Cyberdyne-Aktie: Short-Seller-Attacke lässt Aktienkurs einbrechen

Vor wenigen Wochen war den Anlegern in Deutschland das US-Research-Unternehmen Citron Research wahrscheinlich noch so gut wie Begriff.

Doch mit dem seinen aggressiven Research-Berichten brachte er den milliardenschweren Pharma-Konzern Valeant zur Fall und löste einen regelrechten Kurskollaps der Aktie aus.

Ethisch sind die Attacken des Konzerns zwar zweifelhaft. Denn vor seinen kursvernichtenden Studien setzt der Analyst und Investor selbst auf fallende Kurse und profitiert vom anschließenden Kurseinbruch.

Doch die öffentliche Aufmerksamkeit zieht Firmenchef Andrew Lef mit seiner aggressiven Gangart immer wieder auf sich.

Jetzt hat der sogenannte Short-Seller (d. h. er verkauft Aktien und möchte diese gewinnbringend nach einem Kurssturz wieder zurückkaufen) auf den japanischen Roboter-Hersteller Cyberdyne eingeschossen und den Kurs unter Druck gebracht.

Was steht hinter der Analyse von Citron Research? Sind seine Anschuldigungen nachvollziehbar?

Cyberdyne will mit Roboter-Anzug punkten

Das Geschäftsmodell von Cyberyne ist schnell erklärt: Neben einer kleinen Palette von Reinigungs-Robotern und einem eigenen Roboter-Museum setzt der Konzern medienwirksam auf die Entwicklung von Roboter-Anzügen.

Cyberdyne hat den einen Roboter-Anzug namens HAL (Hybrid Assistive Limb) erfunden. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Exoskelett, also ein System, das dem Körper von außen eine zusätzliche Stabilität verleiht.

Es unterstützt Menschen mit Lähmungen oder Bewegungs-Einschränkungen dabei, einen Teil ihrer Mobilität zurückzugewinnen.

Exoskelett wird durch Nerven-Impulse gesteuert

Das Einzigartige beim HAL-Roboter-Anzug ist, dass dieser durch Nerven-Impulse des Patienten gesteuert wird.

Die elektrischen Nerven-Impulse, die zur Bewegung eines Muskels führen, werden von Sensoren auf der Haut des Patienten registriert.

Das Produkt klingt im 1. Moment somit extrem verlockend, scheint doch der Absatzmarkt geradezu gigantisch groß.

Immerhin gibt es Schätzungen zufolge mehr als 6 Mio. Schlaganfall-Patienten und mehr als 200.000 Patienten mit Rückenmarks-Verletzungen, bei denen ein solcher Anzug zum Einsatz kommen könnte.

Viel Konkurrenz, geringe Absätze und extrem hohe Bewertung

So spannend sich das Geschäftsfeld anhört, so übertrieben ist die Entwicklung des Aktienkurses seit dem Börsengang:

Trotz gerade einmal erwarteten Umsätzen von umgerechnet 31 Mio. Dollar in diesem Jahr explodierte die Unternehmens-Bewertung auf über 4 Mrd. Dollar in der Spitze.

Besonders brisant: Cyberdyne versucht bereits seit 2014 für den Verkauf seines Exoskelett in den USA das OK der Gesundheits-Behörde zu erlangen – bislang aber erfolglos.

Damit hat der Konzern seinen Wettbewerbs-Vorteil bereits einbüßen müssen.

Denn mit Rewalk Robotics und Ekso Bionics sind bereits 2 Unternehmen mit Produkten auf dem US-Markt, die sich zu 100% der Entwicklung von Exoskeletten verschrieben haben.

Auch internationale Großkonzerne wie Honda, Panasonic oder Parker Hannifon haben bereits marktfähige Produkte entwickelt.

Wenig Geld fließt in die Forschung

Neben der schwachen Geschäfts-Entwicklung prangert der Short-Seller Citron Research auch die mickrigen Entwicklungs-Kosten an.

So hat Cyberdyne kumuliert seit 2012 gerade einmal 31 Mio. Dollar in die hauseigene Entwicklungs-Abteilung investiert. Die angemeldeten Patente scheinen laut Citron Research dabei noch nicht einmal zu 100% dem Konzern zu gehören.

Was auch immer an den Anschuldigungen wirklich dran ist, fest steht:

Die Bewertung des Konzern hat sich nach der Kurs-Explosion von jeglichen fundamentalen Fakten losgelöst und kann auch durch das mögliche Geschäfts-Potenzial kaum gerechtfertigt werden.

Die Analyse des US-Investors dürfte nun auch bei vielen anderen Anlegern Fragezeichen aufwerfen. Dass sich der Kurs damit schnell wieder auf alte Rekordhöhen zubewegt, erscheint aktuell mehr als unwahrscheinlich.

23. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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