Daimler, BMW und Audi kaufen Nokia-Kartendienst

Die 3 großen deutschen Premiumautobauer BMW, Daimler und Audi kaufen für 2,8 Mrd. Euro den Kartendienst „Here“ von Nokia. Der Kartendienst „Here“ wurde stark auf die Bedürfnisse der Autobranche ausgerichtet und bietet u. a. detailreiche Karten für selbstfahrende Fahrzeuge.

Da die Digitalisierung ein großes Zukunftsthema in der Automobilbranche ist und autonom fahrende Fahrzeuge sehr präzise Straßenkarten benötigen, um den Verkehr zu meistern, weckte Nokias Kartendienst „Here“ das Interesse von BMW, Audi und Daimler.

„Here“ werde eine „Schlüsselrolle bei der digitalen Revolution der Mobilität“ spielen, erklärte der neue BMW-Chef Harald Krüger. Die Autohersteller befürchten einen zu großen Einfluss von Apple und Google bei der Vernetzung ihrer Fahrzeuge und wollen dem vorbeugen, indem der Kartendienst „Here“ erworben wird.

Denn: Sowohl Apple als auch Google bieten bereits Plattformen zur besseren Integration von Smartphones im Auto an, die das Display der Unterhaltungsanlage weitgehend übernehmen. Teil der Plattformen von Apple und Google sind auch die jeweiligen Kartendienste der beiden US-Technologieriesen.

Details zum Kauf von „Here“

Die 3 deutschen Premiumautobauer wollen „Here“ jeweils zu gleichen Teilen übernehmen. Keiner der 3 Partner strebe eine Mehrheit an. Dies teilten die Autokonzerne und Nokia mit.

Nokia tritt seinen Kartendienst ab, um sich künftig auf das Kerngeschäft als Ausrüster von Telekom-Netzwerken zu konzentrieren und den Konkurrenten Alcatel-Lucent zu erwerben.

Dafür kann Nokia den Erlös aus dem „Here“-Verkauf gut gebrauchen. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden soll der Verkauf im 1. Quartal 2016 abgeschlossen werden.

Als Nokia seinen Kartendienst ins Schaufenster stellte, war das für Interessenten eine gute Gelegenheit, einen gut ausgebauten Kartendienst zu erwerben. Bekanntermaßen schlugen jetzt BMW, Daimler und Audi für 2,8 Mrd. Euro zu. Laut Medienberichten soll Nokia zwar auf einen höheren Verkaufspreis gehofft haben, dürfte mit dem jetzigen Preis aber dennoch zufrieden sein.

Bevor die 3 deutschen Autobauer den Zuschlag von Nokia erhielten, sollen auch der umstrittene Online-Fahrdienst-Vermittler Uber, der auch an selbstfahrenden Fahrzeugen forscht, und einige chinesische Online-Konzerne interessiert gewesen sein.

Der Kartendienst „Here“ sitzt hauptsächlich in Berlin und hatte per Ende Juni 6.450 Mitarbeiter, mit denen das Unternehmen im 1. Halbjahr 2015 einen Umsatz von 551 Mio. US-Dollar erwirtschaftete. Das waren rund 25% mehr als im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn belief sich im abgelaufenen Halbjahr auf 28 Mio. US-Dollar.

BMW, Daimler und Audi rüsten sich für die Zukunft

Aus meiner Sicht macht der Kauf des Kartendienstes „Here“ durch Audi, BMW und Daimler absolut Sinn. Denn dadurch wehren sich die 3 Autobauer gegen die Vormachtstellung von Apple und Google in diesem Bereich.

Zudem zahlen die 3 deutschen Autoriesen nach meiner Einschätzung einen guten Preis, zumal der finnische Nokia-Konzern den bilanziellen Wert seines Kartendienstes „Here“ erst im vergangenen Jahr um 1,2 Mrd. Euro berichtigen musste. Das bedeutet: Im vergangenen Jahr wäre „Here“ nicht so günstig zu haben gewesen wie zum aktuellen Zeitpunkt.

3. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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