Daimler Aktie: Neue Impulse aus Fernost

Neuer Großaktionär, neue Konzernstruktur: Kann die Daimler Aktie von den tiefgreifenden Veränderungen profitieren? (Foto: Tadeas Skuhra / Shutterstock.com)

Es tut sich was in Stuttgart. Bei Daimler stehen tiefgreifende Veränderungen ins Haus.

Zum einen hat der Konzern selbst einen umfassenden Plan zur Umstrukturierung erarbeitet. Anstelle der bisherigen Untergliederung in fünf Sparten – Cars, Trucks, Vans, Busse und Financial Services – will Daimler künftig in einer Holding-Struktur agieren. Hierfür sollen die bisherigen Bereiche zu drei eigenständigen Aktiengesellschaften zusammengefasst werden: Pkw, Trucks und Financial Services sollen am Ende übrig bleiben.

Davon verspricht man sich mehr Flexibilität und höhere Einnahmepotenziale, indem die jeweiligen Bereiche einzeln an die Börse gebracht werden können. Auf der Hauptversammlung 2019 soll über die Zukunftspläne zur Struktur abgestimmt werden.

Neuer Investor aus China

Zum anderen hat sich darüber hinaus ein externer Akteur aus Fernost überraschend eingeschaltet. Der chinesische Selfmade-Milliardär Li Shufu hat sich vor Kurzem 10 Prozent der Anteile an Daimler gesichert und ist damit über Nacht zum größten Einzelaktionär von Deutschlands zweitgrößtem Autobauer geworden.

Der Schritt hat nicht nur Anleger und Analysten überrascht, sondern auch den Vorstand kalt erwischt. Offenbar hatte Li Shufu während der Vorbereitung stets darauf geachtet, die meldepflichtigen Grenzen zu unterschreiten.

Dem neuen Großaktionär gehört bereits der chinesische Autokonzern Geely. Was genau er mit Daimler nun vorhat, ist noch unklar. Verdeutlicht hat er bereits, dass er auf eine enge Partnerschaft insbesondere in den Bereichen Elektromobilität und selbstfahrende Autos setzen will, um der Konkurrenz aus den USA – allen voran Tesla – etwas entgegenzusetzen.

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Zukunftsthema Elektroantrieb

Das dürfte auch Daimler zupass kommen. Denn die deutschen Autobauer scheinen im Vergleich zu den amerikanischen Vorreitern bislang ein Stück weit hinterherzuhinken, was die Entwicklung alternativer Antriebsformen angeht. Entsprechende Pläne wurden in der Vergangenheit eher halbherzig verfolgt und stiefmütterlich behandelt.

Angesichts der politischen Diskussionen, insbesondere hinsichtlich möglicher Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in deutschen Innenstädten, erlebt das Thema nun neuen Schwung und rückt auch auf der Agenda der hiesigen Autokonzerne auf eine höhere Prioritätsstufe.

Da kommt frisches Kapital aus Fernost gerade recht, um sich auch im hiesigen Konkurrenzkampf zu wappnen – zumal Fahrzeuge aus dem Hause Daimler sich in China großer Beliebtheit erfreuen.

Daimler Aktie: Analysten sehen Aufholpotenzial

Am Parkett hat die Daimler Aktie unterdessen in den letzten Wochen eher zu kämpfen. Auf Monatssicht notierte das Papier zuletzt gut 3 Prozent im Minus, in den vergangenen drei Jahren – während derer die hiesige Autobranche wegen der Dieselaffäre unter Druck stand – hat der Kurs um rund ein Viertel nachgegeben.

Mit knapp 68 Euro war die Aktie zuletzt vergleichsweise günstig zu haben – die meisten Analysten trauen dem Kurs mehr zu. Zurückhaltendere Stimmen, die zum Halten der Daimler Aktie raten, setzen das Kursziel dabei überwiegend zwischen 70 und 80 Euro an, beispielsweise die Analysten von Morgan Stanley oder Citigroup.

Studien, die zum Kauf des Papiers raten, sehen Kurspotenzial auf 80 bis 90 Euro, so etwa die Experten der Société Générale oder auch der Deutschen Bank. Im Schnitt sehen Analysten das Kursziel der Daimler Aktie derzeit bei knapp 78 Euro und somit rund 15 Prozent oberhalb der jüngsten Notierung.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.