Daimler: Neuer Großaktionär Li Shufu und Geely im Blickpunkt

Lernen Sie jetzt den neuen Daimler-Großaktionär Li Shufu und sein wichtigstes Unternehmen Geely näher kennen. (Foto: Ivan Kurmyshov / Shutterstock.com)

Gestern habe ich Ihnen an dieser Stelle über den Einstieg des chinesischen Milliardärs Li Shufu bei Daimler berichtet. Li sicherte sich über Aktienkäufe und Optionsgeschäfte insgesamt einen Anteil von knapp 10% an Daimler. Hierzulande ist der Milliardär, der unter anderem Gründer des chinesischen Autobauers Geely ist, kaum bekannt.

Daher möchte ich Ihnen heute sowohl die Person Li Shufu als auch das von ihm gegründete Unternehmen Geely näher vorstellen. Zuvor sollten Sie jedoch noch wissen, dass sich die Aussichten deutscher Autobauer durch das heute veröffentlichte Urteil im Hinblick auf potenzielle Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten zunächst nicht geändert haben.

Stand heute weiß niemand, was dieses Urteil konkret bedeutet – auch wenn einige Medien so tun, als ob. Ich möchte mich an diesen Spekulationen nicht beteiligen und werde Sie stattdessen informieren, sobald es konkrete Informationen gibt.

Li Shufu: Von ganz unten nach ganz oben

Nun aber zurück zu Li Shufu und Geely. Li stammt aus dem Örtchen Taizhou, etwa 300 Kilometer von der 10-Millionen-Metropole Hangzhou entfernt, und ist geradezu stolz auf seine bäuerliche Herkunft. Denn die verleiht ihm – wie er selbst sagt – eine gewisse Hartnäckigkeit und Erdung, um seine unternehmerischen Ziele durchzusetzen.

Li ist Sohn eines Reisbauern und hatte sich bereits mit 18 Jahren zum Ziel gesetzt, etwas unternehmerisches aufzuziehen. Er lieh sich etwas Geld von seinem Vater, kaufte sich damit eine Fotoausrüstung und startete sodann mit einem kleinen Fotogeschäft seine unternehmerische Laufbahn.

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Im Anschluss daran war Li Angestellter in einer staatlichen Kühlschrank-Fabrik. Danach wechselte er wieder in die Unternehmerrolle und gründete mit Freunden und Familienmitgliedern ein Unternehmen, das ähnliche Kühlschränke baute, wie die staatliche Kühlschrank-Fabrik, in der er zuvor arbeitete.

Später kamen abgekupferte Nachbauten von Motorrädern aus Taiwan und in den 1990er Jahren erstmals kleine Autos hinzu. Li hatte frühzeitig erkannt, dass sich mit kostengünstigen Autos im noch stark unterentwickelten chinesischen Automarkt gutes Geld verdienen ließ.

Geely will Autobauer mit Weltrang werden

Die Vision von Li ist es, einen chinesischen Autobauer mit Weltrang zu schaffen. Dazu müsste es gelingen, westliche Technologie mit chinesischem Marktpotenzial zu verbinden. Dabei soll auch die jüngste Beteiligung an Daimler und die angestrebte Kooperation mit den Stuttgartern helfen.

Im Jahr 2010 war es Li bereits gelungen, den schwedischen Premium-Autobauer Volvo zu übernehmen. Geely half den angeschlagenen Schweden dabei, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen und Geely profitierte von den technologischen Errungenschaften von Volvo. Eine klassische Win-win-Situation also.

Kommen wir abschließend noch einmal zurück zu Daimler: Wie ich Ihnen gestern bereits geschrieben habe, ist der Einstieg von Geely für Daimler-Aktionäre nach meiner augenblicklichen Einschätzung eher positiv als negativ zu werten. Auf dem aktuellen Kursniveau ist der starke Dividenden-Wert Daimler eine interessante Depot-Beimischung.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.