Daimler: Chinesischer Autobauer Geely steigt im großen Stil ein

Warum sich ein chinesischer Milliardär mit knapp 10% an Daimler beteiligt und was der Einstieg für Daimler-Aktionäre bedeutet. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Diese Nachricht war ein Paukenschlag: Der chinesische Selfmade-Milliardär Li Shufu hat sich quasi über Nacht knapp 10% der Daimler-Anteile gesichert. Li Shufu ist unter anderem Gründer des chinesischen Elektro-Autobauers Geely. Er verfügt derzeit laut „Forbes“ über ein Vermögen von 18,8 Mrd. US-Dollar.

Lange Zeit hatte sich Daimler einen starken Partner gewünscht, da man anders als beispielsweise BMW und Volkswagen nicht über eine einflussreiche Familie als Ankeraktionär verfügt. Vor dem Einstieg von Li waren die größten Einzelaktionäre von Daimler Renault-Nissan mit einem Anteil von 3,1% und Kuwait mit 6,8%.

Nun also überflügelt der Geely-Gründer Shufu Li mit einem Anteil von 9,69% die beiden zuvor größten Einzelaktionäre von Daimler. Jetzt stellt sich die Frage, mit welchem Interesse sich Li an Daimler beteiligt hat und was der Einstieg für Daimler bedeutet.

Geely will mit Daimler kooperieren

In den Medien war heute mehrfach zu lesen, dass der Einstieg von Geely bei Daimler Besorgnis auslöst. Dazu folgendes: Zwar könnte es für das Daimler-Management jetzt etwas ungemütlicher werden, da davon auszugehen ist, dass Li aktiv Einfluss auf die Geschicke von Daimler nehmen will und wird.

Für die Daimler-Aktionäre gibt es nach meiner Einschätzung aber keinen Grund zur Sorge. Denn Geely könnte für Daimler der Türöffner zum chinesischen Markt – und damit zum mit Abstand wichtigsten Markt für Elektromobilität – werden.

„Daimler ist ein herausragendes Unternehmen mit erstklassigem Management“, erklärt Li seinen Einstieg. Aber: „Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Automobilindustrie.“ Um den „Eindringlingen von außen“ mit vereinten Kräften zu begegnen, brauche es Freunde und Partner.

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Es ist zu hören, dass Li einen Platz im Aufsichtsrat von Daimler anstrebt. Ziel sei eine Kooperation zwischen seinem Unternehmen und Daimler bei Elektroautos, dem Zukunftsgeschäft auf dem chinesischen Automarkt.

Bei Daimler sieht man Li „als chinesischen Unternehmer mit besonderer Kompetenz und Zukunftsorientierung, mit dem man den industriellen Wandel konstruktiv diskutieren kann.“ Das klingt für mich nicht so, als ob der Einstieg von Li bei Daimler große Verunsicherung ausgelöst habe.

So konnten die Meldeschwellen unbemerkt übersprungen werden

Der eine oder andere von Ihnen wird sich nun vielleicht fragen, wie der chinesische Milliardär Li die Meldeschwellen in Höhe von 3 und 5% unbemerkt überspringen konnte. Für diejenigen unter Ihnen, die die Meldeschwellen nicht kannten: Beteiligt sich ein Investor an einem Unternehmen und überspringt dabei die Beteiligungsmarken von 3 und/oder 5%, muss dies gemeldet werden.

Dies gilt aber nur dann, wenn die Beteiligung entweder über reine Aktienkäufe oder über reine Optionsgeschäfte erfolgt. Da Li eine Kombination aus beidem gewählt hat, war das Überschreiten von 3 und 5% nicht meldepflichtig.

Ich werde Sie hier im „Schlussgong“ darüber auf dem Laufenden halten, wie es in dieser Sache weitergeht. Nach meiner augenblicklichen Einschätzung ist der Einstieg von Geely für Daimler-Aktionäre jedoch eher positiv als negativ zu werten. Daher verstehe ich auch nicht, dass die Daimler-Aktie heute in einer ersten Reaktion unter Druck geraten ist. Auf dem aktuellen Kursniveau ist der starke Dividenden-Wert eine interessante Depot-Beimischung.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.