CVS-Aktie: Apothekenkette bringt Milliardendeal in trockene Tücher

CVS-Aktie: Apothekenkette bringt Milliardendeal in trockene Tücher (Foto: FOTOimage Montreal / Shutterstock.com)

Fast zehn Monate ist die Offerte her. Vielleicht erinnern Sie sich noch: Ende letzten Jahres bahnte sich ein absoluter Mega-Deal im US-Gesundheitsmarkt an. Die Drogerie- und Apothekenkette CVS legte eine 69 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte für den Krankenversicherer Aetna auf den Tisch. Jetzt ist der Zusammenschluss auf der Zielgeraden. Die Kartellwächter des Justizministeriums haben die Übernahme des Krankenversicherers unter Auflagen genehmigt.

Die Anleger brachte die Nachricht schon einmal in Feierlaune. Während der Gesamtmarkt massive Abschläge hinnehmen musste, zeigten sich beide Aktien deutlich stabiler. Die Aetna-Papiere kletterten leicht um 0,40% auf 204,4 Dollar und notierten damit quasi auf dem höchsten Niveau der Firmengeschichte. Auch die Aktie des Bieters CVS konnte sich mit einem leichten Kursrückgang von 0,65% deutlich besser halten als der Gesamtmarkt. Für Sie zum Vergleich: Der breite S&P 500 Index verzeichnete einen Tagesverlust von immerhin -2,62%.

Aetna stößt Geschäft wegen Übernahme ab

Der Zusammenschluss ist ein gigantischer Deal. Immerhin kostet CVS die Übernahme inklusive der Schulden von Aetna stolze 77 Milliarden Dollar. Um den Kauf durchzuboxen hatte Aetna bereits im vergangenen Monat den Verkauf seines Geschäfts mit verschreibungspflichtigen Medikamenten an Wellcare Health Plans eingefädelt.

Dabei geht es um den Vertrieb sogenannter Medicare Part D-Policen, mit denen sich US-Bürger mit geringem Einkommen über 65 Jahre und Menschen mit Behinderungen gegen die Kosten für verschreibungspflichtige Arzneimittel versichern können.

Hätte Aetna den Verkauf nicht angestoßen, würde das fusionierte Unternehmen mehr als 30% des Marktes mit Medicare Part D-Policen kontrollieren. Bedenken bei den Kartellwächtern wären damit vorprogrammiert.

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Mega-Transaktion wirbelt Pharma- und Versicherungsmarkt durcheinander

Dabei könnten die Auswirkungen der Übernahme für die gesamte Branche massiv sein. Experten gehen davon aus, dass der Zusammenschluss den US-Pharma- und Versicherungsmarkt kräftig umzuwälzen könnte. Durch den Kauf von Aetna kann CVS künftig Medikamente, Versicherungen und Erstversorgung aus einer Hand anbieten.

Nach der Übernahme dürfte die Drogeriekette deutlich stärker als bisher in die Gesundheitsvorsorge einsteigen und mehr Kunden für sich gewinnen. Bereits heute bieten einzelne Filialen medizinische Dienstleistungen als Ergänzung zum Verkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten und anderen Medizinprodukten an. Ziel von CVS sind sogenannte One-Stop-Shops, bei denen Kunden und Patienten Beratung und Medikamente auf einmal bekommen.

Den Megadeal sehen Brancheninsider als möglichen Startschuss. Weitere Zusammenschlüssen von Versicherern und großen Einzelhändler könnten bald Schule machen. Gerüchten zufolge hat der Aetna-Rivalen Humana bereits das Interesse des Einzelhandelsgiganten Walmart geweckt.

Über 200 Milliarden Dollar Umsatz

Um Ihnen ein Gefühl für die Größe des Deals zu geben, lohnt es sich, einmal die beiden separaten Firmen anzusehen. Aetna, das Objekt der Begierde, erzielte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 53,89 Milliarden Dollar einen Nettogewinn von 1,9 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Gewinnmarge von 3,15%. Der Bieter CVS erreichte bei einem Umsatz von 184 Milliarden Dollar einen Jahresgewinn von 6,62 Milliarden Dollar. Mit 6,47% lag die Gewinnmarge gut doppelt so hoch wie bei Aetna.

Nach dem Deal wird Aetna als eigenständiges Unternehmen im Rahmen des Geschäfts von CVS Health tätig sein und von seinem derzeitigen Führungsteam geleitet. Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Transaktion Anfang des vierten Quartals 2018 abgeschlossen sein wird.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.