Daimler-Aktie: Neue Rekorde, aber Angst vor Trump

2017 wird ein wegweisendes Jahr für die Automobil-Branche – zumindest, wenn Donald Trump weiter auf Tempo durchregiert, wie er es in den ersten Wochen seiner Amtszeit versucht hat.

„America First“ ist das große Motto, unter das Trump erst seinen Wahlkampf und nun seine Amtszeit gestellt hat. Die US-Konjunktur soll angekurbelt werden – koste es, was es wolle.

Hohe Verschuldung, niedrige Klima-Standards, weniger Regulierung – all das scheint dem neuen Mann im Weißen Haus recht zu sein, solange das Wachstum stimmt.

Er ist eben kein Politiker, sondern Unternehmer.

Allerdings sind die USA kein Wirtschaftskonzern, und so wird sich erst noch zeigen müssen, inwieweit Trump wirklich ernst macht in Sachen Abschottung.

Angekündigt hat er zumindest – und das in vielfacher Weise –, dass er z. B. Strafzölle auf den Import ausländischer Produkte erheben will, um die Amerikaner dazu zu motivieren, mehr US-Produkte zu kaufen.

Angst vorm Mann im Weißen Haus

Diese Strafzölle sind es, vor denen seither zahlreiche exportorientierte Unternehmen zittern, darunter auch die deutschen Autobauer.

Kein Wunder also, dass trotz glänzender Geschäfts-Bilanzen für das abgelaufene Jahr 2016 die Stimmung unter vielen Anlegern eher verhalten ist mit Blick auf das, was da kommen mag.

Besonders deutlich lässt sich dieser Zwiespalt ablesen am jüngsten Verlauf der Daimler-Aktie: Der Stuttgarter Konzern hat starke Zahlen gemeldet.

Im wichtigen Absatzmarkt China konnte Daimler in den vergangenen Jahren sein angestaubtes Image kräftig aufpolieren und Boden gewinnen.

Inzwischen hat man dort auch Premium-Konkurrent BMW überholt. Allein im Februar verkaufte Daimler weltweit fast 154.000 Fahrzeuge – und damit 15% mehr als im Vorjahres-Zeitraum.

Der Zuwachs seit Jahresbeginn fällt mit knapp 17% sogar noch deutlicher aus.

Betrachtet man China isoliert, beläuft sich das Plus auf satte 41,9% – das unterstreicht zusätzlich die hohe Bedeutung dieser Region.

Zum Vergleich: In Europa schaffte Daimler in den ersten beiden Monaten ein Plus von 7,8%, in den USA waren es nur 6,9%.

Und gerade das US-Geschäft könnte zu bröckeln beginnen, sollten die trumpschen Strafzölle tatsächlich Realität werden.

Daimler-Aktie: auf Richtungssuche

Der unsichere Ausblick sowie die Dividende, die Daimler unverändert bei 3,25 € beließ und damit die Erwartungen von Anlegern und Analysten eher enttäuschte, haben dazu beigetragen, dass der Aktienkurs nur mäßig von den guten Zahlen profitieren konnte.

Tatsächlich befindet sich die Daimler Aktie aus charttechnischer Sicht aktuell in einer spannenden Phase:

Sie scheitert beharrlich am Widerstand, der sich um das Jahreshoch von 73,23 € gebildet hat. Dieser Wert wurde im Januar erzielt.

Seither hat sich die Daimler-Aktie mehrfach angenähert, hat den Sprung darüber hinaus jedoch bislang nicht geschafft.

Ein Ausblick

Gelingt der Durchbruch, halten Beobachter einen Durchmarsch in Richtung 80 € für denkbar.

Nach unten jedoch besteht die Gefahr, auf etwa 65 € zurückzufallen – eine Zone, in der sich das Papier im vergangenen Herbst länger aufgehalten hat.

Die Mehrheit der Analysten sieht das aktuelle Kursniveau von um die 70 € als gerechtfertigt an und empfiehlt, die Aktie zu halten.

Einige sehen Aufwärts-Potenzial auf bis zu 90 € (Commerzbank, Deutsche Bank), nur vereinzelt warnen Experten vor einem Abrutschen auf 60 € oder darunter (BNP Paribas, Berenberg Bank).

2017-03-31 Daimler

31. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt