Ctrip: Nächster Internetkonzern in Verhandlungen mit Finanzinvestoren

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Ctrip: Chinesicher Onlinereisekonzern rückt ins Fadenkreuz von Investoren. Anleger spekulieren über Übernahme und Rückzug von der amerikanischen Börse Nasdaq (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die Privatisierungswelle von chinesischen Internetkonzernen, die an der Nasdaq notiert sind, nimmt weiter Fahrt auf. Erst gestern berichtete ich Ihnen vom Übernahmeangebot Tencents für den chinesischen Suchmaschinenbetreiber Sogou für 2,1 Milliarden Dollar. Gerade einmal einen Tag später scheint sich der nächste spektakuläre Deal abzuzeichnen: Offenbar befindet sich Ctrip, der führende Online-Reiseanbieter Chinas, in Verhandlungen mit Finanzinvestoren.

Die mit Abstand führende Adresse für Flug- und Hotelbuchungen in China leidet gegenwärtig unter den Beeinträchtigungen des Tourismussektors durch die Corona-Epidemie. Sollte es zu einem Deal kommen, würde ein weiteres chinesisches Internet-Schwergewicht dem amerikanischen Börsenplatz Nasdaq den Rücken kehren.

Darum flüchten chinesische Internetfirmen aus Amerika

In den letzten Wochen haben eine ganze Reihe von chinesischen Internetkonzernen ähnliche Transaktionen eingefädelt. Die Bestrebungen für die Abkehr von der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq hat mehrere Beweggründe:  Zum einen belasten die wieder eskalierenden politischen Spannungen zwischen den USA und China. Zum anderen gab es zusätzliches Konfliktpotenzial durch Bilanzskandale (wie bspw. bei der Kaffeehauskette Luckin Coffee).

Das ist aber bei Weitem nicht alles: Einige der Technologiefirmen hoffen nach einem Delisting in den USA die eigenen Aktien zu einer höheren Bewertung in China wieder an die Börse zu bringen. Zum Hintergrund: Chinesische Technologiefirmen finden auf Grund von Listing-Reformen an den Börsen in Hongkong, Schanghai und Shenzhen mittlerweile auch in heimischen Gefilden einen einfacheren Zugang zu externem Kapital im Zuge eines Börsengangs.

Ein Delisting nach dem anderen

Welche Dynamik diese Entwicklung zuletzt angenommen hat, zeigt Ihnen ein Blick auf die jüngsten Transaktionen:

Bitauto Holdings: 1,1 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot eines Investorenkonsortiums unter Tencents Führung und Rückzug von der Nasdaq

58.com: Chinesischer Internetbetreiber erhielt von einem Konsortium aus Finanzinvestoren eine Offerte über 8,7 Milliarden Dollar

Changyou.com: Übernahme des chinesischen Onlinespieleanbieters durch Sohu.com für 530 Millionen Dollar

Sina Corp: Der Social-Media-Plattformbetreiber erhielt ein 2,7 Milliarden Dollar Buy-Out-Angebot

Spekulationen um Ctrip

Nun erwägt laut der Nachrichtenagentur Reuters der größte Online-Reiseveranstalter Chinas eine Privatisierung. Sollte dies gelingen, wäre dies die größte Privatisierung eines in New York gehandelten chinesischen Unternehmens, die jemals stattgefunden hat. Die Anleger werden die Aktie wahrscheinlich vermissen: Seit dem Börsendebüt haben die Papiere eine jährliche Gesamtrenditen von 17% erzielt, verglichen mit 12% aus dem Nasdaq-Composite-Index.  Derzeit kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von 16,5 Milliarden Dollar.

Ctrip leidet gegenwärtig unter den Beeinträchtigungen des Tourismussektors durch die Corona-Epidemie. Für das zweite Quartal rechnet die Firma mit einem Rückgang der Erlöse in einer Größenordnung von 67 bis 77 %.

Dennoch hat Peking bei der Eindämmung von Covid-19 relativ gute Arbeit geleistet, und der inländische Passagierverkehr hat sich im Juni im Jahresvergleich um fast 70% erholt, wie offizielle Daten zeigen. Das ist gut für Ctrip und könnte das Interesse möglicher Käufer beflügeln.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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