Cybersecurity: Broadcom übernimmt das Firmenkundengeschäft von Symantec

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Nach langen Verhandlungen übernimmt der Chip-Hersteller Broadcom jetzt doch das Firmenkunden-Geschäft des IT-Security-Anbieters Symantec. Für diese "Teil-Übernahme" ist Broadcom bereit, 10,7 Mrd. US-Dollar zu bezahlen. (Foto: Ken Wolter / shutterstock.com)

Nach langem Hin und Her scheint es aus dem Übernahme-Deal zwischen Broadcom und Symantec jetzt doch noch etwas zu werden. Am vergangenen Donnerstag gab Broadcom bekannt, dass sich beide Unternehmen auf eine Übernahme geeinigt haben. Allerdings wird Broadcom nicht Symantec als Ganzes, sondern „nur“ dessen Firmenkundengeschäft übernehmen. Das Endverbrauchergeschäft im Bereich Cybersecurity bleibt auch weiterhin bei Symantec und wird unter der Marke Norton Lifelock fortgeführt.

Broadcom bietet 10,7 Mrd. US-Dollar

Für die Übernahme des Symantec-Firmenkundengeschäfts greift Broadcom tief in die Tasche. 10,7 Mrd. US-Dollar in bar will Broadcom für den Geschäftsbereich hinblättern, der bisher nur etwa 10% der Symantec-Einnahmen erwirtschaftete. Ein stolzer Preis, vor allem wenn man bedenkt, dass Broadcom noch vor wenigen Woche mehr als 20 Mrd. USD für den gesamten Symantec-Konzern zahlen wollte.

Entsprechend zufrieden äußerte sich auch Symantecs Interims-CEO, Rick Hill, in einem Gespräch mit Wall-Street-Analysten am Donnerstag: „Denken Sie einen Moment darüber nach: 10,7 Milliarden Dollar in bar für etwa 10% unseres operativen Einkommens!“

Finanziert werden soll die Teil-Übernahme von Symantec durch Kredite. Entsprechende Finanzierungszusagen aus dem Finanzsektor hat sich Broadcom bereits gesichert.

Broadcom will sich breiter aufstellen

Durch die teilweise Übernahme des Security-Spezialisten Symantec will der Chiphersteller Broadcom seine Software-Aktivitäten weiter ausbauen. Das bestätigt auch Hock Tan, Präsident und CEO von Broadcom, in einer Pressemitteilung:

M&A hat eine zentrale Rolle in der Wachstumsstrategie von Broadcom gespielt und diese Transaktion stellt den nächsten logischen Schritt in unserer Strategie nach unseren Akquisitionen von Brocade und CA Technologies dar. Das Unternehmenssicherheitsgeschäft von Symantec gilt als etablierter Marktführer im wachsenden Bereich der Unternehmenssicherheit und […] wir freuen uns darauf, unsere Rolle im Bereich hochsensibler Infrastruktursoftware […] zu erweitern.”

Tan hat aus dem Chiphersteller Broadcom durch eine Reihe von Übernahmen einen diversifizierten Hard- und Software-Giganten gemacht. In den 13 Jahren seiner Tätigkeit als CEO hat sich der Marktwert des Unternehmens von wenigen Milliarden USD auf aktuell 108 Mrd. USD vervielfacht.

Symantec-Aktie macht Kurssprung

Nach Bekanntwerden der Übernahmevereinbarung stieg die Symantec-Aktie am Donnerstag an der NASDAQ um +12.3% auf 22,92 USD. Investoren freuen sich über die Finanzspritze, die Symantec durch den Verkauf des eher unbedeutenden Firmenkundengeschäfts erhält, und sind von der Zukunftschancen des IT-Security-Anbieters überzeugt.

Während die Broadcom-Papiere am Donnerstag noch relativ unverändert aus dem Handel gingen, stieg deren Kurs am Freitag um 1,75% an. Beim Erklingen der Schlussglocke lag die Broadcom-Aktie bei 275,73 USD. Auch hier reagierte der Markt positiv auf das Zustandekommen des lange verhandelten Übernahmedeals.

Ende eines langen Hin und Her

Die Übernahmeverhandlungen zwischen Broadcom und Symantec haben bereits eine lange Geschichte: Bereits Anfang Juli kamen Gerüchte über eine mögliche Übernahme auf, woraufhin die zuvor angeschlagene Symantec-Aktie einen Kurssprung von +15% verzeichnen konnte.

Kurze Zeit später wurde bekannt, dass Broadcom die Finanzierung für die geplante Symantec-Übernahme i.H.v. 22 Mrd. USD durch Bankzusagen abgesichert hat. Als Broadcom allerdings nach einer Due-Diligence-Prüfung das ursprüngliche Angebot reduzieren wollte, brach Symantec die Übernahmeverhandlungen ab. Daraufhin brach der Kurs der Symantec-Papiere um mehr als -10% ein.

Die jetzt vereinbarte Teil-Übernahme wird laut Broadcom voraussichtlich im ersten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Sie muss vorher allerdings noch von den Aufsichtsbehörden der Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und Japans genehmigt werden.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.