Crash 1987: Das sollten Sie als Investor unbedingt lesen!

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30 Jahre nach dem 1987er-Börsen-Desaster: Droht uns ein solcher Crash wieder? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Eigentlich wollte ich heute ja die Bedeutung der runden Tausendermarken für den Dow Jones für Sie diskutieren. Wir werden das in der kommenden Woche nachholen. Versprochen!

Das Thema wird deshalb verschoben, weil sich just heute der Crash des Jahres 1987 zum 30. Male jährt.

Es ist mir ein Anliegen, zu diesem Ereignis ein paar Gedanken mit Ihnen zu teilen. Wir werden zudem untersuchen, ob uns ein solches Ereignis derzeit auch drohen könnte.

Der Crash 1987

Falls Sie dieses Blutbad an den Aktienmärkten damals nicht miterlebt haben, hier eine kurze Erinnerung an das Geschehen:

Am 19. Oktober 1987 brach der Dow Jones von 2.246 Punkten auf zeitweilig bis zu 1.677 Zähler ein. Wegen des Verlustes von -25,3% innerhalb weniger Stunden ging dieser Tag als „Schwarzer Montag“ (englisch: Black Monday) in die Börsengeschichte ein.

Gut, wenn Sie nicht dabei waren. Gut, wenn doch!

Als jemand, der diesen Crash damals hautnah zu spüren bekam, kann ich heute rückblickend sagen:

„Gut, wenn Sie ihn nicht persönlich erlebt haben! Gut, wenn Sie ihn persönlich erlebt haben!“ Wie ist das gemeint?

Der Horror und die Alpträume, die ich als voll investierter Anleger an jenem 19. Oktober 1987 und in den Wochen danach durchlebt habe, wünsche ich niemandem.

Andererseits: Nur wenn Sie ein solches Desaster am eigenen Leibe sprich: mit dem eigenen Kapital erfahren haben, können Sie ermessen, was ein derart massiver Vermögensverlust mit einem Menschen anrichten kann.

Ein Erlebnis, das prägte

Mein Börsianer-Leben haben dieser Börsen-Crash vom 19. Oktober 1987 und der Rest jenes Jahres geprägt wie kein anderes Ereignis davor und danach! Er war Motivation für viele Dinge, die ich im Anschluss in meinem Investoren-Dasein geändert habe:

Der wichtigste Aspekt: NIE wieder wollte ich eine solche Börsenphase durchleben müssen! Daraus resultierte unter anderen meine akribische Beschäftigung mit dem Thema Charttechnik.

Tatsächlich habe ich für mich selbst und seit dem Jahr 2004 auch für die Leser meiner Wachstumsaktien-Strategie jede größere Abwärtsbewegung vermeiden können: Das gilt nicht nur für die Finanzkrise 2007/08, sondern auch für den Herbst-Crash des Jahres 2011.

Nie wieder habe ich danach „Alles-(oder-viel)-auf-eine Karte-Trades“ gemacht. Überhaupt habe ich fortan die Risiken bei meinen Investments drastisch gesenkt.

Die von mir empfohlene Gleichgewichtung aller Depotpositionen und die frühe Begrenzung von Verlusten sind nur 2 Aspekte von vielen, die in meiner Wachstumsaktien-Strategie Berücksichtigung fanden.

Dieser Indikator zeigt, ob Bullen oder Bären stärker werdenDer Intraday Momentum Index zeigt Tradern mit Kerzen und Signallinien, ob ein Markt überkauft oder -verkauft ist und wann der Trend dreht. › mehr lesen

Kann sich der Börsenkrach von 1987 wiederholen?

Wäre ein Crash wie der von 1987 auch in der heutigen Zeit denkbar? Dessen können Sie sich sicher sein! Ein solches Ereignis kann uns immer wieder treffen. Allerdings:

Sie können die Bedrohung einer größeren Abwärtsbewegung mit Hilfe der Charttechnik schon im Vorhinein erkennen. Schauen wir uns dazu einmal die folgende Grafik an:

dow jones 1987_19-10-2017

Crash 1987: Es gab im Vorfeld gleich 5 Warnsignale   

Es gab in den Wochen vor dem Crash gleich 5 Warnsignale:

  1. Warnsignal. Beim damaligen Rekordhoch am 25. August 1987 bildete der Dow Jones eine Divergenz (Abweichung) aus: Während der Index ein höheres Hoch generierte, entstand im 50-Tage-Momentum ein tieferes Hoch. Ein früher Hinweis auf eine bevorstehende Trend-Wende.
  2. Warnsignal. Der seit Juni 1987 bestehende Aufwärtstrend im 50-Tage-Momentum wurde am 28. August desselben Jahres nach unten durchbrochen.
  3. Warnsignal. Am 22. September 1987 wurde der Trend-Kanal – wenn auch nur kurzzeitig – verletzt. Die anschließende Erholung und der Bruch des kurzfristigen Abwärtstrends im Index schienen dies indes wieder zu „heilen“.
  4. Warnsignal. Am 8. Oktober 1987 wurde der seit über 1 Jahr gültige Aufwärtstrend-Kanal erneut – und diesmal nachhaltig – nach unten verlassen.
  5.  Warnsignal. Der fünfte und massivste Hinweis folgte am 12. Oktober 1987, also 1 Woche VOR dem Crash. Zum einen wurde das vorhergehende Tief vom 22. September 1987 unterboten (pinkfarbene Linie) und damit ein Abwärtstrend definiert.

Zum anderen hatte das 50-Tage-Momentum inzwischen einen klaren Abwärtstrend ausgebildet und war zudem in den negativen Bereich abgerutscht.

Droht uns aktuell wieder ein Crash?

Schauen wir uns nun noch den aktuellen Dow Jones an:

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Dow Jones 2017: Bislang keine Warnsignale á la 1987

Sie sehen: Von Warnsignalen fehlt derzeit jede Spur. Wie auch? Der Dow Jones markiert seit Tagen immer neue Rekordhochs.

Das heißt: 1 Warnsignal gibt es dann vielleicht doch. Wenngleich es nicht ganz so offensichtlich ist:

Die pinkfarbene Linie im 50-Tage-Momentum bringt zum Vorschein, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt eine Divergenz konstatieren müssen (die Hochs im Dow Jones werden nicht von Momentum bestätigt).

Diese Abweichung würde indes aufgehoben, wenn das Momentum ein neues Hoch erreicht und damit die jüngsten Tops im Dow Jones doch noch bestätigt.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.