Cyberdyne-Aktie: Mögliche Börsennotiz an der Nasdaq lässt Kurs durch die Decke gehen

Wie Sie ja wissen, werden an der Börse häufig Emotionen und Erwartungen gehandelt. Anders können Sie den Kurssprung am Freitag von über 10% bei dem japanischen Robotik-Konzern Cyberdyne auch nicht einordnen.

Denn die bloße Meldung, dass die Firma über ein mögliches Börsenlisting in den USA nachdenkt, ließ den Kurs zweistellig nach oben schießen. Bislang sind die Cyberdyne-Aktien nur in Tokio gelistet. Seit dem Börsengang vor gut 2 Jahren haben die Papiere 200% an Wert zugelegt.

Cyberdyne will mit Roboteranzug den Markt erobern

Wenn Sie sich mit dem Robotik-Markt auseinandersetzen, stolpern Sie über eine Vielzahl hochinteressanter Produkte. Ebenso auch bei dem japanischen Unternehmen Cyberdyne.

Denn die Firma hat den Roboteranzug HAL (Hybrid Assistive Limb) erfunden. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Exoskelett, also ein System, das dem Körper von außen eine zusätzliche Stabilität verleiht.

Es unterstützt Menschen mit Lähmungen oder Bewegungseinschränkungen dabei, einen Teil ihrer Mobilität zurück zu gewinnen. Entwickelt wurde HAL in Japan von Prof. Dr. Yoshiyuki Sankai. Dort ist es bereits an vielen Kliniken im Einsatz und wird von Gehbehinderten und Schlaganfallpatienten benutzt.

Exoskelett wird durch Nervenimpulse gesteuert

Das Einzigartige beim HAL-Roboteranzug ist: Dieser wird durch Nervenimpulse des Patienten gesteuert. Die elektrischen Nervenimpulse, die zur Bewegung eines Muskels führen, werden von Sensoren auf der Haut des Patienten registriert.

Das System interpretiert diese und setzt sie in eine Bewegungsunterstützung mithilfe von integrierten Elektromotoren um. Diese sind mit den Gliedmaßen des Patienten fixiert. Die Motoren unterstützen somit Muskelfunktionen und Gelenkbewegungen.

Cyberdyne steht noch ganz am Anfang

Cyberdyne wurde 2005 gegründet begann mit der Vermietung der Roboteranzüge zu medizinischen Zwecken im Jahre 2008. Mittlerweile sind über 150 HAL-Anzüge in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in Japan im Einsatz. Ein Anzug kostet dabei umgerechnet etwa 15.000 US Dollar. Im November letzten Jahres hat die Firma den Antrag zur Vermarktung in den USA bei der Gesundheitsbehörde FDA gestellt.

Wenn Sie sich die Geschäftsentwicklung ansehen wird aber schnell klar, dass Cyberdyne noch in den Kinderschuhen befindet. Mit 889 Millionen Yen (ungefähr 7,1 Millionen US Dollar) erzielten die Japaner nach 9 Monaten zwar 154% mehr Umsatz, aber eben auf extrem niedrigem Niveau.

Der Sprung in die Gewinnzone ist auf Grund der hohen Entwicklungs- und Marketingkosten auch noch weit entfernt. Zuletzt fielen umgerechnet gut 4,6 Millionen US Dollar an Verlusten an.

Für das Gesamtjahr rechnet die Konzernführung mit 9,5 Millionen Dollar Umsatz und knapp 6 Millionen Dollar Verlust.

Bewertung jenseits von Gut und Böse

Die Cyberdyne-Aktie ist ein gutes Beispiel dafür, wohin emotionale Begeisterung bei den Anlegern führen kann. Denn an der Börse in Tokyo wird die Mini-Firma mit nicht einmal 10 Millionen Dollar Umsatz aktuell mit über 3 Milliarden US Dollar bewertet. Klar wäre die Zulassung in den USA ein Mega-Erfolg.

Immerhin gibt es Schätzungen zufolge mehr als 6 Millionen Schlaganfallpatienten und mehr als 200.000 Patienten mit Rückenmarksverletzungen. Aber die aktuelle Bewertung der Firma hat sich meilenweit von den Geschäftsperspektiven entfernt und preist über Jahre ein exorbitantes Wachstum ein. Dementsprechend hoch ist das Rückschlagpotenzial für Anleger.

14. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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