Crash-Gefahr bei Banken: Augenwischerei beim Stresstest

In ihrem Bericht über die Ergebnisse des diesjährigen Banken Stresstests behauptet die Europäische Banken-Aufsichtsbehörde EBA, dass sich die europäischen Banken dabei als ausgesprochen stabil erwiesen hätten.

Doch das scheint nur auf den 1. Blick so. Bei genauerem Hinsehen fallen diese Aussagen sofort wie ein vom Wind erfasstes Kartenhaus in sich zusammen.

Bei solchen Stresstests wird in einem fiktiven Crash-Szenario ermittelt, ob die Banken einen angenommenen wirtschaftlichen Schock verkraften könnten.

Beim letzten Stresstest im Jahr 2014 haben 24 europäische Großbanken diesen Test nicht bestanden. Doch der jetzige Test war von vornherein mangelhaft.

Er wurde nämlich so konstruiert, dass keine Bank durchfallen kann, weil es gar keine festen Schwellenwerte für das Bestehen oder Durchfallen gab.

Auch die spekulativen Verstrickungen unserer Banken in Schwellenländer wie China wurden bei diesem Stresstest in keiner Weise berücksichtigt.

Stress-Szenario ist völlig unrealistisch

Hinzu kommt, dass vor allem das unterstellte Stress-Szenario völlig unrealistisch milde ausgewählt wurde.

Unterstellt wurde eine kleine Rezession in Europa mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für 2016 von nur 1,2% und für 2017 von 1,3%.

Bei diesem Szenario würde die Kernkapitalquote der Banken zwar um 3,8 %-punkte fallen, aber keine Bank wäre deswegen überlebensgefährdet.

Doch in der Finanzkrise von 2008/2009 brach das BIP in der EU um 4,3% ein. Einzelne Länder wie etwa Lettland verzeichneten sogar einen Rückgang des BIP um 18%.

Daran sehen Sie, dass das Stress-Szenario gezielt geschönt wurde, damit keine Bank schlechte Noten bekommt und man Ihnen eine positive Nachricht präsentieren kann.

Crash-Anzeichen nehmen wieder zu

Deshalb rate ich Ihnen, die in den Medien verbreiteten positiven Aussagen über das angeblich stabile Banken-System oder die wirtschaftliche Entwicklung sehr kritisch zu sehen.

Auch Anfang 2008 wurde noch vom angeblichen „Aufschwung“ geredet, der demnächst in der breiten Bevölkerung ankommen sollte.

Doch was kam, war nicht der Aufschwung, sondern der Crash, der in eine weltweite Finanzkrise mündete. Insofern ist eben auch jetzt wieder Vorsicht angesagt, bei solchen positiven Ergebnissen für Banken.

Hinzu kommt auch, dass die Bankbilanzen mittlerweile so viele Schlupflöcher bieten, so dass eine fachgerechte Analyse kaum noch möglich ist.

15. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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