Creat muss Biotest-Übernahme neu einreichen

Die Gerüchte der Vorwoche haben sich heute morgen bestätigt:

Das Committee on Foreign Investment in the United States, kurz: CFIUS, ist ein Ausschuss, der sich bei Übernahmen mit Sicherheits-Fragen und US-Interessen beschäftigt.

Dieses hat das deutsche Pharma-Unternehmen Biotest darüber informiert, dass sie Sicherheits-Bedenken bei der Übernahme des Unternehmens durch den chinesischen Bieter Creat hat.

Da dies in der Regel bedeutet, dass eine Übernahme nicht genehmigt wird, tat der Bieter das, was der Regelfall ist:

Der Antrag auf Deal-Genehmigung wurde zunächst zurückgezogen.

Ein Deal ist damit allerdings noch nicht endgültig vom Tisch. Biotest und Creat wollen einen abgeänderten Antrag einreichen und damit den Deal noch retten.

Dabei setzt man auf ein beschleunigtes Prüfverfahren und Gespräche mit den Behörden, um Bedenken auszuräumen und möglichst schnell eine Entscheidung zu haben.

Bieter hatte bereits 75% der Stimmrechte sicher

Rückblick: Im April dieses Jahres einigten sich Creat und Biotest auf eine Übernahme im Volumen von 1,3 Mrd. € incl. Schulden.

Anleger, die eine Biotest-Stammaktie besaßen, wurde ein Übernahme-Angebot in Höhe von 28,50 € je Anteilsschein unterbreitet.

Die Offerte enthielt eine hohe Prämie von 43% auf den Preis vor Bekanntwerden der Übernahme-Pläne.

Anleger, die die im SDAX gelistete, liquidere Biotest-Vorzugsaktie besaßen, wurde ein Übernahme-Angebot in Höhe von 19,00 € je Anteilsschein unterbreitet.

Das Angebot war nur unwesentlich höher als der Börsenkurs, doch zumindest bildete der Preis ein gutes Sicherheitsnetz.

Zudem bestanden große Chancen, dass die Vorzugsaktie, wie so oft, sich im weiteren Übernahme-Verlauf dem Kurs der Stammaktie annähern würde.

Dementsprechend stieg die Biotest-Aktie auch schnell über den Übernahme-Preis hinaus.

Der größte Biotest-Einzelaktionär, die Eigentümer-Familie Schleussner, wollte ihren 51% Anteil an stimmberechtigten Aktien ebenso einbringen wie der zweitgrößte stimmberechtigte Aktionär, die Kreissparkasse Bieberach (15%).

Und so war das Erreichen der Mindestannahme-Schwelle von 75% fast nur Formsache.

Kurz vor Ende der Annahmefrist war dann auch die 75%-Grenze gefallen und die beiden Parteien konnten weiter an dem Übernahme-Abschluss feilen.

Drohendes Deal-Aus sorgt für prozentual 2-stellige Kursverluste

Die Angst vor einem Deal-Aus hat die Anleger des Übernahme-Kandidaten aufgeschreckt:

Kostete die im SDAX-gelistete Biotest-Vorzugsaktie noch vor einer Woche 22,70 €, lag der Preis heute Mittag bei knapp über 19,00 € – ein Minus von rund 16%.

Ähnlich tief fällt die Stammaktie, die am Mittag mit rund 23,00 € auf Wochensicht etwa 18% verliert.

Dass Minus ist zwar schon groß, doch wir sind immer noch verwundert, dass sich die Vorzugsaktie weiterhin über dem Angebots-Preis von 19,00 € halten kann.

Denn sollte die Übernahme scheitern, dann dürfte es noch weitaus tiefer gehen.

Biotest-Aktie mit extrem schlechter 3-Jahres-Performance – Bei Übernahme-Aus drohen weitere Verluste

Dass am Ende der nächste Deal an der CFIUS scheitert, ist gar nicht so unwahrscheinlich; Biotest teilte mit, dass man nicht garantieren könne, dass

„…die Parteien in der Lage sein werden, die Sicherheits-Bedenken der CFIUS auszuräumen oder andere Maßnahmen zu ergreifen, die es den Parteien ermöglichen, mit der Transaktion fortzufahren.“

Die Frage ist dann, was man als Aktionär in der Hand hält. Biotest hat sich in den vergangenen 3 Jahren nicht gerade als Premium-Asset hervorgetan.

Im Chart sind mehrere operative Enttäuschungen deutlich abzulesen – von 38,00 € in der Spitze ging es runter auf 12,00 € Anfang 2016.

Danach schaffte die Aktie ein kleines Comeback auf 16,00 €, doch die nächste Enttäuschung sorgte für ein erneutes Zurückfallen auf 12,00 €.

Die Bilanz per heute ist trotz Übernahme-Chance miserabel:

Wer heute vor 3 Jahren sein Geld in Biotest-Aktien steckte, hat einen Kursverlust von 30% zu verkraften. Wer sich für ein SDAX-ETF entschied, liegt 75% im Plus.

Das Ergebnis wird nicht besser sein, wenn die kursstützende Übernahme-Offerte von Creat wegfällt.

Doch es gibt Hoffnung:

Als die Aixtron-Übernahme am Widerstand der CFIUS und anschließend per Präsidenten-Erlass scheiterte, fiel die Aktie ebenfalls stark zurück.

Danach legte sie allerdings eine Kursrally von über 200% hin und kostet heute mehr als doppelt so viel, wie zwischen den beiden Parteien ausgemacht worden war.

Sollte das Biotest-Papier also unverhältnismäßig stark zurückfallen, könnte ein Einstieg interessant sein.

Bis allerdings klar ist, wie es mit der Übernahme weitergeht, drängt sich aufgrund des greifbaren Verlust-Risikos kein Engagement auf.


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7. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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