Daimler: Chinesen wollen einsteigen

Viele Aktionäre werden sagen: endlich! Der Börsenmonat August ist abgeschlossen und brachte mit einem DAX-Verlust von knapp 10% das schlechteste Ergebnis seit 2011.

Es gibt kaum harte Fakten, die den Kursabschlag erklären (ähnlich wie im August 2011 oder im Oktober 2014). Die Sichtweise hat sich nur geändert. Das Glas ist plötzlich halb leer. Meldungen, die vor 3 Monaten noch für Kurssprünge nach oben gesorgt hätten, sorgen plötzlich für Kursabschläge. Ein gutes Beispiel ist der Fall Daimler.

Der chinesische Autobauer und Daimler-Partner Beijing Automotive Group (BAIC) will sich chinesischen Medienberichten zufolge mit einem „signifikanten Anteil“ (gerüchteweise 10%) an dem Stuttgarter Automobilriesen Daimler beteiligen.

BAIC-Chef Xu Heyi soll geäußert haben, dass der Anteilserwerb schon bis Jahresende unter Dach und Fach gebracht werden könnte. Zudem will die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben, dass in die Transaktion bereits Investmentbanken beider Unternehmen involviert seien.

Daimler selbst erklärte, dass BAIC der wichtigste Partner in China sei. „Uns verbindet eine enge Kooperation“, heißt es von Seiten der Stuttgarter. Grundsätzlich wolle Daimler auch weiterhin attraktiv für potenzielle, langfristige Investoren sein. „Dabei sind uns auch Investoren aus China willkommen“, ergänzte ein Sprecher von Daimler.

Zu den größten bisherigen strategischen Daimler-Investoren zählen vor allem das Emirat Kuwait mit einem Anteil von 6,8% und der französische Autokonzern Renault Nissan mit einem Anteil von 3,1%.

Weitere Details zur Kooperation mit BAIC

Das Interesse von BAIC beruht auf Gegenseitigkeit. Denn: Daimler hält aktuell 10% an der börsennotierten BAIC Motor, einer BAIC-Tochter, und ist über mehrere Joint-Ventures (strategische Partnerschaften) direkt mit BAIC verbunden.

Der geplante Einstieg der Chinesen bei Daimler könnte strategischen Interessen wie dem Technologietransfer dienen. Die Standardäußerung von Daimler-Chef Dieter Zetsche hierzu ist: „Unsere Aktivitäten in China können keine Einbahnstraße sein.“

Zum Zeitpunkt des geplanten Einstiegs ist folgendes zu sagen: Das Timing ist nahezu perfekt. Denn: Wegen der Marktturbulenzen im Zusammenhang mit den Sorgen um die chinesische Konjunktur und der daraus resultierenden Kursverluste deutscher Autobauer und Zulieferer sind die Daimler-Aktien derzeit viel günstiger zu haben als noch vor einigen Wochen.

Unabhängig von den Vorteilen, die sich zum jetzigen Zeitpunkt preislich für BAIC ergeben würden, gibt es noch zahlreiche weitere Vorteile für beide Parteien – aus meiner Sicht aber insbesondere für Daimler.

Seit Jahren ist der Konzern auf der Suche nach einem Ankeraktionär, der ihn in stürmischen Zeiten unterstützt und ihn vor feindlichen Übernahmen beschützt. VW und BMW haben mit den Familien Piech und Porsche sowie dem Land Niedersachsen auf der einen und mit der Familie Quandt auf der anderen Seite solche Stützen.

Abgesehen davon würden sich auch operative Vorteile für Daimler ergeben. So würde der Stuttgarter Autobauer auf dem chinesischen Markt von der Ausweitung der strategischen Partnerschaft mit einem chinesischen Staatskonzern profitieren.

Kapitalerhöhung nicht sehr wahrscheinlich

Bleibt abschließend nur die Frage, wie die Beteiligung erfolgen soll. Es gibt grundsätzlich 2 Möglichkeiten: Möglichkeit 1 wäre, dass BAIC 10% der Daimler-Aktien über die Börse kauft (das würde den Aktienkurs aufgrund der steigenden Nachfrage deutlich nach oben treiben) und Möglichkeit 2 wäre eine Kapitalerhöhung (das würde den Kurs belasten, da die Anzahl der Aktien steigt).

Die Tatsache, dass der Kurs der Daimler-Aktie nach Bekanntwerden der Pläne von BAIC unter Druck geriet, zeigt, dass offenbar viele Beobachter mit einer anstehenden Kapitalerhöhung rechnen. Wie eingangs beschrieben: Das Glas ist plötzlich immer halb leer.

Ich halte dieses Szenario jedoch nicht für sehr wahrscheinlich. Die Gründe: Erstens braucht Daimler aktuell kein Geld (das man im Zuge einer Kapitalerhöhung einsammeln würde) und zweitens wollen aus meiner Sicht sowohl Daimler als auch die bestehenden Aktionäre keine Verwässerung der Anteilsverhältnisse (das würde sich aus einer Kapitalerhöhung zwangsläufig ergeben).

Daher halte ich es für wahrscheinlicher, dass es nicht zu einer Kapitalerhöhung kommt und BAIC stattdessen 10% der bestehenden Aktien über die Börse erwirbt. Das wiederum würde den Kurs der Daimler-Aktie positiv beeinflussen. Daher bietet Ihnen die dividendenstarke Daimler-Aktie aktuell gute Perspektiven.

31. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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