Corona-Verlierer Lufthansa Aktie: Die Krise des Kranichs

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Die Lufthansa wurde von Corona kalt erwischt, die Aktie stürzte erst ins Minus und dann in den MDax. Die Krise des Kranichs geht weiter. (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Mit 2020 wird in wenigen Tagen ein Jahr zu Ende gehen, das alles andere als gewöhnlich war. Das gilt auch und gerade für die wirtschaftliche Perspektive.

Unternehmen, die komplett gesund und mit ebenso starker Bilanz wie positivem Ausblick in das Jahr gestartet waren, steckten schon wenige Monate später in existenziellen Krisen. Ein Beispiel hierfür ist die Lufthansa.

Lufthansa: Schon 2019 in Turbulenzen

Die Traditionsairline hatte bereits im Vorjahr mit Gegenwind zu kämpfen. Die nachlassende Konjunktur sowie die zunehmende Konkurrenz im Billigflieger-Bereich ebenso wie im Premiumsegment machten der Lufthansa zu schaffen. Zudem sorgten höhere Kerosinpreise für steigende Kosten.

2019 steigerte die Lufthansa ihren Umsatz um 2,5 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro, Ebit-Marge und Konzernergebnis gingen jedoch merklich zurück. Doch all das waren Peanuts verglichen mit dem, was 2020 auf die Airline zukommen sollte.

Corona traf Luftfahrtbranche zuerst

Bereits im ersten Quartal gingen die Probleme los. Während Europa selbst noch verschont blieb, mehrten sich die Berichte über eine in China grassierende neuartige Lungenkrankheit, die um den Jahreswechsel erstmals öffentlich bekannt wurde.

Das Grauen von Wuhan, es schien für die meisten Europäer weit weg – nicht so jedoch für die Lufthansa. Sie bekam die Auswirkungen der Pandemie mit als erstes zu spüren, als die Bundesregierung und mit ihr etliche weitere Staaten den Luftverkehr von und nach China weitgehend einstellten, um ein Einschleppen des Virus zu verhindern.

Doch es war bereits zu spät.

Flugverkehr als Pandemiebeschleuniger

Der erste deutsche Corona-Fall wurde in Bayern registriert. Bei einem Automobilzulieferer hatte eine Mitarbeiterin aus China einen Vortrag gehalten, sie war extra persönlich eingeflogen – eine Praxis, die ein Jahr und viele Videokonferenzen später schon fast surreal anmutet. Parallel wurden in zahlreichen weiteren Staaten erste Fälle gemeldet. Das Virus war in Europa angekommen, seine Ausbreitung wurde in den ersten Wochen und Monaten beschleunigt durch den globalen Flugverkehr.

Der kam dann abrupt zum Erliegen. Die meisten Regierungen Europas und darüber hinaus verhängten Flugverbote, Reisebeschränkungen, Lockdown-Maßnahmen – und die Lufthansa-Flotte blieb am Boden. Zeitweise hoben mehr als 90 Prozent der Maschinen nicht mehr ab. Es war ein Desaster in bis dato ungekannter Dimension.

Lufthansa Aktie stürzt ab in den MDax

Bereits im zweiten Quartal geriet die Lufthansa in erhebliche finanzielle Turbulenzen. Staatliche Milliardenhilfen bewahrten die Fluggesellschaft vor der Pleite. Für die Aktie reichte die Hilfe nicht: Nach fast 32 Jahren in der Top-Liga der Deutschen Börse flog die Lufthansa Aktie im Juni aus dem Dax. Seither wird das Papier im MDax gehandelt.

In den Sommermonaten gönnte die Politik den Menschen eine Verschnaufpause: Urlaubsreisen während der Feriensaison waren zumindest teilweise erlaubt, wenngleich europäische Ziele weitaus stärker gefragt waren als Fernreisen. Der gebeutelten Luftfahrt- und Tourismusbranche verschaffte das zumindest ein bisschen Umsatz, doch es folgte das böse Erwachen ab September.

Mit dem Ende der Ferien- und Sommerreisesaison kamen die Urlauber zurück – und mit ihnen das Virus, das sich ab dem Herbst erheblich schneller ausbreitete als noch im Frühjahr. Seit rund zwei Monaten lebt Deutschland nun schon mit täglich rund 20.000 registrierten Neuinfektionen, Tag für Tag sterben hunderte Menschen in der Republik an oder mit dem Virus.

Rotstift bei Flotte und Belegschaft

Und die Lufthansa? Die spart, wo sie nur kann. So wird die Flugzeugflotte ausgedünnt und auch beim Personal wird der Rotstift angesetzt. 150 Maschinen sollen dauerhaft ausgemustert werden, darunter auch der Großraumflieger A380. Von den rund 138.000 Beschäftigten, die die Airline Ende 2019 noch zählte, sollen 40.000 wegfallen, 29.000 davon bereits bis Jahresende.

Ein Großteil des Stellenabbaus erfolgt zunächst im Ausland, doch auch hierzulande müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Abstriche machen. Sie unter anderem verzichten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Zwar betont die Lufthansa, man wolle möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Stattdessen sollen den Beschäftigten Freiwilligenprogramme und Teilzeitangebote offeriert werden. Doch als letzten Schritt schließt die Airline auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus.

Was wird aus den Weihnachtsreisen?

Anfang Dezember hieß es zudem noch, das Streckenangebot über die Weihnachtsfeiertage werde deutlich ausgebaut. Destinationen wie die kanarischen Inseln oder Mallorca erfreuten sich großer Beliebtheit bei den Kunden, die nach einem entbehrungsreichen Jahr ein wenig Sonne und Abstand genießen wollten.

Doch zu diesem Zeitpunkt galten die spanischen Inseln im Mittelmeer und im Atlantik nicht als Risikogebiete. Ein- und Ausreise war mit negativem PCR-Test einfach möglich, auch drohte keine Quarantäne nach der Rückkehr. Das hat sich inzwischen geändert: Die Bundesregierung stuft mittlerweile wieder ganz Spanien als Risikogebiet ein, Rückkehrer-Quarantäne inklusive. Das könnte die Reiselust bei vielen Deutschen wieder eintrüben.

Langstrecke auf eigenes Risiko

Bleibt noch die Langstrecke als Alternative: Viele Fernziele gelten derzeit nicht mehr als Risikogebiet. Dennoch herrscht auch hier eine gewisse Skepsis bei den potenziellen Touristen: Als im Frühjahr binnen kürzester Zeit der globale Flugverkehr weitgehend zum Erliegen kam, hat die deutsche Bundesregierung mit Hilfe der Bundeswehr gestrandete Reisende rund um den Globus eingesammelt. Es war eine teure und – wie die Regierung betonte – einmalige Rückholaktion.

Bedeutet: Wer jetzt noch reist, tut das auf eigenes Risiko und kann sich nicht darauf verlassen, im Falle einer Grenzschließung nach Hause geholt zu werden. Wie schnell sich die Lage in Zeiten von Corona diesbezüglich verändern kann, haben die vergangenen Monate eindrucksvoll bewiesen.

Langzeitkrise für die Lufthansa?

Gut möglich also, dass die Veränderungen im Reiseverhalten – vom Wegfall vieler Geschäftsreisen bis hin zur touristischen Orientierung im Bereich der Naherholung – auch über die akute Pandemielage hinaus Bestand haben werden oder zumindest noch eine Weile nachwirken. Bis die Luftfahrtbranche ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht haben wird, dürften Beobachtern zufolge Jahre vergehen.

Jeder Monat kostet die Lufthansa einen dreistelligen Millionenbetrag. Schwarze Zahlen sind auch mittelfristig nicht in Sicht, die Airline kalkuliert lediglich mit rund einem Viertel ihres früheren Flugplans. Das aktuelle Ziel lautet Schadensbegrenzung, sprich: eine Reduzierung des monatlich verbrannten Millionenbetrags.

Lufthansa Aktie: Analysten sehen schwarz

Kein Wunder also, dass die Lufthansa Aktie zu den Verlierern des Jahres 2020 gehört: Binnen zwölf Monaten hat sich das Papier um zeitweise mehr als 50 Prozent verbilligt, zuletzt lag das Minus auf Jahressicht bei etwas mehr als 40 Prozent. Nach dem Corona-Absturz im Februar und März ging es lediglich in der Sommerreisesaison ein Stück weit aufwärts, doch auch diese Freude währte nur kurz.

Analysten jedenfalls sehen schwarz für die Kranich-Airline. Schon jetzt ist die Aktie keine 10 Euro mehr wert, und die Prognosen der Experten sind düster. Fast alle raten derzeit Anlegern dazu, sich von dem Papier zu trennen – und rechnen mit einem weiteren Kurssturz in Richtung 5 Euro, so etwa die Analysten von Barclays (5,10 Euro), Morgan Stanley (5,00 Euro), Merrill Lynch oder Credit Suisse (jeweils 4,60 Euro).

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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