Verkaufserlös führt immerhin zu einem deutlichen Rückgang der Verschuldung und einer Erhöhung des Eigenkapitals.

Die Krise stellt den Konzern dennoch vor gewaltige Herausforderungen. Das ganze Ausmaß ist noch nicht absehbar. Vor allem die Krise der Autobranche drückt, wie bei ArcelorMittal, seit Monaten auf die Zahlen – und könnte sich noch einmal ausweiten.

Aurubis ist bislang gut durch die Krise gekommen

Trotz der Corona-Pandemie mit extremen Folgen für die Weltwirtschaft steigerte Aurubis den Umsatz im 1. Halbjahr 2020 um 6,2%. Aurubis konnte das reduzierte Angebot an den Rohstoffmärkten durch flexible Disposition und ein breit diversifiziertes Lieferantenportfolio ausgleichen, sodass alle Produktionsstandorte ausreichend mit Konzentrat und Recyclingmaterialien versorgt waren.

Die schwächere Nachfrage nach Flachwalzprodukten konnte durch Kosteneinsparungen nahezu kompensiert werden. Bei Kupferstranggussformaten erwartet Aurubis eine robuste Nachfrage, gestützt durch eine höhere Nachfrage aus dem Bereich der Industrierohre. Bei Flachwalzprodukten hat sich die Nachfrage vermindert, insbesondere im europäischen Automobilsektor. Dies wird voraussichtlich auch im kommenden Geschäftsjahr so bleiben. Mit Wachstumsimpulsen rechnet Aurubis aus dem Markt für Steckverbinder sowie aus der Elektromobilität.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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