Da kommt was auf Sie zu: Zwangsversteigerung – Fakten und Mythen (Teil 3)

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Als Opfer einer Zwangsversteigerung können Sie nur einem einzigen Menschen voll vertrauen: sich selbst. (Foto: Scanrail1 - Shutterstock.com)

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!

Dieses Motto ist zwar zur Floskel verkommen. Aber dennoch sehr hilfreich. Vor allen Dingen, wenn für Sie als Immobilienbesitzer oder Immobilieninvestor das Thema »Zwangsversteigerung« auf Sie zurollt. Wobei Sie das Opfer sind.

Deswegen habe ich hier in dieser Reihe bereits eingangs angesprochen, dass Sie sich auf dieses Großkatastrophen-Szenario einstellen müssen. Denn die politischen Rahmenbedingungen werden in Richtung »DDR 2.0« verschoben.

Das Recht auf Eigentum wird vom linken Zeitgeist unterhöhlt. Weshalb unfähige Politiker die Gunst der Stunde nutzen, um durch Zwangsversteigerungen gegen private Eigentümer leere kommunale Kassen zu füllen.

Im letzten Beitrag habe ich Ihnen zudem dringend geraten, die so genannte »Notfrist« zu nutzen. Also die zwei Wochen ab dem Tag, an dem Sie den senfgelben Gerichtsumschlag erhalten haben und das darin steckende Schreiben Ihnen ankündigt, dass die Zwangsversteigerung gegen Sie eröffnet worden ist. Binnen dieser zwei Wochen müssen Sie aktiv werden. Unbedingt.

Denn sobald Sie Widerspruch eingelegt haben, kommt die Maschinerie zum Stillstand – fürs Erste. Und das, was von Ihren Gegnern als »Blitzkrieg« geplant war, wird zum zähen Stellungskrieg. Und Sie haben nun jede Menge Möglichkeiten, Ihre Verteidigungsanlagen auszubauen und Ihren »Feind« mürbe zu machen.

Doch Vorsicht …

»Mein Rechtsanwalt regelt das schon für mich!« Irrtum!

Einer der Mythen, der sich bei diesem Thema hartnäckig am Leben hält, ist die Mär vom ach so edelminütigen Rechtsanwalt, der die Sache hochherzig für Sie in die Hand nimmt und in Ihrem Auftrag die Kohlen ganz allein aus dem Feuer holt.

Unfug!

Sagen wir’s so: Wenn Sie Ihren Rechtsanwalt schon seit vielen Jahren kennen und regelmäßig konsultieren, kann sich daraus ein Vertrauensverhältnis entwickelt haben, das diesen Mythos zumindest in die Nähe der Realität rückt. Solch juristischen »Familien-Berater« fühlen sich Ihnen gegenüber durch zur Loyalität verpflichtet.

Anders sieht die Sache aus, wenn Sie jetzt erst auf die Suche nach einem Rechtsanwalt gehen. Denn was viele Betroffene nicht wissen oder nicht wahrhaben wollen: Rechtsanwälte sind in Wahrheit Teil des Systems, das gegen Sie arbeitet.

Nanu? Wieso das denn?

Nun, für einen Rechtsanwalt sind Sie ein neuer Durchschnittskunde: einer unter Dutzenden, wenn nicht sogar Hunderten. Ihm kann es schnurzpiepegal sein, ob Sie, sein Kunde, am Ende dieser Auseinandersetzung siegreich sind oder nicht; sein Geld bekommt er trotzdem (»Dürfen wir um Vorkasse bitten …?«).

Die menschliche Komponente berührt ihn bei diesem kundentechnischen One-Night-Stand herzlich wenig. Man tritt Sie in die Gosse? Das kann ihm doch egal sein.

Ihr Rechtsanwalt steckt in einem Dilemma

Zugleich ist ein Rechtsanwalt in aller Regel nur für ein bestimmtes Gericht zugelassen. Und mit diesem Gericht hat er in den meisten Fällen noch auf viele Jahre hinaus zu tun.

Viele Jahre, in denen er mit vermeintlich »gegnerischen« Staatsanwälten oder Richtern den einen oder anderen Deal aushandeln muss. Deals wiederum handelt man nur unter Wohlgesonnenen aus. Und nicht mit Anwälten, mit denen man noch eine Rechnung offen hat. Rechtsanwälte sind folglich darauf angewiesen, ein »Betriebsklima« zu pflegen, das auf gegenseitigen Goodwill ausgerichtet ist. Ausgerechnet mit jenen Typen, die Ihnen, dem Immobilienbesitzer, ans Leder wollen.

Das kann fatale Folgen haben. Erfahrungsgemäß schöpfen Rechtsanwälte (mit Ausnahme der eben erwähnten »Familienanwälte«) beileibe nicht das gesamte Spektrum ihrer Möglichkeiten aus. Beispielsweise könnten Rechtsanwälte die Gegenseite durch jede Menge Beweisanträge bis aufs Blut reizen und auslaugen. Nichts, wirklich nichts hassen die Staatsdiener bei Gericht mehr, als sich mit lästigen Beweisanträgen herumschlagen zu müssen, die nur Arbeit machen und Beamte vom Kaktusgießen abhalten.

Dieses clevere Gegenmittel jedoch scheuen Anwälte wie der Teufel das Weihwasser. Weil sie vor negativen Folgen bangen – für ihre eigene Haut. Sie befürchten, dass sich die Gegenseite derart »genervt« zeigt, dass auf ein gedeihliches Miteinander nicht mehr gebaut werden kann und als Retourkutsche künftige »Deals« platzen. Das wiederum würde an der wirtschaftliche Existenz eines Anwalts nagen.

Ergo: Wenn es darum geht, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, die Ihnen als Opfer einer Zwangsversteigerung zur Verfügung stehen (und das sind überraschend viele!), kommen Sie nicht umhin, diese Mittel selbst kennen zu lernen und erbarmungslos einzusetzen. Hier gilt wirklich ein weiterer Floskel-Spruch: »Selbst ist der Mann! (Oder die Frau, klar.)«


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Paul-Misar
Von: Paul Misar. Über den Autor

Paul Misar, Entrepreneur mit aktuell 11 Firmen (einigen davon im Immobilienbereich), Bestseller-Autor, Speaker of the Year 2013 und gefragter Experte auf dem Gebieten“ finanzielle Freiheit“ und  Immobilien.