Crash in China

Der Crash in China lässt wieder einmal auf sich warten.

Erinnern Sie sich noch an die Asien-Krise der Jahre 1997/1998 – vielleicht thematisch? Da war doch mal was…

Zugegeben, die präzise Zeitangabe habe ich auch über das Internet verifiziert, bevor ich sie Ihnen hier genannt habe.

Gefühlt jedes Jahr ein China-Crash

Wenn ich mich an diese nun rund 20 Jahre seit der Asien-Krise zurückerinnere, habe ich das Gefühl, jedes Jahr hätte es einen Crash in China geben müssen –  zumindest wenn ich den Krisen-Prognosen geglaubt hätte.

Harte Landung, weiche Landung in China – wie auch immer; bergab sollte es gehen, so sagen es uns die vermeintlich weisen Konjunktur-Forscher und deren Prognosen – jedes Jahr.

China-Crash großes Thema im Jahr 2016

Sie erinnern sich vermutlich noch?

Letztes Jahr war der China-Crash auch wieder ein großes Thema – zumal das Thema des vermeintlich kommenden China-Crashs so schön in die diversen Untergangs-Szenarien passte:

Euro-Krise, Kriege, Rechtsruck in den Niederlanden, Frankreich und ein Stück weit in Deutschland, Pleite in Griechenland, Italien und Portugal nicht weit davon entfernt und schließlich der BrExit.

Da passte der gefühlt 20ste China-Crash seit dem Jahr 1997 gut hinein. Allein, der China-Crash kam nicht; er kommt seit 20 Jahren nicht; nicht im Vorjahr 2016 und auch nicht im 1. Quartal 2017.

Wachstum im Jahr 2016 und Anfang des Jahres 2017

  • Jahr 2016: Im vergangenen Jahr 2016 verzeichnete China ein Wachstum von 6,7%. Das war wohl geringer als über 20 Jahre zuvor. Im weltweiten Vergleich liegt China damit aber immer noch weit vorne – wie auch immer: auf jeden Fall kein Crash; eher das Gegenteil.
  • Start ins Jahr 2017: Im 1. Quartal 2017 wieder kein Crash. Die aktuellen Zahlen zeigen sogar, dass es eine kleine positive Überraschung gab. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zum Vergleichs-Quartal des Vorjahres um 6,9% zu – das beste Ergebnis seit dem 3. Quartal 2015.

Lügen mit Zahlen?

Wenn Sie hier schon eine Zeitlang mitlesen, wissen Sie vermutlich, dass ich statistischen Angaben misstraue und gerne auf das Buch „Lügen mit Zahlen“ in meinem Bücherschrank verweise.

Mit Zahlen lässt sich alles beweisen, auch das Gegenteil.

Zahlen aus Bankbilanzen des Jahres 2017 lassen nicht mehr mit denen von vor 10 Jahren vergleichen. Die Arbeitsmarkt-Statistik in Deutschland hat heute andere Grundlagen als die von vor 10 Jahren.

So könnte ich nahezu endlos weiter schreiben. Entsprechend sind auch die Wachstums-Zahlen aus China mit Skepsis zu betrachten:

China mag im 1. Quartal 2017 statt 6,9% nur 6,5%, 6% von mir aus auch nur um 5% gewachsen sein; ich weiß es nicht.

Allein, ein China-Crash wären auch 5% Wachstum nicht. Es gilt, wie eingangs geschrieben: Der Crash in China lässt wieder einmal auf sich warten.

Gut möglich, dass es den chinesischen Staatslenkern gelingt, statt einer weichen Landung eine supersofte, extrem weiche, kaum spürbare Landung hinzuzaubern.

Irgendwann liegt das Wachstum in China auf Augenhöhe im internationalen Vergleich, kaum einer hat es gemerkt und China geht es gut.

Warum schreibe ich Ihnen das alles?

Das Internet liebt Dramen – zumindest die für Klickraten auf Meldungen verantwortlichen Mitarbeiter lieben diese, wissen sie doch, dass ein Crash-Szenario immer zieht.

Also werden Themen wie China-Crash gerne ausgepackt.

Haben Sie die China-Crash-Geschichten auch oft gelesen, oder andere Crash-Szenarien? Diese Themen haben nachweisbar mehr Leser als weniger krawallartige.

Ich empfehle Ihnen, dass Sie Nachrichten nie ungeprüft lesen, und v. a.: Investieren Sie aufgrund solcher Nachrichten nie an der Börse!

Wer seit 20 Jahren auf einen Crash in China setzt, hat 20 Jahre lang verloren.

Mein Geständnis

Auf welchen Titel klicken Sie eher?

„Achten Sie auf den Wahrheitsgehalt von Nachrichten“

oder

„Crash in China“

Meine Botschaft ist der obere Titel. Überschrieben habe ich diesen Kommentar aber mit dem unteren Titel. Das gibt Klicks – dafür ein augenzwinkerndes Sorry!

Und wenn China doch crasht?

  1. Dann jubeln die Crash-Propheten, haben Sie doch nach 20 Jahren endlich einmal richtig gelegen – tolle Leistung! – so wie bei der kaputten, stehen gebliebenen Uhr: Die zeigt auch 2x am Tag die richtige Uhrzeit an.
  2. Und wenn es eine richtige Asien-Krise gibt – eine, die die Märkte weltweit nach unten zieht? Dann zieht noch etwas; und zwar unsere geniale Strategie mit Calls und Puts.

Zum guten Schluss: Heute genau vor 68 Jahren, also am 19.04.1949, kam Paloma Picasso, die Tochter von Pablo Picasso, zu Welt. Sie sagte:

„Weiterzuarbeiten, obwohl man reich ist, das ist der größte Luxus.“

Genauso geht es mir auch. Mir wird immer einmal wieder die Frage gestellt:

„Warum schreiben Sie den Börsenbrief Optionen-Profi?“

Ich sage:

„Weiterzuarbeiten, obwohl man reich ist, das ist der größte Luxus. – Diesen Luxus gönne ich mir, denn meine Arbeit macht mir Freude.“

Ich wünsche Ihnen den Luxus, arbeiten zu dürfen, nicht zu müssen und sende beste Grüße!

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

19. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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