Coronakrise bestimmt Börsengeschehen

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Die Coronakrise wirkt sich zunehmend auf das öffentliche Leben in Deutschland aus – und hat das Börsengeschehen weiter fest im Griff. (Foto: OlegDoroshin / Shutterstock.com)

Die Coronakrise hat das Börsengeschehen weiterhin fest im Griff. Nach den weltweiten massiven Kursabstürzen vom Montag konnten sich die Märkte trotz zwischenzeitlichen zaghaften Versuchen einer Gegenbewegung bislang nicht wirklich erholen.

Zum Wochenauftakt rauschten Indizes wie Dax oder Dow Jones um jeweils mehr als 7 Prozentpunkte in die Tiefe, in New York wurde der Handel zeitweise komplett ausgesetzt. Die italienische Regierung hat das gesamte Land abgeriegelt und strikte Auflagen verhängt: Die eigenen vier Wände verlassen darf nur noch, wer einen triftigen Grund hat, dazu zählen etwa Arztbesuche oder Einkäufe.

Bundesligaspiele in leeren Stadien

Auch in Deutschland werden die Auswirkungen inzwischen deutlicher spürbar. Am Abend findet die erste Partie in der Geschichte der Fußball-Bundesliga komplett ohne Zuschauer im Stadion statt – ausgerechnet das bereits wegen des Sturmtiefs Sabine verschobene Rhein-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln bestreitet diese historische Premiere.

Am Wochenende folgt dann ein ganzer Spieltag vor leeren Rängen. Mehrere Bundesländer haben bereits Beschlüsse erlassen oder angekündigt, wonach Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern untersagt beziehungsweise nicht mehr zugelassen werden, darunter Nordrhein-Westfalen und Bayern.

In zwei Wochen Zustände wie in Italien?

Betroffen sind neben Fußballspielen auch Konzerte, Messen, Kulturveranstaltungen oder Volksfeste, eine Veranstaltung nach der anderen wird abgesagt. Die Regelungen gelten in Bayern vorläufig bis Mitte April, in Nordrhein-Westfalen gibt es keine zeitliche Begrenzung. Und diese Maßnahmen dürften erst der Anfang sein.

Nicht wenige Beobachter rechnen damit, dass Ausmaße wie in Italien auch hierzulande nur noch eine Frage der Zeit sind. Schon in ein bis zwei Wochen könnte sich die Lage entsprechend verschärfen. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Mitarbeiter inzwischen ins Home Office geschickt, um einerseits die Praktikabilität zu testen und andererseits die Belegschaft vor weiteren Infektionen zu schützen.

Denn auch wenn das Virus für die meisten jüngeren Menschen ohne Vorerkrankung glimpflich verläuft, können sie zum Überträger werden und Ältere, gesundheitlich Geschwächte oder andere Risikogruppen anstecken, die deutlich schlechtere Aussichten und höhere Mortalitätsraten haben.

Dramatische wirtschaftliche Folgen

Während also das öffentliche Leben zunehmend eingeschränkt wird und allerorten die Auswirkungen spürbar werden, warnen auch immer mehr Unternehmen vor den wirtschaftlichen Folgen. Adidas beispielsweise rechnet mit Einnahmeausfällen von einer Milliarde Euro – und das allein im ersten Quartal.

Besonders hart trifft es die Tourismus- und Reisebranche, Veranstalter von größeren Events oder auch Industrieunternehmen, die auf reibungslose globale Lieferketten angewiesen sind. Die Bundesregierung hat inzwischen Hilfsmaßnahmen angekündigt, die an die Finanzkrise vor gut zehn Jahren erinnern. So soll ab April das Kurzarbeitergeld leichter zu bekommen sein, das bereits damals die Krise überbrücken half und dadurch etliche Arbeitsplätze sichern konnte.

Langfristig neue Strukturen im Welthandel?

Klar ist jedoch schon jetzt: Das Virus geht um die Welt. Experten schätzen, dass gut zwei Drittel der Bevölkerung sich mittelfristig noch infizieren werden. Es geht nur noch darum, Zeit zu gewinnen, um das Gesundheitssystem nicht zu stark zu überlasten und Forschern die Chance zu geben, Gegenmittel oder Impfstoffe zu entwickeln.

Langfristig dürfte die Epidemie Folgen haben, nicht zuletzt auch für ökonomische Strukturen. Sich beispielsweise mit Blick auf Antibiotikanachschub abhängig zu machen von zentralisierten Produktionsstandorten in China und Indien, wird sich Europa künftig nicht mehr leisten können. Auch globale Lieferketten könnten neu strukturiert und regionaler aufgebaut werden.

Vorerst aber gilt es, die aktuelle Ausnahmesituation zu meistern – aus gesellschaftlicher wie auch aus wirtschaftlicher Perspektive.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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