Coty-Aktie: Anleger senken nach Umstrukturierungsplänen den Daumen und lassen Aktie in den Keller purzeln

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Coty-Aktie: Beteiligung von Milliardärs-Familie Reimann schockt Anleger mit hohen Abschreibungen und radikalem Umbau (Foto: BOOCYS/Shutterstock)

Einen herben Rückschlag mussten am Montag die Anleger des US-amerikanischen Kosmetikherstellers Coty verkraften. Nachdem sich die Aktie seit dem Dezembertief zwischenzeitlich mehr als verdoppelt hatte, sackten die Papiere zum Wochenbeginn 13% in den Keller. Auslöser waren Milliardenabschreibungen und ein radikales Umbauprogramm, dass von den Marktteilnehmer negativ aufgefasst wurde.

Coty im Portrait

Coty mit Sitz in New York zählt zu den weltweit führenden Kosmetikherstellern. Dabei geht der Konzern auf ein 1904 vom Parfümeur François Coty in Paris gegründetes Unternehmen zurück, das schon früh in den Vereinigten Staaten Geschäfte betrieb. Von 1963 bis 1992 war Coty ein Tochterunternehmen des Pharmakonzerns Pfizer. 1992 übernahm das deutsche Spezialchemie-Unternehmen Joh. A. Benckiser GmbH, dem zuvor schon die Rechte an den Duftmarken Davidoff, adidas und Jil Sander gehörten, das Unternehmen und gliederte 1996 die Luxusmarken in die Tochtergesellschaft Coty Inc. aus.

Noch 1996 wurde der britische Kosmetikhersteller Rimmel übernommen. Durch Übernahme des Bereiches Düfte (UCI) von Unilever im Mai 2005 wurde Coty zum weltgrößten Hersteller von Düften für den Massenmarkt. Im Jahr 2015 nahm Coty einen großen Schluck aus der Pulle und schluckte für 12,5 Milliarden Dollar verschiedene Kosmetik- und Pflegemarken vom Konkurrenten Procter & Gamble, darunter Clairol, Wella, Max Factor sowie die Parfüme der Marken Hugo Boss, Gucci, Lacoste und Bruno Banani.

Geschäfte laufen schleppend

Zuletzt hatte das Unternehmen aber mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Im zurückliegenden Quartal sackten die Umsätze um 10,4% auf 1,99 Milliarden Dollar in den Keller. Für Sie zum Vergleich: Die Analysten waren im Vorfeld der Zahlen von einem Umsatz in Höhe von 2,06 Milliarden Dollar ausgegangen. Der Umsatz im Luxussegment, zu dem Marken wie Gucci und Hugo Boss zählen, fiel erstmals seit mindestens zwei Jahren um 3,1%. In der Sparte Consumer Beauty sank der Erlös sogar um 18%, wobei Coty insbesondere der stärkere Wettbewerb zu schaffen machte.

Dank striktem Kostenmanagement aber besser als erwartet

Bei der Profitabilität konnte der Kosmetikhersteller aber punkten. Ungeachtet der Umsatzeinbußen gelang es dem Konzern, den Nettoverlust von 77 Millionen Dollar im Vorjahr auf 12,1 Millionen Dollar zu reduzieren. Vor allem die rigide Kostenkontrolle hatte hierzu beigetragen. So sanken die gesamten Aufwendungen im Jahresvergleich um 14,4% auf 1,07 Milliarden Dollar.

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Hohe Abschreibungen drücken auf die Stimmung

Am Montag sorgte der Konzern bei seinen Anlegern für schlechte Stimmung. Coty gab bekannt, sein Markenportfolio deutlich straffen und tiefgehende Strukturveränderungen durchführen zu wollen. Das drückt erstmal auf die Kosten. Für den Zeitraum von 2020 bis 2023 bezifferte das Unternehmen die Aufwendungen auf ungefähr 600 Millionen Dollar. Zudem gab der Konzern massive Abschreibungen bekannt.

Der US-Kosmetik-Konzern schreibt nach der holprigen Übernahme mehrerer Procter & Gamble-Marken rund 3 Milliarden Dollar auf Firmenwerte ab. Bereits im Frühjahr hatte Coty eine Milliarde Dollar abgeschrieben, weil die Übernahme nicht die gewünschten Erfolge brachte.

Auffällige Käufe durch Firmeninsider

Während es operativ eher durchwachsen läuft, zeigt sich die Konzernführung ausgesprochen optimistisch und fällt mit signifikanten Aktientransaktionen auf. Nachdem Anfang Mai bereits sechs verschiedene Firmeninsider zugegriffen und bedeutende Aktienpakete erworben haben, ist es Ende Mai zu wiederholten Transaktionen durch den Director Pater Harf gekommen. Harf hat sich nochmals fast 1,27 Millionen Aktien zugelegt.

Bei Preisen zwischen 12,85 und 13,05 Dollar pro Aktie kostete ihn das mehr als 16,43 Millionen Dollar. Bei einem aktuellen Aktienkurs von 11,59 Dollar liegt er mit seinen jüngsten Käufen aber deutlich hinten.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.