Crédit Agricole will italienische Credito Valtellinese übernehmen

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Die französische Großbank Crédit Agricole will ihren Marktanteil in Italien ausbauen. Jetzt hat das Unternehmen ein Übernahmeangebot für die in Sondrio/Lombardei ansässige Credito Valtellinese unterbreitet. (Foto: Givaga / Adobe Stock)

Heute möchte ich Ihnen über einen brandaktuellen Übernahmeversuch aus der europäischen Bankenwelt berichten: Die französische Großbank Crédit Agricole versucht schon seit Längerem, ihren Marktanteil im wirtschaftlich starken Norditalien auszubauen.

Nachdem die Übernahmeverhandlungen mit der in Verona ansässigen Banco BPM vor einiger Zeit ins Stocken geraten sind, hat die italienische Tochter der Crédit Agricole gestern den Aktionären der Credito Valtellinese (Creval) ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet. Creval hat seinen Hauptsitz im lombardischen Städtchen Sondrio, etwa 100 km nordöstlich von Mailand gelegen.

Barangebot mit solider Übernahmeprämie

Die Franzosen sind bereit, für jede Creval-Aktie 10,50 Euro auf den Tisch zu legen. Rechnet man dieses Angebot auf sämtliche im Umlauf befindlichen Creval-Aktien hoch, bewertet Crédit Agricole Italia den lombardischen Mitbewerber mit etwa 737 Mio. Euro.

Das Angebot scheint für die Creval-Aktionäre ein lukratives Geschäft zu sein. Schließlich liegt es um 21,4% höher als der Schlusskurs der Creval-Papiere vom vergangenen Freitag. Bezogen auf den dreimonatigen volumengewichteten Durchschnittskurs der Creval-Aktie beträgt der angebotene Übernahmeaufschlag sogar 42%.

Bereits größere Aktienpakete gesichert

In seiner Pressemitteilung zum Übernahmeangebot teilt Crédit Agricole Italia mit, dass sich das Unternehmen bereits ein größeres Aktienpaket der Credito Valtellinese gesichert habe. So wird die Versicherungssparte der Franzosen, die Crédit Agricole Assurances, ihre Creval-Aktien an Crédit Agricole Italia verkaufen. Damit erhält das Unternehmen schon etwa 9,8% der ausstehenden Creval-Papiere.

Darüber hinaus hat sich die in London ansässige Investmentgesellschaft Algebris bereit erklärt, ihr Aktienpaket von 5,4% der Creval-Papiere an die italienische Tochter der Crédit Agricole verkaufen zu wollen.

Insgesamt hat sich Crédit Agricole Italia somit schon mehr als 15% der Creval-Aktien gesichert. Es fehlen also nur noch gut 50% zum Erreichen des von Crédit Agricole festgelegten Schwellenwertes von 66,7%.

Und auch dieser Grenzwert muss nicht zwingend erreicht werden. Im Zweifelsfall reiche auch die einfache Mehrheit von 50% des stimmberechtigten Kapitals von Credito Valtellinese zuzüglich einer Aktie aus, so die Crédit-Agricole-Gruppe in ihrer Mitteilung.

Weitere Bedingungen für das Zustandekommen der Übernahme sind laut Crédit Agricole die bedingungslose Genehmigung der Kartellbehörden und der Verzicht von Credito Valtellinese auf Abwehrmaßnahmen.

Crédit Agricole will Marktanteil in Italien ausbauen

Die genossenschaftlich organisierte Bankengruppe Crédit Agricole ist bereits seit einigen Jahren in Italien vertreten und bezeichnet Italien sogar als zweiten Heimatmarkt des Unternehmens.

Die Bankengruppe betreut in mehr als 1.000 Filialen etwa 4,5 Mio. Kunden in Italien. Rund 14.000 Mitarbeiter der Crédit Agricole erwirtschaften in Italien etwa 15% des Nettoeinkommens der gesamten Gruppe.

Nach der Übernahme von Credito Valtellinese wäre Crédit Agricole Italia die Nummer 6 im Bereich des Privatkundengeschäfts auf dem italienischen Markt. Bezogen auf das Gesamtvermögen und die Kundenzahl würde das fusionierte Unternehmen Platz 7 unter den italienischen Kreditinstituten einnehmen. Der Marktanteil in Italien würde, gemessen an der Anzahl der Filialen, etwa bei 5% liegen.

Offerte löst deutliche Kurssprünge aus

Die an der Mailänder Börse notierten Papiere der Credito Valtellinese gingen am Montag durch die Decke. Im Laufe des Börsentages stiegen sie um stolze 23,7% und schossen mit 10,76 Euro sogar über die von Crédit Agricole angebotenen 10,50 Euro hinaus. Dies deutet daraufhin, dass die Investoren sogar auf eine mögliche Nachbesserung des Angebots oder gar mit weiteren Angeboten anderer Kreditinstitute spekulieren.

Auch die Aktien der Crédit Agricole zogen am gestrigen Montag deutlich an und stiegen um fast 4%. Die Anleger sind offensichtlich hocherfreut darüber, dass die Crédit Agricole bei ihren Bemühungen um den Ausbau der Marktanteile in Italien vorankommt.

Wie es weitergeht

Der Crédit Agricole Italia wird das Angebotsdokument in den ersten Dezemberhälfte 2020 bei der italienischen Börsenaufsicht Consob einreichen. Parallel dazu wird Crédit Agricole Italia den zuständigen Regulierungsbehörden die Mitteilungen und Anträge für die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorlegen.

Nach Erhalt der Genehmigung, die für das 1. Quartal 2021 erwartet wird, wird die Offerte veröffentlicht werden. Das Ende der Angebotsfrist und das Closing wird voraussichtlich im Mai 2021 erfolgen.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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