Dank-Übernahme: Kuka-Investoren bekommen Mondpreis geboten

Sie haben die Kuka-Aktie in Ihrem Portfolio? – Na dann herzlichen Glückwunsch. Denn dank eines Übernahme-Angebots können Sie die Papiere des Roboterbauers demnächst für 115 Euro an den Bieter Midea abgeben.

Obwohl die Aktie schon zu den teuersten Papieren im Sektor gehörte, bietet Midea einen 30% Aufschlag. Die Prämienhöhe an sich ist im Übernahme-Geschäft nicht ungewöhnlich. 30% Aufschlag sind quasi Normalfall.

Wenn aber berücksichtigt wird, dass der Übernahme-Preis sich auch immer am operativen Gewinn orientiert, ist der Angebotspreis ungewöhnlich hoch.

Investoren-Optimismus wird belohnt

Kuka wurde bereits seit langem als Übernahme-Kandidat gehandelt. Es stellte sich für Übernahme-Jäger jedoch stets die Timing-Frage. Denn Kuka war teuer. Die Aktie bewies zwar, dass sie auch bei enttäuschten Markterwartungen eine hohe Bewertung verteidigen konnte.

Es brauchte dennoch sehr viel Optimismus, um die Übernahme-Story bei operativen Gegenwind in China und Deutschland (VW) zu spielen – zumal Midea gemäß bisheriger Strategie auch ein langjähriger Joint Venture-Partner hätte sein können.

Fast alle Analysten rieten zum Verkauf der Aktie. Vor 3 Wochen kam die Deutsche Bank zu dem Ergebnis, dass die Aktie bei 58 Euro fair bewertet sei. Das jetzige Angebot von 115 Euro für 1 Kuka-Aktie zeigt, wie hoch der jetzige Übernahme-Preis im Vergleich dazu ist.

Midea kann Großktionär Voith vermutlich nur mit hohem Angebot überzeugen

Warum also tritt der chinesische Bieter jetzt mit einem so unglaublich hohen Angebot an die Kuka-Aktionäre heran? 2 Gründe gibt es dafür. Der erste Grund ist, dass der größte Kuka-Aktionär Voith überzeugt werden muss.

Der schwäbische Anlagenbauer hält 25,1% der Anteile und hat sich noch nicht zum Angebot geäußert. Voith erwartet eine zeitnahe Stellungnahme von Midea, was die Übernahme-Pläne vorsehen.

Beim Einstieg 2014 sagte Voith, dass man an Jahrzehnte denke und Kuka für die Industrie 4.0 braucht. Gleichwohl heißt es heute, dass man mit der Aktienkursperformance sehr zufrieden ist. Ob Voith das sehr großzügige Angebot annehmen wird, bleibt vor dem Hintergrund strategischer Überlegungen fraglich.

Chinesische Bieter denken langfristiger als europäische und US-amerikanische Bieter

Der andere Grund für das großzügige Angebot ist wahrscheinlich ein anderer Investitionshorizont. Wenn man sich verschiedene Übernahmen von chinesischen Bietern anschaut, dann machen die teilweise exorbitant hohen Angebote nur Sinn, wenn man sehr langfristig denkt.

Europäische und US-amerikanische Bieter wollen einen deutlich früheren Break-even für ihre Investitionen als chinesische Bieter. Midea hat die steigenden Arbeitskosten in China im Hinterkopf und will sich deswegen die Technologie frühzeitig sichern.

Dass dafür ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 bei 10% Gewinnwachstum gezahlt wird, stört dann auch nicht weiter.

Investition könnte im Spätsommer wieder attraktiv werden

Wie geht es weiter ? Es ist davon auszugehen, dass die Übernahme-Offerte gelingt. Midea zahlt so viel, dass die angepeilten 30% aus Sicht der Aktionäre kein Thema sein sollten.

Ebenfalls einverstanden mit den Übernahme-Konditionen dürfte die Unternehmensführung sein. Äußerungen aus dem Management – auch wenn ergebnisoffen – deuten darauf hin, dass die Offerte unterstützt wird.

Spannend ist wie Großaktionär Voith sich verhalten wird und wieviel Prozent der Anteile der Bieter nach Ablauf der Annahme-Frist auf sich vereinigen kann. Denn davon wird der Zeitrahmen für spätere Übernahme-Stufen abhängen.

Im Spätsommer kann ein Blick auf die Kuka-Aktie – auch wenn sie dann höchstwahrscheinlich immer noch teuer ist – lohnend sein. Von der klassischen Fundamental-Bewertung der Kuka-Aktie müssen Sie sich verabschieden.

Kuka wird nie unterbewerteter Übernahme-Kandidat sein. Auf dem Niveau kann es nur eine reine Übernahme-Investition werden.

18. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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