Coty-Aktie: Spekulationen um Wella-Deal lassen Aktienkurs in die Höhe springen

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Coty: Kosmetikriese will Schuldenberg reduzieren und bringt Wella-Deal auf den Weg. Aktionäre teilen Vorschusslorbeeren aus und treiben Aktie nach oben. (Foto: fotogestoeber)

Der angeschlagene Kosmetikkonzern Coty will sich im Rahmen einer Neuaufstellung von Geschäftsteilen trennen, um Geld zum Schuldenabbau zu erlösen. Um künftig wieder in die Spur zu kommen, steht auch der Verkauf renommierter Marken wie Wella auf dem Prüfstand. Die Aktionäre freut‘s: Direkt nach der Ankündigung schoss der Kurs um über 13% in die Höhe.

Coty – weltweit führender Parfümspezialist

Coty gehört weltweit zu den führenden Parfüm- und Kosmetikkonzernen. Die Gruppe entwickelt und vertreibt ein breitgefächertes Sortiment an Parfüm-, Haut- und Körperpflegeprodukten. Drei verschiedene Geschäftsbereiche – Coty Consumer Beauty, Coty Luxury und Coty Professional Beauty – konzentrieren sich jeweils auf die Produktlinien dekorative Kosmetik wie Make-up oder Haarfärbemittel, Luxusartikel verschiedener Marken sowie Haar- und Nagelsalonprodukte. Verkauft werden die Artikel unter den Marken Max Factor, Rimmel, Calvin Klein, Marc Jacobs, Hugo Boss, Gucci sowie Wella Professionals und OPI weltweit in über 130 Ländern.

Hinter dem Konzern steht die deutsche Milliardärsfamilie Reimann, die mit ihrer JAB-Holding 60% aller Aktien hält.

Abschreibungen drücken Coty in die Verlustzone

In den zurückliegenden Jahren liefen die Geschäfte aber nicht mehr wie geschmiert. In 2018 sackten die Umsätze um knapp 8% auf 8,64 Milliarden Dollar ab. Gleichzeitig explodierte der Verlust regelrecht auf 3,77 Milliarden Dollar.

Vor allem signifikante Abschreibungen drückten den Konzern ins Minus. Sie müssen wissen: Coty leidet weiter unter der missglückten Übernahmestrategie der letzten Jahre. In 2016 hatte der Kosmetikriese für 12,5 Milliarden Dollar dem US-Konzern Procter & Gamble eine Reihe von Marken inklusive Wella abgekauft.

Restrukturierung soll es richten

Nach zahlreichen Chefwechseln und einem immens hohen Schuldenberg besteht bei Coty akuter Handlungsbedarf. Auch der Aktienkurs spricht eine deutliche Sprache. In der Spitze rauschten die Papiere von 32 Dollar im Jahr 2015 bis auf 6 Dollar Ende 2018 in den Keller. Zwar haben sich die Papiere inzwischen wieder auf 11,54 Dollar erholt, doch von den alten Höchstständen ist Coty immer noch Lichtjahre entfernt.

Daher greift das Management jetzt durch. Eine Restrukturierung mit Stellenabbau und ein Umzug der Firmenzentrale von New York ins steuerlich günstigere Amsterdam sind erst der Anfang. Vor allem der Bauchladen an zahlreichen Marken soll stark reduziert werden. Schon seit Monaten hieß es, dass sich Coty von 80 auf 20 Marken reduzieren will.

Wella steht auf dem Prüfstand

Auch die vor drei Jahren erworbene Wella steht genauso auf dem Prüfstand wie die Einheit in Brasilien. Die zum Verkauf stehenden Einheiten für professionelle Kosmetik, hauptsächlich Haar- und Nagelpflegeprodukte für Salons, setzten zuletzt 2,7 Milliarden Dollar um. Zukünftig soll der Fokus auf Parfüm, Kosmetik- und Hautpflege-Artikeln liegen. Der Erlös aus den Abverkäufen solle in die Schuldentilgung fließen und den Aktionären mit JAB an der Spitze zurückgegeben werden.

Firmeninsider bringen sich in Stellung

Ungeachtet der operativen Probleme bringen sich die Firmeninsider mit hohen Aktienkäufen schon einmal in Stellung. Nicht nur der Hauptaktionär JAB hat seine Position zuletzt deutlich von 40 auf 60% ausgebaut. Darüber hinaus traten vier weitere Manager mit Aktienkäufen in Erscheinung. Bislang scheint sich das Investment auszuzahlen – seither hat sich der Aktienkurs deutlich erholt.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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