Dänemark: Lässige Nachbarn ohne Euro-Sorgen

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Vor Ort in Kopenhagen: Dänische Lässigkeit und Wirtschaftskraft bilden eine attraktive Mischung. Da kann sich Deutschland eine Scheibe von abschneiden. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Euro-Krise ist noch immer nicht verschwunden. Bei uns in Deutschland steigen nun wieder die Befürchtungen, dass es nach der Bundestagswahl einige böse Überraschungen geben könnte. Da wäre es doch toll, wenn wir beim Euro gar nicht mit dabei wären.

Diesen aus heutiger Sicht vernünftigen Weg haben unsere nördlichen Nachbarn aus Dänemark gewählt.

Das Land gehört zwar zur Europäischen Union (EU) – hat aber auf den Euro verzichtet. Zunächst sah es so aus, als ob die Dänen keine richtigen Europäer sein wollen.

Doch mittlerweile haben sich die Dänen als die schlauen Europäer erwiesen und wir zahlen kräftig für die Rettung der anderen EU-Länder.

Dänemark wollte eben nicht die eigene Stärke aufs Spiel setzen und die für schwache Länder innerhalb der Währungsgemeinschaft riskieren.

Und dieses Land hat schon einige Stärken. Das wurde mir jetzt bei einem ausführlichen Besuch der Hauptstadt Kopenhagen bewusst. So strahlt diese Stadt eine Lässigkeit aus – die uns in Deutschland fehlt.

Hohes Mindesteinkommen sichert den Lebensstandard – Mindestlöhne funktionieren doch

Aber diese Lässigkeit hat auch ihren Preis. So ist das Preisniveau deutlich höher als bei uns. Ein Bier kostet schon mindestens 4,50 Euro und in angesagten Kneipen auch schon mal 7,00 Euro.

Das geht aber auch für die Dänen besser, weil der Mindestlohn bei mindestens 11 Euro liegt. „Die bekommt selbst der Tellerwäscher bei uns“, erklärte mir ein zugezogener Kellner aus Berlin, der im angesagten Großmarktdistrikt in einem Restaurant arbeitete.

Dänemark ist wirtschaftlich stark. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen und Prognosen: Laut aktueller Prognosen wird die dänische Wirtschaft im aktuellen Jahr um 0,7% wachsen. 2014 sind dann schon wieder 1,7% möglich.

Neidisch werden kann man als Deutscher beim Blick auf die Staatsverschuldung, die nur 41% der Wirtschaftsleistung beträgt. In Deutschland liegt der Vergleichswert doppelt so hoch.

Und auch beim Pro-Kopf-Einkommen rangiert Dänemark mit 56.000 Dollar auf dem siebten Platz, während Deutschland mit 41.500 Dollar erst auf dem 21. Platz folgt.

Und in vielen Dingen wirkt das Land – jedenfalls in der Hauptstadt – deutlich entspannter als bei uns in Deutschland. Dazu passte die nette Erfahrung beim Abflug. In der Sicherheitskontrolle war bei mir ein Abtasten nötig.

Da aktuell auf meiner Seite eine Frau arbeitete, nahm sie diese Aufgabe vor. Auf meine erstaunte Frage, ob das normal sei, sagte sie mir: „Das finden Sie sonst nirgendwo in Europa.

Und wer das nicht möchte, kann das einfach sagen.“ Ich bin mir sicher, so etwas wäre in Deutschland nicht so einfach durchführbar – in Dänemark wird es gemacht.

Die fünf Tage in Kopenhagen haben mir extrem gut gefallen und in der kommenden Woche werde ich auch noch einen ausführlichen Blick auf den Kapitalmarkt werfen – denn dieses Land bietet auch attraktive Anlagechancen – auch das haben mir meine Gespräche vor Ort gezeigt.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.