Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Crash-Gefahr? Ein aktueller Marktüberblick

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Müssen wir nach den Turbulenzen der vergangenen Handelswoche nun den nahtlosen Übergang in einen Crash befürchten? (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Das kam selbst für mich überraschend!

Die heftigen Index-Einbußen an der Wall Street und im DAX am Mittwoch und noch mehr am Donnerstag waren – wie Sie gleich noch sehen werden – so nicht unbedingt zu erwarten.

Aus charttechnischer Sicht wurde damit reichlich Porzellan zerschlagen. Auch das werde ich Ihnen zeigen.

Noch wichtiger für Sie ist indes wohl eine Antwort auf die Frage, ob nun sogar ein Crash möglich ist? Lassen Sie uns dazu gemeinsam auf die Charts der wohl einflussreichsten Indizes schauen.

Wir beginnen heute mit dem DAX und nehmen uns dann morgen die Wall Street vor.

Wann ist überhaupt „Crash“?

Trotzdem es in der Börsengeschichte bereits zahlreiche „Crashs“ gegeben hat, existiert keine wirkliche Definition darüber, ab welchen Ausmaßen – sowohl zeitlich, wie im Umfang – wir eigentlich diesen Begriff verwenden (sollten).

Ich habe für mich vor vielen Jahren einmal festgelegt, dass ich Index-Rückschläge von mindestens -15% innerhalb kurzer Zeit als „Crash“ definiere.

Die Korrektur an der Wall Street vom 29. Januar bis 9. Februar dieses Jahres beispielsweise war zwar recht kurz, aber mit „nur“ -12% Minus – nach meiner Definition – bestenfalls ein „Mini-Crash“.

Der DAX hat seit dem 3. Oktober  – das letzte Top im S&P 500 – rund -7% verloren. Beim US-Index beläuft sich der Abschlag im selben Zeitraum auf in der Spitze -7,5%.

Schulter-Kopf-Schulter-Formation im DAX?

Kommen wir damit zum DAX: Verschiedentlich wird von Analysten derzeit eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation kolportiert, die sich seit Februar des vergangenen Jahres ausgebildet haben soll.

Seinen Namen bezieht dieses Kursmuster aus dem Erscheinungsbild: Die Notierungen hinterlassen auf einem Chart eine Formation, die die Umrisse einer Büste abbildet.

In der Charttechnik hat dieses Kursmuster eine negative Prognose-Kraft: Der Markt dreht, aufgrund von Käufen stets auf einem Niveau wieder nach oben. Sobald dieses unterboten wird, ist die Chart-Formation „aktiviert“: Die Nachfrage konnte nicht erneut für eine Rallye sorgen.

Was bei der Analyse dieses Kursmusters jedoch gerne vernachlässigt wird: Die Umsätze müssen bei einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation einem bestimmten Muster folgen.

Schauen wir uns das einmal im nachfolgenden Wochen-Chart an:

DAX: Schulter-Kopf-Schulter-Formation  

Das Idealbild einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Die Umsätze sollten auf dem Weg zur linken Schulter überdurchschnittlich hoch sein. Der Anstieg zum Kopf ist üblicherweise von geringerem Volumen begleitet – ein erster Hinweis darauf, dass mit dem Aufwärtstrend etwas nicht mehr stimmt.

Der Umsatz an der rechten Schulter muss definitiv niedriger ausfallen als bei den vorhergehenden Tops. Beim Durchbruch durch die Nackenlinie – so wird die Linie bezeichnet, welche die Tiefs zwischen den Hochs miteinander verbindet – kann es zunächst zu einem leichten Rückgang mit geringem Volumen kommen. Kann, aber muss nicht.

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Spätestens nach dem Pull-Back (Rücksetzer) an die Nackenlinie sollten die Kurse dann jedoch dynamischer und mit deutlich zunehmenden Umsätzen fallen. So viel zum Idealbild einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation.

Umsätze passen nicht wirklich zur Formation

Wie Sie sehen, lag das Umsatz-Niveau am Kopf sogar leicht höher, als an der linken Schulter. Das passt also schon mal nicht so richtig.

Auch das Volumen an der rechten Schulter will nicht so recht mitspielen: Es bewegt sich auf dem Niveau des 50-Tage-Durchschnitts.

Bislang passt demnach eigentlich nur das deutlich anziehende Volumen beim Durchbruch durch die Nackenlinie ins Bild einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation.

Jetzt wird es richtig kurios!

Schauen wir daher zum Abschluss auf einen Tages-Chart mit einem Indikator, der uns ein übersichtlicheres Bild zum Verhalten der Marktteilnehmer bietet: Das On-Balance-Volumen.

Dieser Indikator verknüpft die börsentäglichen Kursänderungen mit den Umsätzen. Auf diese Weise sehen Sie, wie sich die Großinvestoren in einem Markt verhalten:

DAX kurios: Großinvestoren kaufen seit 14 Monaten tendenziell zu

In diesem Chart wird noch deutlicher, dass die Schulter-Kopf-Schulter-Formation obsolet ist:

  • Die Großinvestoren haben auf dem Weg zum Gipfel stärker gekauft, als an der linken Schulter.
  • Das Bild an der rechten Schulter würde passen – allerdings nicht der Anstieg im September: Er führte das On-Balance-Volumen (OBV) sogar auf ein neues Top!
  • So richtig kurios wird es, wenn Sie die Entwicklung seit August 2016 betrachten: Hier hat das OBV einen Aufwärtstrend ausgebildet, der selbst nach den jüngsten Rückschlägen noch immer intakt ist!?

Fazit

Die erste Erkenntnis lautet: Die Abschläge der vergangenen Woche haben sich im Vorfeld nicht angedeutet. Der Rücksetzer war in seine Ausprägung also definitiv überraschend.

Was sich korrekt erfüllt hat, war die negative Prognose, die Sie aus der Chart-Formation des absteigenden Dreiecks ableiten können. Allerdings:

Das Kursziel aus dem Dreiecks-Muster wurde inzwischen bereits „abgearbeitet“. Das zeigt Ihnen die gestrichelte rote Linie.

Was indes völlig vom Kursbild abweicht, ist das Verhalten der Großinvestoren: Hier finden wir seit 14 Monaten einen Aufwärtstrend vor, der obendrein auch noch intakt ist.

Die Gefahr eines Crashs beurteile ich damit als nicht allzu hoch. Eine Garantie ist das aber selbstverständlich nicht. Daher sollten Sie nun auch nicht voller Optimismus auf einen steigenden DAX setzen.

Das Beste, was Sie in der aktuellen Marktlage tun können, ist, die weitere Entwicklung der Aktienmärkte abzuwarten bzw. zu beobachten. Denn schließlich haben wir noch eine andere Einflusskomponente, die nicht zu unterschätzen ist: Die Wall Street.

Doch darauf schauen wir dann morgen!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.