Daimler: Wie die wilde Aufholjagd gelang

Daimler hat harte Zeiten hinter sich. Vor allem in China, dem seit einigen Jahren wichtigsten Absatzmarkt der Automobilindustrie, konnten die Stuttgarter nur schwer Fuß fassen.

Als Altherrenmarke war Mercedes verschrien, und die wenig moderne Produktpalette gab den Kritikern damals Recht. Längst war BMW als erfolgreichster Hersteller im Premiumsegment an Daimler vorbeigezogen, richtig spürbar wurde die Schmach, als auch noch VW-Tochter Audi die Schwaben überholte und auf Platz drei verwies.

Das Rennen der drei großen Hersteller, allesamt im Dax vertreten, verlief seither nicht gerade zu Daimlers Gunsten. Doch im vergangenen Jahr wendete sich das Blatt.

Neue Modelle, bessere Margen

Die Stuttgarter polierten ihre Produktpalette auf, vor allem im SUV-Bereich wurden neue Saiten aufgezogen. Durch Sparmaßnahmen wurde zudem die Profitabilität deutlich gesteigert – ein Aspekt, auf den vor allem die Anleger Wert legen.

Die Margen hatten bei Daimler – gerade im Vergleich zur Konkurrenz – zu wünschen übrig gelassen. Doch jetzt ist die Aufholjagd in vollem Gange.

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel in China. Dort hat Daimler zuletzt sein Vertriebsnetz deutlich ausgebaut und durch die aufgehübschten Modelle auch das angestaubte Image abgelegt. Inzwischen erfreuen sich Fahrzeuge mit Mercedesstern wieder großer Beliebtheit im Reich der Mitte.

Daimler fährt in China der Konkurrenz davon

Während BMW und Audi 2015 Absatzrückgänge in Fernost verzeichneten, drehte Daimler erst richtig auf. Um fast ein Drittel stieg die Absatzrate, zeitweise belief sich die Monatsbilanz sogar auf 50 Prozent mehr verkaufte Fahrzeuge als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Und nicht nur in China läuft es rund. Auch das Europageschäft konnte dank der überarbeiteten Modellpalette wieder kräftig zulegen. Insgesamt verkaufte das Segment Mercedes-Benz Cars (inklusive Smart) im vergangenen Jahr zwei Millionen Fahrzeuge und stellte damit den fünften Rekord in Folge auf.

Im Vergleich zu 2014 konnten die Absatzzahlen um 14,4 Prozent gesteigert werden – BMW schaffte gerade einmal ein Plus von 6,1 Prozent, Audi 3,6 Prozent. Die Zahlen der ersten beiden Monate des laufenden Jahres weisen in eine ähnliche Richtung.

Fazit: Daimler holt auf, und das in rasantem Tempo. Obwohl die Messlatte hoch hängt, gehen Experten auch in diesem Jahr von weiteren Steigerungen aus. Daimler ist inzwischen wieder die Nummer zwei der deutschen Premiumhersteller – und der Abstand auf BMW hat sich zuletzt deutlich verringert.

Daimler-Aktie günstig zu haben

Kein Wunder also, dass auch Anleger wieder stärker mit der Daimler-Aktie liebäugeln. Eine Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern von 9,5 Prozent und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7,6 sprechen eine deutliche Sprache – das Papier ist derzeit ziemlich günstig bewertet.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Automobilaktien in den vergangenen Monaten zweimal massiv unter Verkaufsdruck geraten sind: Einmal im Herbst nach Bekanntwerden des Abgasskandals bei Volkswagen, der die gesamte Branche in Mitleidenschaft gezogen hat. Und dann noch einmal zum Jahresauftakt, als die Aktienmärkte weltweit heftige Turbulenzen verzeichneten und auch die meisten Dax-Werte ins Taumeln gerieten.

Beides hat dazu beigetragen, dass die Daimler-Aktie inzwischen für rund 66 Euro zu haben ist – ein Schnäppchen, meinen Analysten, die zuletzt massenweise Kaufempfehlungen ausgesprochen haben und das Kursziel im Durchschnitt bei gut 82 Euro sehen – mehr als 20 Prozent höher als die aktuelle Bewertung.

2016-03-28 Daimler

1. April 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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