Da kommt was auf Sie zu: Zwangsversteigerung – Fakten und Mythen (Teil 5)

»Bürokraten bekämpft man am besten, indem man ihre Vorschriften genau befolgt«, riet uns schon der britische Historiker und Soziologe Cyril Northcote Parkinson (1909 bis 1993). Wie Sie diesen Ratschlag clever umsetzen, wenn Sie Opfer einer Zwangsversteigerung werden, verrät Ihnen dieser letzte Beitrag zu diesem unschönen, aber immer akuter werdenden Thema. (Foto: karamysh / Shutterstock.com)

Heute lass ich es gut sein. Versprochen.

Das wird der letzte Beitrag zum Thema »Zwangsversteigerung« sein. Schließlich möchte ich nicht, dass Sie als (künftiger) Immobilieninvestor oder Immobilieninvestorin den »Depri« kriegen.

Allerdings weise ich ein letztes Mal darauf hin, dass Sie heute mehr denn gefordert sind, bei der Abwehr eines solchen Verfahrens alle Register zu ziehen, die Sie nur ziehen können.

Dazu gehört – ich wiederhole es bewusst – die Einhaltung der 14-tägigen Notfrist nach Erhalt des entsprechenden Bescheids. Ebenfalls sollten Sie daran denken, dass ein Rechtsanwalt, den Sie jetzt erst mit der Sache betrauen, nicht unbedingt Ihr treuester Verbündeter ist.

Dieser »treue Heinrich« sind jetzt einzig und allein Sie. Sie und Ihre geistige Flexibilität, die Sie brauchen, um aus dieser Bredouille wieder rauszukommen.

Im letzten Beitrag hatte ich Ihnen eine wahre Anekdote geschildert, die zeigt, was ich mit »geistiger Flexibilität« meine. Sie erinnern sich?

Ein Betroffener hat ein Wegerecht durch sein Schlafzimmer eintragen lassen. Da Wegerechte bei einer Zwangsversteigerung nicht verfallen, hätte der neue Eigentümer dieses Wegerecht gewähren müssen. Durch diesen Schachzug wurde die Immobilie für einen potentiellen Käufer praktisch wertlos.

Aber diese Story weist nicht nur auf Ihre Allzweckwaffe namens »Fantasie« hin. Sie macht ebenfalls klar, warum Sie sich auf rein juristische Schritte nicht beschränken sollten.

Rein juristisch betrachtet, sind Sie rettungslos verloren.

Durch den notariellen Kaufvertrag unterwerfen Sie sich in aller Regel dieser Maschinerie, die sie jetzt im Visier hat. Diesem Knebelkontrakt haben Sie ausdrücklich zugestimmt. Es nützt also nichts, sich juristisch gegen diese Prozedur zu wehren. Es geht nur noch darum, das Unvermeidliche zu verzögern. Bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Stellen Sie sich vor, man hätte Sie zum Tode verurteilt. Sie stehen schon auf dem Schafott. Rechtsmittel? Viel zu spät dafür.

Was Sie allerdings machen könnten: Sie könnten (sagen wir: durch »Magie«) dafür sorgen, dass blitzartig der Holzwurm zuschlägt und die Bretter der Guillotine zerfrisst. Ebenso können Sie das Fallbeil binnen Sekunden in Rost verwandeln. Und schließlich könnten Sie arrangieren, dass das Seil am Fallbeil beim Hochziehen wieder und wieder reißt.

Was in diesem Gleichnis die Magie ist, ist in Ihrem Fall der »Dirty Trick«.

Es sind hundgemeine »Dirty Tricks«, die Ihnen jetzt einzig und allein noch aus der Patsche helfen. Ein »Dirty Trick«, wie es besagtes Wegerecht gewesen ist.

Stehen Sie sich dabei bitte nicht selbst im Weg – indem Sie sich »moralischen Bedenken« hingeben à la »Das kann man doch nicht machen!«.

Doch. Das müssen Sie sogar machen. Denn die Gegenseite hat Ihnen den Krieg erklärt. Jetzt haben Sie die Pflicht, mit allen erdenklichen legalen Verzögerungstaktiken Ihre Gegenwehr anzutreten.

Und einen weiteren dieser »Dirty Tricks« verrate ich Ihnen zum Schluss …

Ab in die Karpaten!

Eine Zwangsversteigerung fällt unter die Rubrik »Zivilgerichtsprozess«. Als Betroffener werden Sie nicht festgenommen, festgehalten oder in Ihrer Reisefreiheit beschränkt. Was nichts anderes heißt als: Wechseln Sie den Wohnsitz. Und das möglichst weit. Sie haben 27 EU-Staaten zur freien Auswahl.

Denn die Gegenseite bzw. das von Ihr angerufene Gericht hat die Pflicht, Sie über jeden Schritt des Verfahrens zu informieren. Wenn Sie sich also von Ihren bisherigen Wohnort abmelden (notfalls per Fax beim Einwohnermeldeamt) und dabei keine neue Adresse angeben (dazu sind Sie nämlich nicht verpflichtet), haben Ihre Feinde ein gewaltiges Problem.

Diese Maßnahme hält die Maschinerie zwar nicht auf Dauer auf (nach erfolgloser Neuadressermittlung wird irgendwann ein Rechtsanwalt damit betreut, Ihre Immobilie in Beschlag zu nehmen). Aber wenn Sie bis dahin rein meldetechnisch wieder an ihre alte Adresse zurückgekehrt sind, muss dieser Rechtsanwalt seine Zelte wieder abbrechen. Und ein paar Tage später machen Sie es ihm eben wie der nach.

Denn das ist das Schöne daran: Dieses Adress-Pingpong können Sie wieder und wieder und wieder durchziehen.

Denn in Deutschland gilt der eherne juristische Grundsatz: keine bekannte Adresse – keine Zwangsvollstreckungsmaßnahme.

Und ja: Dieser Trick funktioniert auch bei weniger heftigen Angriffen auf Ihr Hab und Gut. Alles steht und fällt mit dem Vorhandensein einer gültigen Meldeadresse.

Es gibt Dutzende weiterer solch cleverer Methoden, »den Holzwurm ins Galgenholz« zu setzen. Und jede trägt dazu bei, die Gegenseite mürbe zu machen und an den Verhandlungstisch zu zwingen. Wenn Sie das geschafft haben, haben Sie das Schlimmste überstanden.


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Von: Paul Misar. Über den Autor

Paul Misar, Entrepreneur mit aktuell 11 Firmen (einigen davon im Immobilienbereich), Bestseller-Autor, Speaker of the Year 2013 und gefragter Experte auf dem Gebieten“ finanzielle Freiheit“ und  Immobilien.