Da kommt was auf Sie zu: Zwangsversteigerung – Fakten und Mythen (Teil 2)

Von Kommunen (aber natürlich auch von Gläubigern) wird heute schon der geringste Anlass genutzt, um gegen Sie die Zwangsversteigerung einzuleiten. (Foto: kurhan / Shutterstock.com)

In der letzten Ausgabe dieses GeVestor-Beitrags habe ich ein abstoßendes Thema angeschnitten. Einfach, weil dieses Szenario für Sie als Immobilienbesitzer oder -Investor von Tag zu Tag realistischer werden dürfte: die Zwangsversteigerung Ihres Eigentums.

Ich hatte Ihnen zudem die Gründe für meine Warnung mitgeteilt: Deutschland ist pleite. Unrettbar!

Offiziell räumt das zwar niemand ein. Aber halten Sie sich vor Augen: Dieser Staat hat inzwischen eine Billionen-Verschuldung von sage und schreibe irrsinnigen 2.085.300.000.000 Euro aufgetürmt. Wahnsinn, nicht wahr?

Wahnsinn, aber »politisch korrekt«, ist darüber hinaus die Methode, mit dem unsere deutschen 08/15-Politiker und Stadtverwalter ihre chronisch leeren Kassen füllen wollen: mit Ihrem Geld nämlich. Ja, Sie sind gemeint. Sie, die oder der diese Zeilen hier gerade skeptisch oder fassungslos liest.

Deshalb wird heute von Kommunen (aber natürlich auch von privaten oder gewerblichen Gläubigern) schon der geringste Anlass genutzt, um gegen Sie die Zwangsversteigerung einzuleiten.

Auf diese linken Touren sollten Sie vorbereitet sein. Deshalb …

Hier der mit Abstand allerwichtigste Tipp, wenn auch Sie diese scheußliche Benachrichtigung bekommen …

Legen Sie unbedingt Widerspruch ein, und zwar binnen 14 Tagen nach Zustellung.

Diese zwei Wochen sind das, was Juristen eine »Notfrist« nennen. Wenn Sie diese besondere Frist ungenutzt verstreichen lassen, sind Sie so verloren, als ob Sie aus dem hundertsten Stockwerk aus dem Fenster sprängen – ohne Fallschirm, Netz oder doppelten Boden. Dann hilft Ihnen nichts und niemand mehr auf dieser Welt.

Also noch mal zum Nie-Nie-Nie-Nie-Vergessen-Werden: Legen Sie rechtzeitig Widerspruch ein.

Und zwar nicht mit einem simplen Anruf beim Gericht.

Auch nicht mal eben so per E-Mail oder Fax.

Sondern – um jeden Preis! – papierschriftlich, wobei Sie dieses Schreiben im Optimalfall beim Amtsgericht persönlich abgeben: gegen eine abgestempelte Empfangsquittung.

Was aber, wenn Sie auf dem letzten Drücker unterwegs sind?

Etwa, weil Sie die letzten 14 Tage im Urlaub waren und diese hundsgemeine Postzustellungsurkunde so lange unentdeckt im Briefkasten geschlummert hat?

Dann gibt’s nur eins: Schreiben Sie in Windeseile den Einspruch (notfalls mit dem Hinweis: Begründung folgt), schwingen Sie sich ins Auto oder Taxi und rasen Sie mit »Überlichtgeschwindigkeit« zum Amtsgericht. Selbst am Samstag. Denn …

Vor jedem Amtsgericht finden Sie draußen im Eingangsbereich einen so genannten Gerichtsbriefkasten. Wenn Sie Ihr Schreiben bis Mitternacht des letztmöglichen Abgabetages in diesen Kasten eingeworfen haben, gilt die Frist noch als gewahrt. Nur zwei Minuten zu spät – und Ihr Schicksal ist besiegelt.

Mein Tipp, sollten Ihnen tatsächlich nur noch wenige Minuten bleiben: Schreiben Sie den Einspruch direkt vorm Briefkasten mit der Hand, notfalls als simplen, zusammengefalteten Zettel ohne Umschlag. Es wäre abartig, eine Frist zu versäumen, weil plötzlich beispielsweise der PC-Drucker streikt. Hingegen ist eine handschriftliche, optisch »unschöne« Eingabe bei Gericht nicht verboten.

Alternativ können Sie auch zum Amtsgericht stiefeln (und zwar zu den offiziellen Öffnungszeiten) und dort Ihren Einspruch mündlich zu Protokoll geben. Aber diese Möglichkeit bleibt Ihnen selbstredend verschlossen, wenn es wirklich um die letzten Minuten vor Mitternacht geht.

Auch das ist überlebenswichtig zu wissen …

Die Einspruchsfrist beginnst keineswegs mit dem Datum, das im Schreiben selbst als Ausstellungsdatum angegeben ist.

Hier bleibt Ihnen zum Glück ein wenig Spielraum: Maßgeblich für den Notfristbeginn ist einzig und allein das Datum der Urkundenzustellung. Dieses Datum wird (meistens vom Briefträger) vor dem Einwerfen in Ihren Privatbriefkasten rechts oben im Umschlag dokumentenecht notiert.

Also, angenommen, das Schreiben trägt im Briefkopf als Absendedatum den 27. Juli. Zugestellt wird es Ihnen aber erst am 1. August. Dann haben Sie bis zum 14. August 23:59 Uhr Zeit, Widerspruch einzulegen.

Mein Tipp: Bewahren Sie unbedingt neben dem Schreiben den Umschlag auf, um beweisen zu können, dass Sie die Notfrist eingehalten haben.

Ein schwacher Trost: Diese Frist verlängert sich, wenn innerhalb dieser 14-Tage-Frist gesetzlich anerkannte Feiertage liegen. Dieser Umstand kann Ihnen den Hals retten, wenn Sie, wie oben skizziert, lange Zeit abwesend waren. Dann – aber nur dann! – haben Sie eventuell ein oder zwei Tage mehr Zeit zur rechtzeitigen Abgabe.

Sobald Sie allerdings Widerspruch einlegen, stoppt die gerichtliche Fressmaschine unweigerlich – fürs Erste. Jetzt haben Sie Zeit, etwas zur Ruhe zu kommen, wieder klar im Kopf zu werden und sich die nächsten Schritte zu überlegen.


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Von: Paul Misar. Über den Autor

Paul Misar, Entrepreneur mit aktuell 11 Firmen (einigen davon im Immobilienbereich), Bestseller-Autor, Speaker of the Year 2013 und gefragter Experte auf dem Gebieten“ finanzielle Freiheit“ und  Immobilien.