Covid-19 legt nun auch Europa lahm

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Ganze Ortschaften abgeriegelt, tausende Menschen in Zwangsquarantäne – chinesische Verhältnisse herrschen nun auch in Norditalien. (Foto: Deutsche Börse AG)

Das Coronavirus ist endgültig in Europa angekommen. Immer mehr Länder melden Infektions- und Todesfälle, längst handelt es sich nicht mehr nur um wenige Einzelpersonen. Vor allem in Norditalien grassiert Covid-19. Innerhalb weniger Tage wurden hier mehrere hundert Fälle registriert, Tendenz: steigend.

Ausbreitung kaum aufzuhalten

Die Behörden reagieren mit drastischen Maßnahmen. Ganze Ortschaften werden abgeriegelt, nur unter strengen Auflagen dürfen Menschen rein oder raus. In den betroffenen Gebieten berichten Einwohner davon, dass sie sich eher vor Isolation oder leeren Regalen im Supermarkt fürchten als vor der Krankheit selbst.

Tatsächlich zählen zu den Todesfällen bislang in erster Linie ältere Patienten, die zudem häufig noch mit anderen Krankheiten kämpften. In den meisten Fällen verläuft die Krankheit bislang verhältnismäßig harmlos, vergleichbar etwa mit einer schweren Erkältung oder bekannten Formen der Grippe.

Drastische Gegenmaßnahmen

Weil Covid-19 bislang aber kaum erforscht ist und es weder Impfstoffe noch verlässliche Gegenmittel gibt, sind Gesundheitsexperten alarmiert. Eine Pandemie, also eine weltweite Ausbreitung der Krankheit, scheint kaum noch aufzuhalten, allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz.

So wurden Rückkehrer aus der chinesischen Stadt Wuhan, die als erste und nach wie vor am schwersten betroffen war von der Epidemie, in Deutschland zunächst zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. Gleiches galt für ein Kreuzfahrtschiff vor Japan, an Bord dessen das Virus grassierte. Auf Teneriffa ist ein Luxushotel mit rund 1.000 Gästen abgeriegelt worden, nachdem ein Infektionsfall bekannt wurde.

Märkte alarmiert – Dax rutscht ab

Täglich mehren sich die Meldungen rund um das Virus – und versetzen auch die Märkte wieder zunehmend in Aufruhr. Anleger hatten die Epidemie nach einer ersten kurzen Alarmphase als begrenztes Ereignis eingestuft und sich die Kauflaune nicht verderben lassen, vor kurzem erst jagte der Dax von einem Rekordhoch zum nächsten.

Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. In dieser Woche fiel das Barometer in Frankfurt auf den tiefsten Stand seit vergangenem Oktober zurück. Ein wesentlicher Grund hierfür: Die Angst vor Covid-19 und seinen wirtschaftlichen Auswirkungen.

Einige lassen sich bereits jetzt absehen, doch angesichts der immer weiteren Ausbreitung und harschen Vorkehrungen dagegen ist völlig ungewiss, in welche Richtung sich die Lage weiterentwickeln wird und wie lange das Thema die Unternehmen und damit auch die Börsen noch umtreibt.

Auswirkungen auf Q1-Bilanzen absehbar

Sicher ist schon jetzt: In den Bilanzen für das erste Quartal werden die Auswirkungen der Epidemie deutlich erkennbar sein, und zwar branchenübergreifend. Zu stark sind chinesische Firmen in die globalen Liefer- und Fertigungsketten integriert, zu sehr sind westliche Konzerne sowohl auf chinesische Zulieferer als auch auf das Reich der Mitte als Absatzmarkt angewiesen, als dass der wochenlange Ausnahmezustand spurlos an ihnen vorübergehen würde.

Inwieweit sich Covid-19 darüber hinaus auch auf die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal oder gar auf die Gesamtjahresbilanzen auswirken wird, bleibt abzuwarten.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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