Coty treibt Konzernumbau mit Hochdruck voran

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Coty: Bieterrennen um Friseurgeschäft zeichnet sich ab. Verkauf der Sparte mit Haar- und Nagelprodukten könnte bis zu 8 Milliarden Dollar in die Kasse spülen (Foto: fotogestoeber)

Auch wenn sich der Aktienkurs von Coty in den letzten 14 Monaten beinahe verdoppelt hat, langfristig ist die Performance enttäuschend. Wer auf dem Allzeithoch in 2015 eingestiegen ist, liegt weiterhin über 60% in der Verlustzone. Grund war die schwache operative Entwicklung: Drei Verlustjahre in Folge haben den hoch verschuldeten Kosmetikkonzern in Bedrängnis gebracht. Vor allem die ambitionierte Expansionsstrategie sorgte für Bremsspuren. Allein in 2019 musste das New Yorker Unternehmen milliardenschwere Abschreibungen auf Grund von Wertminderungen bei Zukäufen vornehmen.

Nun will sich der US-Konzern von seinem 8 Milliarden Dollar schweren Friseurgeschäft trennen, vor allem um seinen Verschuldungsgrad zu reduzieren.

Finanzinvestor oder Konsumgüterkonzern – wer macht das Rennen?

Unterdessen zeichnet sich ein wahres Bietergefecht um das Friseurgeschäfts mit Haar- und Nagelprodukten ab. Dabei geht es auch um die Marke Wella, die zu den beliebtesten Marken im Portfolio von Coty gehört. Das Unternehmen verkauft eine Vielzahl von hochpreisigen Produkten. Darunter etwa Haargel, Haarfarben, Shampoos oder Haarschneidemaschinen.

An der Übernahme der Sparte, deren Wert von Experten auf rund 8 Milliarden Dollar taxiert wird, sind nicht nur Beteiligungsgesellschaften wie etwa KKR, Advent International, Cinven, Bain Capital und Clayton Dubilier & Rice interessiert. Auch Konsumgüterkonzerne wie der deutsche Klebstoff- und Shampoohersteller Henkel, Unilever oder Colgate-Palmolive bereiten laut Insiderkreisen Angebote vor.

Billiges Geld befeuert Übernahmeaktivität

Dabei ist das Interesse vor allem durch das niedrige Zinsniveau befeuert. Experten erwarten, dass Finanzinvestoren rekordverdächtiges Eigenkapital in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar aufbringen könnten und auf Grund der günstigen Fremdfinanzierungskosten den Preis nach oben treiben könnten.

Coty verliert mehr als 30% der Umsätze

Für Coty wäre der Deal ein großer Schritt: Immerhin stand das professionelle Kosmetikgeschäft mit Haar- und Nagelpflegeprodukte zuletzt mit einem Jahresumsatz von 2,7 Milliarden Dollar für 31,3% der gesamten Konzernerlöse. Der Geschäftsbereich erzielte unterdessen ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 450 Millionen Dollar, was einer operativen Gewinnmarge von 16% entspricht.

Abbau der Verschuldung hat höchste Priorität

Coty will mit der Veräußerung vor allem die massive Verschuldung nach unten bringen. Zuletzt türmte sich ein Schuldenberg von netto über 7,7 Milliarden Dollar. Die Ratingagentur Moody‘s hatte Investitionen in das Unternehmen als “hochspekulativ” eingestuft.

Zudem soll das Markenportfolio deutlich verschlankt und eine jüngere Käuferschicht in Angriff genommen werden. Coty selbst zahlte 2019 rund 600 Millionen Dollar in bar für eine Mehrheitsbeteiligung an der Kosmetiklinie Kylie Cosmetics der US-Reality-TV-Teilnehmerin Kylie Jenner, um sich bei jüngeren Kunden zu positionieren.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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