Covestro: Aktie des Kunststoffkonzerns nach Milliardenübernahme unter Druck

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Covestro wechselt mit Mega-Übernahme auf die Überholspur: Anleger senken vorerst den Daumen und schicken Aktien auf Talfahrt (Foto: 360b / shutterstock.com)

Antizyklisch schlägt der Kunststoffspezialist Covestro in der Corona-Krise zu: Der Leverkusener Konzern will dem niederländischen Chemiekonzern Royal DSM sein Geschäft mit harzbasierten Farben und Anstrichen abkaufen – Kostenpunkt immerhin 1,6 Milliarden Euro. Den Anlegern scheint die Großakquisition nicht so recht zu schmecken. Direkt nach Bekanntgabe der geplanten Transaktion schickten sie die Covestro-Aktie um 7% in den Keller.

Covestro im Portrait

Covestro zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Hightech-Polymerwerkstoffen. Die Produkte und Anwendungslösungen des Unternehmens stecken in nahezu allen Produkten des modernen Lebens. Zu den Kunden gehören Unternehmen aus den Sektoren Automobil, Bauen und Elektronik sowie aus der Möbel-, Sport- und Textilindustrie.

Covestro bietet über 2.000 Werkstoffe und Lösungen; dazu gehören beispielsweise der Hochleistungskunststoff Polycarbonat sowie verschiedene Klebstoffe, Lacke oder Bindemittel. Das Unternehmen betreibt etwa 30 Standorte in Europa, Asien und Amerika.

Spezialchemiegeschäft soll gestärkt werden

Der geplante Zukauf ist die erste große Akquisition von Covestro, seit der Konzern im Jahr 2015 vom DAX-Konzern Bayer abgespalten wurde. Mit der Übernahme der DSM-Sparte will Covestro vor allem sein Geschäft mit Spezialchemie deutlich stärken. Zuletzt stand das Geschäft bei Covestro für 2,37 Milliarden Euro Umsatz, was rund 40% der gesamten Konzernerlöse ausmacht.

Für den Zukauf legt Covestro 1,6 Milliarden Euro auf den Tisch. Das Geschäft, das Covestro sich einverleiben will, beschäftigt 1.800 Mitarbeiter und erzielt rund 1 Milliarde Euro an Umsatz. Das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) liegt bei 141 Millionen Euro, was einer EBITDA-Marge von gut 14% entspricht. Covestro verspricht sich aus der Übernahme Größenvorteile und breitere technische Möglichkeiten. Zudem soll die Abhängigkeit von einzelnen Kundenindustrien reduziert werden. So steigt der Konzern beispielsweise zu einem der führenden Anbieter im Bereich der Glasfaserkabelbeschichtungen und im Segment der 3-D-Druck-Polymere nach dem Zusammenschluss auf.

Covestro spricht von attraktiver Bewertung

Die Leverkusener legen für den Zukauf das 1,6-fache des Jahresumsatzes beziehungsweise das 11-fache des operativen Ergebnisses auf den Tisch. Trotz der auf den ersten Blick stolzen Bewertung spricht die Konzernführung von einem attraktiven Deal.

Das liegt vor allem an den zu erwartenden Synergien. Covestro geht nach der vollständigen Integration des neuen Geschäftsbereichs von dauerhaften Einsparungen aus, die bis 2025 bis auf jährlich rund 120 Millionen Euro klettern dürften. Zwei Drittel davon sollen durch Kostensynergien erzielt werden. Kapitalerhöhung zur Finanzierung geplant

Finanzieren will Covestro die Übernahme zum Teil durch eine Kapitalerhöhung, mit der etwa 450 Millionen Euro erlöst werden sollen. Zusätzlich sollen 600 Millionen Euro langfristig über Anleihen finanziert werden, der verbleibende Teil (550 Millionen Euro) kommt aus den vorhandenen Barmittelbeständen. Ziel sei es, das Investment-Grade-Rating sicher zu erhalten.

Mit kartellrechtlichen Problemen rechnet der Konzern nicht und geht davon aus, dass der Zukauf im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden kann.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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