Crowdstrike: KI-Aktie geht durch die Decke – seit Paniktief im März hat sich der Kurs beinahe verdreifacht

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Crowdstrike: Spezialist zur Bekämpfung von Cyberattacken treibt Anlegern Freudentränen aufs Gesicht. Starkes Geschäftswachstum spiegelt sich in rasanter Kursrally wider. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Gemeinhin gelten Aktien von Hochtechnologieaktien als riskanter, in der Corona-Krise haben sich die Papiere aber deutlich besser gehalten als der breite Aktienmarkt. Vor allem Cloud- und KI-Aktien erholten sich im Anschluss an die Panikverkäufe im März wesentlich schneller und rasanter als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. So auch die Papiere des schnell wachsenden Cybersecurity-Unternehmens Crowdstrike.

Seit dem 16. März schoss die Aktie um beinahe 200% von 33 Dollar bis auf zuletzt 93 Dollar in die Höhe. Anleger, die seit dem Jahresbeginn die Füße stillgehalten haben und den zwischenzeitlichen Rücksetzer ausgesessen haben, können sich damit freuen. Seit dem Jahreswechsel liegt das Kursplus bei annähernd 90%.

Warum die Anleger auf die Crowdstrike-Aktie fliegen

Dabei hat die jüngste rasante Kursrally auch einen Grund. Das Geschäftsmodell des US-Konzerns gilt unter Experten nämlich als hochspannend. Aber von vorne: Das Unternehmen wurde 2011 vom heutigen CEO George Kurtz mitbegründet. Davor war er Chief Technology Officer bei McAfee, einem der führenden Antiviren-Konzerne weltweit. CrowdStrike verlagerte den Fokus von Anti-Malware- und Antiviren-Produkten (McAfees Ansatz zur Cybersicherheit) auf die Identifizierung der Techniken, die von Hackern verwendet werden, um eingehende Bedrohungen zu erkennen. CrowdStrike nutzt maschinelles Lernen, eine Form der künstlichen Intelligenz, um Schadsoftware auf Laptops, Mobiltelefonen und anderen Geräten zu erkennen, die auf Unternehmensnetzwerke zugreifen.

Sicherheit für Firmen im Abo-Modell

Die Produkte von Crowdstrike werden nicht zum Kauf angeboten, sondern sind ausschließlich als „Platform as a service“ zu beziehen. Dabei handelt es sich um einen Teil des Cloud-Computings, bei dem die Plattform und die IT-Infrastruktur bei einem externen IT-Dienstleister betrieben und vom Kunden als Dienstleistung genutzt werden. Der Kunde bezahlt eine monatliche Gebühr und kann das Produkt solange nutzen, wie er es bezahlt. Sobald er das Abo einstellt, wird ihm entweder der Zugang zum Produkt, oder aber auch die Updates und der Support gesperrt.

Das Abo-Modell sorgt bei Crowdstrike dafür, dass die Umsätze stetig fließen und deutlich besser planbar sind. Inzwischen sind 91% der Umsätze wiederkehrender Natur. Auch die Kundenbasis ist absolut beeindruckend. 49 der Fortune 100 Unternehmen, 40 der Global 100 Firmen und 11 der 20 größten Banken nutzen die Software von Crowdstrike.

Netzwerkeffekt macht sich bezahlt

Besonders erfreulich: Die Kunden buchen immer mehr Sicherheitsmodule des Konzerns hinzu. Alleine im ersten Quartal wuchs die Anzahl der Kunden, die mindestens 4 Module abonnieren, um beeindruckende 55%. Insgesamt zählt das Kundenportfolio mittlerweile 6.261 zahlende Nutzer. Da Unternehmen immer mehr Module einsetzen, wird die Software von CrowdStrike immer stärker in ihren Alltag integriert. Damit sinkt die Wechselbereitschaft rapide und ein mächtiger Burggraben gegenüber Wettbewerbern entsteht.

Zudem wird die Software durch jeden Kunden besser. Auf Grund der Künstlichen Intelligenz und selbstlernenden Systeme gewinnt die Software mit jedem Kunden und steigendem Datenvolumen an Kraft. Im Umkehrschluss steigt damit wiederum die Attraktivität für Neukunden.

Hohe Wachstumsraten im ersten Quartal

Mit seiner Positionierung hat Crowdstrike in den letzten Jahren beachtliche Wachstumsraten erzielt. Innerhalb der letzten vier Jahre kletterten die Umsätze von 52,7 auf 481 Millionen Dollar. Auch zum Jahresbeginn konnte die Firma mit gewaltigen Zuwächsen glänzen. Die Anzahl der Kunden erhöhte sich im Jahresvergleich um 105%. Die Umsätze verbesserten sich um hohe 89% auf 178,1 Millionen Dollar.

Zugleich erhöhte sich die Bruttomarge von 66 auf 75%. Allerdings stand unter dem Strich noch ein Verlust von 19,22 Millionen Dollar in den Büchern. Das liegt vor allem an den hohen Forschungs- und Entwicklungskosten, die mit 40,57 Millionen Dollar stolze 22,7% der Umsätze betrugen.

Fazit: Generell gilt der Markt für Cybersecurity als hochattraktiv. Die Analysten von IDC und Crowdstrike selbst geht von einem adressierbaren Marktvolumen von 31,9 Milliarden Dollar im Jahr 2022 aus (2020: 26,9 Mrd. Dollar). Das Geschäftsmodell von Crowdstrike beeindruckt durch einen starken Netzwerkeffekt, hohe wiederkehrende Erlöse und vor allem rasantes Wachstum. Allerdings ist die Bewertung durch den jüngsten Kursaufschwung bereits deutlich gestiegen. Inzwischen kommt die Firma auf einen Börsenwert von beinahe 15 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwa dem 20-Fachen des für das laufende Geschäftsjahr erwarteten Umsatzes. Sofern Crowdstrike liefert, dürfte langfristig das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein. Kurzfristig müssen Anleger aber mit mitunter hohen Schwankungen rechnen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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