Daimler-Aktie: Zurück zu alter Stärke

2016 war ein gutes Jahr – zumindest aus Sicht von Daimler:

Mehr als 2 Mio. Fahrzeuge verkauften die Stuttgarter allein in ihrer Premium-Sparte Mercedes Benz – mehr als je zuvor in der Unternehmens-Geschichte.

Zugleich erreichte Daimler-Chef Dieter Zetsche damit bereits vorzeitig sein perspektivisch ausgegebenes Ziel, beim Absatz wieder Spitzenreiter unter den deutschen Premium-Herstellern zu werden.

Geplant war dies für 2020, gelungen ist es schon jetzt.

Daimler: Durststrecke überwunden

2005 hatte Daimler die Krone an den Münchener Konkurrenten BMW abtreten müssen, bald darauf überholte auch Audi.

Daimler kämpfte derweil mit teilweise hausgemachten Schwierigkeiten, wie Zetsche inzwischen selbst sagt:

  • Das Design damaliger Modelle sprach die Kunden weniger an
  • Zudem lastete das Image des Altherren-Fahrzeugs auf den Mercedes-Limousinen.
  • Gerade im wichtigen Wachstumsmarkt China machten viele Käufer eher einen Bogen um Daimler.

Doch das hat sich grundlegend geändert. 2016 war davon nichts mehr zu spüren – ganz im Gegenteil:

Gerade in China verbuchte Daimler mit rund 25% die höchsten Zuwachsraten und verkaufte 473.000 Fahrzeuge.

Die stärkste Absatz-Region ist jedoch nach wie vor Europa. Auch hier verbuchten die Stuttgarter ein 2-stelliges Absatzplus von gut 12% und brachten 900.000 Fahrzeuge an den Mann.

Daimler-Aktie: 20% im Plus

Zum Erfolg beigetragen hat nach Einschätzung von Experten der Relaunch der kompletten Flotte, der bereits 2013 begann und in dessen Rahmen nach und nach alle Modelle runderneuert wurden.

Seither erscheint Daimler in den Augen der Kunden wieder wesentlich attraktiver.

Gleiches gilt für die Aktionäre: In den vergangenen 6 Monaten konnte die DaimlerAktie um rund 20% zulegen und kostete zuletzt gut 70 €.

Die Zukunfts-Aussichten des Papiers bewerteten Analysten zuletzt tendenziell positiv: Kaufempfehlungen und neutrale Einstufungen hielten sich in etwa die Waage.

Die Kursziele bewegen sich überwiegend im Spannungsfeld zwischen 70 und 90 €, die Commerzbank traut der Daimler-Aktie einen Anstieg auf 95 € zu.

Reicht das für die Zukunft?

Allerdings warnen Beobachter, dass sich die Autobauer nicht mehr lange auf rosigen Absatz-Zahlen ausruhen können. Entscheidender werden in Zukunft Dienstleistungs-Angebote und Mobilitäts-Konzepte sein.

Studien zufolge halten immer mehr jüngere Menschen den Erwerb und Besitz eines eigenen Autos nicht mehr für unbedingt erstrebenswert, solange sie bei Bedarf die Möglichkeit haben, unkompliziert und am liebsten auch kurzfristig ein Auto nutzen zu können.

Das Konzept des Mietautos soll entsprechend weitergedacht werden. Bereits jetzt gibt es entsprechende Geschäftsmodelle in vielen Großstädten, die jedoch noch Optimierungs-Potenzial haben.

Entscheidend wird daher künftig sein, welcher Autobauer das beste Konzept bieten – und am schnellsten umsetzen kann.

Das ist auch den Premium-Herstellern klar; alle haben bereits verkündet, sich mit Mobilitäts-Konzepten auseinanderzusetzen und diese stärken zu wollen.

Daimler selbst setzt darüber hinaus auf strategische Investitionen in innovative Projekte und ist gerade, gemeinsam mit anderen Geldgebern, beim Liefer-Roboter-Entwickler Starship eingestiegen.

Die estländische Firma, die von den Erfindern des Video-Messengers Skype gegründet wurde, baut kleine Roboter, die Paket-Zusteller entlasten sollen.

Der Markt ist gigantisch und wächst immer weiter dank des weiterhin andauernden Booms des Online-Versandhandels.

In jedem Fall sind die Autobauer gut beraten, sich stark aufzustellen, denn es droht Gegenwind aus Übersee:

Am heutigen Freitag ist es soweit: Donald Trump wird als neuer US-Präsident vereidigt.

Bereits im Vorfeld hat er mehreren Auto-Herstellern offen mit hohen Strafzöllen gedroht, sollten sie Produktionsstätten in Mexiko errichten.

Die kommenden vier Jahre dürften ungemütlich werden – auch für manch einen deutschen Dax-Konzern.

2016-01-20 Daimler

20. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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