Daimler Aktie: Mit E-Lastern auf die Überholspur?

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Die Daimler Aktie stand zuletzt unter Druck, ebenso wie Papiere von BMW und VW. Bringen elektrische Lkw die Wende? (Foto: Ivan Kurmyshov / Shutterstock.com)

Europas Autobauer machen ernst in Sachen Elektro: Für die kommenden Jahre haben praktisch alle großen Hersteller umfassende Innovationen ihrer Produktpaletten angekündigt.

Sie setzen dabei auf ihr jahrzehntelanges Know-how in Sachen Serienfertigung, während die US-Firma Tesla – beim Elektroantrieb bislang führend – gerade beim Thema Massenproduktion ins Schwimmen gerät.

Krise bei Tesla

Bereits mehrfach mussten in den Produktionsstätten des Model 3 die Bänder gestoppt werden, noch immer wird eine deutlich geringere Stückzahl pro Woche gefertigt als ursprünglich einmal angestrebt war. Die Warteliste ist lang, die Wartezeit ist es auch: Bereits mehrfach musste Tesla seine Kunden vertrösten, die bei Vorbestellung des Fahrzeugs immerhin eine Anzahlung von 1.000 Dollar auf den Tisch gelegt hatten.

Die Probleme mit dem Model 3 waren alles andere als ausgestanden, als Tesla im vergangenen Jahr bereits das nächste Mammutprojekt ankündigte: elektrisch betriebene Lastwagen mit enormer Reichweite. Von bis zu 800 Kilometern war die Rede, das Vorführmodell des Tesla Semi kam in futuristischer Aufmachung daher.

Doch genau in dieses Segment wollen nun auch immer mehr klassische Auto- und Lkw-Hersteller vorstoßen. So hat Daimler gerade erst die Testphase für zwei Lastwagenmodelle mit seiner US-Marke Freightliner angekündigt.

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Daimler stellt E-Laster vor

Noch in diesem Jahr sollen 30 Fahrzeuge an ausgewählte Kunden ausgeliefert werden. In einer Art Pilotphase sollen Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt werden, ehe ab 2021 die Fließbandfertigung startet. Hinsichtlich der Reichweite gibt man sich bei Daimler etwas bescheidener und rechnet mit etwa 400 Kilometern. Zugleich zog man die von Tesla angepeilten 800 Kilometer Reichweite nach derzeitigem Stand der Technik in Zweifel.

Nicht nur Daimler, auch andere europäische Hersteller wie Renault, Volvo oder MAN arbeiten derzeit fieberhaft daran, erste E-Lastwagen-Flotten straßentauglich zu machen. Angetrieben werden sie dabei nicht nur durch Vorreiter Tesla, sondern auch durch politische Vorgaben. In Deutschland beispielsweise sollen elektrisch betriebene Lkw ab dem kommenden Jahr von der Maut befreit werden – ein Anreiz sowohl für die Hersteller als auch für ihre Kunden, in Sachen Elektromobilität aufzuholen.

Daimler Aktie unter Druck

Daimler kann unterdessen positive Schlagzeilen gut gebrauchen. Wie Volkswagen und BMW stehen auch die Stuttgarter weiterhin unter Druck wegen der Dieselaffäre. Immer wieder werden neue Verstöße bekannt, immer wieder neue Modelle zurückgerufen. Und die erfolgsverwöhnten Autobauer stellen reihum unter Beweis, dass sie eines nicht besonders gut können: Krisenkommunikation.

Anstatt sich den Vorwürfen offensiv zu stellen und aktive Schadensbegrenzung zu betreiben, wird abgewiegelt und kleingeredet. Dadurch wird Vertrauen eher zerstört als wieder aufgebaut, der Imageschaden weitet sich aus.

Das geht auch am Aktienkurs nicht spurlos vorbei: Die Daimler Aktie hat allein auf Monatssicht rund 8 Prozent an Wert eingebüßt und auch BMW und Volkswagen standen in den letzten Wochen wieder stärker unter Druck.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.