Daimler Aktie: Neues Kapitel im Dieselskandal

Daimler Logo RED_shutterstock_193599326_360b

Droht in Sachen Dieselskandal der nächste Rückruf von zigtausend Autos? Die Daimler Aktie knickt nach neuen Vorwürfen ein. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Die Dieselaffäre ist auch gut zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden noch längst nicht ausgestanden. Ganz im Gegenteil: Sie greift weiter um sich.

Mit dem Transporter Vito ist nun auch erstmals ein Fahrzeug aus der Mercedes-Benz-Flotte von Daimler von den Vorwürfen betroffen. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) ordnete den Rückruf des Fahrzeugs mit einer bestimmten Motorenausstattung an.

Davon sind bislang rund 5.000 Fahrzeuge betroffen – doch es könnten noch deutlich mehr werden. Medienberichten zufolge prüft das KBA mögliche unzulässige Abschalteinrichtungen in weiteren Modellen, im schlimmsten Fall könnte Daimler letztlich dazu verdonnert werden, etwa eine halbe Million Autos in die Werkstätten zurückzubeordern.

Daimler hat dem Vito-Rückruf und dem geforderten Software-Update zugestimmt, wies zugleich jedoch die Vorwürfe der Behörde scharf zurück. Der Konzern teile deren Rechtsauffassung nicht, wonach bestimmte Vorrichtungen und Programmierungen nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen würden – und will notfalls vor Gericht ziehen, um die Frage klären zu lassen.

Wie Autobauer Vertrauen verspielen

Die gesamte Entwicklung zeigt, dass die deutschen Autobauer offenbar nicht verstanden haben, worum es für sie – und ihre Mitarbeiter und Anleger – geht. Nachdem der Skandal um systematisch manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen im Herbst 2015 aufgeflogen war, betonten Daimler und BMW zunächst vehement, bei ihnen werde nicht geschummelt.

Daimler Mercedes Benz RED – shutterstock_525150721 Tadeas Skuhra

China-Krise? Nicht für Daimler!Gute Nachrichten für die deutschen Autobauer: Laut einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) wird der chinesische Automarkt im kommenden Jahr wieder wachsen.  › mehr lesen

Das war wohl etwas voreilig, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, denn Ermittlungen laufen praktisch gegen alle namhaften deutschen Autohersteller: Bei VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW laufen Untersuchungen der Behörden. Und immer geht es um dieselben Vorwürfe – Manipulationen und Betrug.

Selbst diverse Fahrzeuge, die der neuen Norm der Schadstoffklasse 6 entsprechen, und nun angeblich wirklich sauber sein sollten, wurden bereits zurückgerufen. Es drängt sich der Eindruck auf, die Autobauer wollten weiter ihre Grenzen austesten – ohne zu erkennen, dass sie diese längst überschritten haben.

Daimler Aktie knickt nach neuen Vorwürfen ein

Volkswagen kam der Skandal teuer zu stehen, in den USA wurde das Unternehmen zu hohen Zahlungen verdonnert. In Deutschland hingegen kommen die Konzerne nahezu ungeschoren davon, ein bisschen Softwarenachrüstung hier, ein bisschen Besänftigung dort, und auf den Kosten bleiben die Verbraucher sitzen, die ihre offenbar doch nicht so sauberen Dieselfahrzeuge nur noch mit immensem Wertverlust weiterverkaufen können und in einigen deutschen Innenstädten womöglich bald gar nicht mehr fahren dürfen.

Die schützende Hand der deutschen Politik wird die Autobauer jedoch langfristig nicht vor größeren Schäden bewahren, wenn sie weiterhin das Vertrauen der Kunden derartig dreist zu untergraben versuchen. Für Volkswagen scheint – mit Blick auf die jüngsten Bilanzzahlen – das Schlimmste zwar bereits ausgestanden. Für BMW und Daimler fängt es womöglich gerade erst an.

Das sollten auch Anleger im Hinterkopf behalten: Die Daimler Aktie jedenfalls knickte zuletzt ein, nachdem die neuen Vorwürfe bekannt wurden, und auch der Kurs der BMW Aktie wurde in Mitleidenschaft gezogen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.