Daimler kauft Fuhrpark-Management-Firma

Autos bauen und verkaufen reicht nicht mehr: Die renommierten Autobauer werden darüber hinaus zunehmend zu Mobilitäts-Dienstleistern.

Diesen Trend unterstreicht ein Anfang Juli bekannt gegebener Mega-Deal aus dem Hause Daimler.

Die Stuttgarter planen den milliardenschweren Zukauf des niederländischen Fuhrpark-Management-Unternehmens Athlon Car Lease International. Der Kaufpreis liegt demnach bei 1,1 Mrd. €.

Stimmen die zuständigen Aufsichtsbehörden zu, erweitert sich die Sparte Fuhrpark-Management bei Daimler von derzeit 85.000 auf künftig rund 340.000 Fahrzeuge.

Dabei werden etwa 100.000 Fahrzeuge auf dem niederländischen und 90.000 auf dem deutschen Markt verwaltet.

Lukrativer Zukunftsmarkt

Daimler stärkt damit ein lukratives Segment: Athlon hat sich spezialisiert auf die Koordination von Dienstfahrzeugen von Firmen. BMW und Volkswagen sind hier ebenfalls bereits stark engagiert, höchste Zeit also für die Stuttgarter, nachzuziehen.

Branchenkenner sehen in diesem Bereich einen ebenso zukunftsträchtigen wie profitablen Wachstumsmarkt, der für beide Vertragspartner eine win-win-Situation bedeutet:

Firmen, die die Dienstleistung in Anspruch nehmen, lagern lästige organisatorische und administrative Arbeiten an Spezialisten aus, während die Autobauer den Absatz ihrer Fahrzeuge ankurbeln können, wenn sie ganze Firmenflotten stellen und verwalten.

Insgesamt erweitern die Hersteller ihre Mobilitäts-Angebote. Längst gibt es Car-Sharing-Modelle in diversen Großstädten ebenso wie Fahrdienste und Mietwagen.

Die Kunden werden flexibler und erwarten ebensolche Angebote. Wer hier nicht mitzieht, droht über kurz oder lang auf der Strecke zu bleiben.

Strategiesuche nach Brexit-Votum

Nach strategischen Ausrichtungs-Möglichkeiten Ausschau zu halten, die zusätzliche Einnahmen einbringen, erscheint dieser Tage zudem besonders sinnvoll: Kaum eine Branche wird vom Brexit so hart getroffen wie die Automobil-Industrie.

BMW, Daimler und Volkswagen sind auf der Insel stark engagiert, v. a. BMW unterhält mehrere Produktions-Stätten im Vereinigten Königreich – bis jetzt zumindest.

Wie es in Zukunft weitergehen wird, steht bislang ebenso in den Sternen wie die konkrete Ausgestaltung des britischen Austritts aus der Europäischen Union. Einen konkreten Plan B hat jedenfalls offenbar niemand in der Schublade.

Wie hart das Brexit-Votum gerade die Autobauer trifft, spiegelt sich auch in deren Aktienkursen wider.

Die Papiere von BMW und Daimler haben auf Monatssicht rund 10% an Wert eingebüßt, bei Volkswagen waren es aufgrund hausgemachter Probleme rund um den Abgas-Skandal sogar gut 17%.

Seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus bei den Wolfsburgern auf rund 20%, während BMW und Daimler sogar jeweils rund 1/3 verloren haben.

Dennoch zeigten sich Analysten zuletzt v. a. bei Daimler optimistisch und sprachen mit großer Mehrheit Kaufempfehlungen für die Aktie aus. Bei BMW fällt die Tendenz ähnlich positiv aus, bei Volkswagen gibt man sich verständlicherweise etwas zurückhaltender.

Die Kursziele für die Daimler Aktie lagen zuletzt jedoch deutlich oberhalb der tatsächlichen Notierung. Zahlreiche aktuelle Studien renommierter Analysehäuser trauen dem Papier einen Anstieg auf 80 bis 95 € zu. Zuletzt war die Aktie für knapp 53 € zu haben.

2016-07-08 Daimler

9. Juli 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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