Corona-Schock: Wenn der Staat alle gleichzeitig retten muss

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Die Corona-Krise stellt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor ungekannte Herausforderungen – und wir sind noch ganz am Anfang. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Die Corona-Pandemie hat Europas Wirtschaft fest im Griff. Inzwischen liegen dazu auch erste Zahlen vor – sowohl im Hinblick auf bisherige Auswirkungen als auch Prognosen für die künftige Entwicklung.

Zusammengefasst fallen alle Zahlen düster aus, weitaus schlimmer als vor zehn Jahren während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Damals waren zunächst nur einzelne Branchen betroffen, die Krise weitete sich dann wie ein Dominoeffekt auf weitere Bereiche aus. Staatliche Hilfsprogramme und eine historisch beispiellose expansive Geldpolitik der Notenbanken halfen damals, das Gröbste zu überwinden.

Staat muss retten – alle Branchen gleichzeitig

Nun aber haben die Notenbanken einen Teil ihres Pulvers bereits verschossen: Leitzinssenkungen, wie sie vor zehn Jahren schrittweise vorgenommen werden konnten, sind aktuell kaum möglich, da sich das Zinsniveau überwiegend nach wie vor auf sehr niedrigem bis Null-Niveau befindet.

Also wird Geld gedruckt. Geld, das die Staatsregierungen in die Hand nehmen müssen, um ihre Wirtschaft zu retten – und zwar alle Branchen gleichzeitig. Vom international aktiven Großkonzern bis hin zum Café an der Ecke sind alle gleichermaßen von existenziellen Nöten bedroht.

Q1-Zahlen katastrophal – Q2 wird noch schlimmer

Die Bilanzen für das erste Quartal fallen erwartungsgemäß grausam aus, und die Aussichten für das laufende zweite Quartal sind noch schlimmer: In Q1 waren zunächst nur einzelne Marktsegmente von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, etwa die Luftfahrtbranche aufgrund von Grenzschließungen oder die Automobilindustrie durch rückläufige Nachfrage in Boom-Märkten wie China.

Ab März, als das Virus Europa und Deutschland erreichte, bekamen es dann alle zu spüren: Der Lockdown, der in Deutschland im Vergleich zu einigen europäischen Nachbarn noch verhältnismäßig harmlos ausfiel, stürzte die Wirtschaft quasi über Nacht in eine bislang ungekannte Krisensituation.

Insolvenzen vorprogrammiert

Im zweiten Quartal werden die Folgen dieser Maßnahmen nun voll durchschlagen. Trotz allmählicher Lockerungen einzelner Maßnahmen ist davon auszugehen, dass während des gesamten Quartals weitere Beschränkungen gelten werden, die den Unternehmen das Geldverdienen schwermachen. Zahllose Insolvenzen sind vorprogrammiert. Die Regierung hat alle Hände voll zu tun, den Bedürfnissen der Konzerne und Kleinbetriebe gerecht zu werden, zugleich aber für hinreichend wirkungsvollen Seuchenschutz zu sorgen, um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden.

Es ist ein ebenso ungewohnter wie gewagter Spagat. Politische Prioritäten der vergangenen Jahre, um die erbittert gerungen worden war, wurden über Nacht vom Tisch gewischt. Niemand interessiert sich für eine „schwarze Null“ im Bundeshaushalt, wenn gleichzeitig Millionen von Existenzen im Land bedroht sind.

Die Not kommt unverschuldet, branchenübergreifend und international. Kein Staat kann sich den Folgen entziehen, alle müssen kämpfen – und das ist erst der Anfang. Die Pandemie wütet seit nicht einmal einem halben Jahr. Experten gehen davon aus, dass sie uns noch bis 2021 oder weit darüber hinaus begleiten dürfte.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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