Coty-Aktie: Milliardärsfamilie haucht Kostemtik-Konzern wieder neues Leben ein

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Milliardärsfamilie Reimann will die Mehrheit und legt milliardenschweres Angebot für Coty-Aktien auf den Tisch. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Operativ hat sich der schleichende Verfall bei dem Parfüm- und Kosmetikhersteller Coty zuletzt weiter fortgesetzt. Die aggressive Expansionsstrategie brachte zwar Umsatzwachstum, aber seit nunmehr zwei Geschäftsjahren verharrt der US-Konzern in der Verlustzone. Entsprechend düster sah es mit der Aktienkursentwicklung aus. Im Sommer 2015 markierte die Coty-Aktie bei knapp 33 Dollar ihr vorzeitiges Allzeithoch, bevor die Papiere in den Sinkflug übergingen. Im Dezember letzten Jahres notierten die Papiere nur noch bei 6,11 Dollar, bevor eine Trendwende einsetzte.

Die Erholungsbewegung wurde jetzt befeuert, da der Großaktionär seine milliardenschwere Beteiligung aufstocken und die Mehrheit des strauchelnden Konzerns übernehmen möchte. Die leidgeplagten Aktionäre dürfte es freuen. Immerhin zog der Aktienkurs auf knapp 11 Dollar an und kletterte damit seit dem Dezembertief um über 70%.

Coty im Portrait

Coty gehört weltweit zu den führenden Parfüm- und Kosmetikkonzernen. Die Firma geht auf ein 1904 vom Parfümeur François Coty in Paris gegründetes Unternehmen zurück, das schon früh in den Vereinigten Staaten Geschäfte betrieb. Von 1963 bis 1992 war Coty ein Tochterunternehmen des Pharmakonzerns Pfizer. 1992 übernahm das deutsche Spezialchemie-Unternehmen Joh. A. Benckiser GmbH, dem zuvor schon die Rechte an den Duftmarken Davidoff, Adidas und Jil Sander gehörten, das Unternehmen und gliederte 1996 die Luxusmarken in die Tochtergesellschaft Coty Inc. aus.

Heute entwickelt und vertreibt die Gruppe ein breitgefächertes Sortiment an Parfüm-, Haut- und Körperpflegeprodukten. Drei verschiedene Geschäftsbereiche – Coty Consumer Beauty, Coty Luxury und Coty Pfofessional Beauty – konzentrieren sich jeweils auf die Produktlinien dekorative Kosmetik wie Make-up oder Haarfärbemittel, Luxusartikel verschiedener Marken sowie Haar- und Nagelsalonprodukte. Verkauft werden die Artikel unter den Marken Max Factor, Rimmel, Calvin Klein, Marc Jacobs, Hugo Boss, Gucci sowie Wella Professionals und OPI weltweit in über 130 Ländern.

Megaübernahme macht Sorgen

Vor gut drei Jahren nahm Coty dann einen großen Schluck aus der Pulle und kaufte für umgerechnet 11,3 Milliarden Euro die Wella-Haarpflegeprodukte und andere Marken von Procter & Gamble. Allerdings erwies sich die Eingliederung des Sortiments als wahrer Kraftakt.

Zusätzlich sorgte die zunehmende Konkurrenz und die anhaltende Schwäche im Massengeschäft mit Drogerien zuletzt für deutliche Bremsspuren. Im zurückliegenden Quartal ging der Umsatz um 4,8% auf 2,51 Milliarden Dollar zurück. Unter dem Strich verharrte Coty tief in der Verlustzone (960 Millionen Dollar), nachdem im Vorjahr noch ein Quartalsgewinn von 109 Millionen Dollar erzielt worden war.

JAB bietet 1,8 Mrd. Dollar für 20% der Coty-Aktien

Trotz der aktuellen Schwäche will es die Milliardärsfamilie Reimann jetzt wissen. Peter Harf, der Chef des Beteiligungsvehikels der Milliardärsfamilie Reimann (JAB), will für 1,75 Milliarden Dollar weitere 20% der Aktien kaufen und so die Mehrheit wiederbekommen.

Das jetzige partielle Übernahmeangebot kommt zum Preis von 11,65 Dollar, was einer Prämie von gut 20 % auf den Aktienkurs von 9,66 Dollar zuvor entspricht und 38 % über dem volumengewichteten 90-Tage-Schnitt liegt. Mindestens – so die Bedingungen des Angebotes – will JAB 50 Millionen Aktien kaufen und den Anteil damit auf etwa 47% hochschrauben. Im besten Fall steigt aber die Beteiligung auf 59% an, wenn JAB 150 Millionen Aktien einsammeln kann.

Die Hürden für das Angebot sind damit nicht allzu hoch. Die Zustimmung des Coty-Bords dürfte dem Mehrheitsaktionär sicher sein. Die Mindestannahmequote von 50 Millionen Aktien dürfte vor dem Hintergrund der operativen Probleme und der offerierten Prämie ebenfalls erreichbar sein.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.