Danke NYSE: Stop-Loss-Order wird endlich abgeschafft!

Ja, Sie haben richtig gelesen: Die New York Stock Exchange (NYSE) schafft zum 26. Februar die Stop-Loss-Order ab!

Alle Stop-Loss-Order-Zusätze, die sich zu diesem Zeitpunkt im Orderbuch der Börse befinden und noch nicht ausgeführt wurden, werden gelöscht. Danach gibt es keine Möglichkeit mehr, an diesem US-Börsenplatz noch Stop-Loss-Orders zu platzieren.

Sie sind erschreckt? Sie befürchten, dass dieses Beispiel Schule macht und andere Börsen nachziehen?

Ich hoffe und wünsche mir sogar, dass alle anderen Börsenbetreiber der NYSE folgen und ihrerseits die Stop-Loss-Order abschaffen!

Ich spüre förmlich, wie sich nun bei vielen Lesern Widerstand regt. Der eine oder andere wird es vielleicht sogar als Eingriff in seine Rechte und Beschneidung seine Möglichkeiten ansehen, sein investiertes Kapital zu schützen. Mit Verlaub:

Anleger werden an der NYSE nun besser geschützt

Das ist blanker Unsinn! Mit der Abschaffung der Stop-Loss-Order wird der Schutz der Anleger vielmehr gestärkt!

Es wird endlich ein bis dato legales Mittel der Markt-Manipulation aus dem Instrumentenkoffer der Großinvestoren entfernt!

Um das zu verstehen, machen wir uns noch einmal klar, was bei einer Stop-Loss-Order eigentlich genau passiert:

Stop-Loss-Order und die Perversion der Stop-Loss-Order

Mit der Platzierung einer Stop-Loss-Order geben Sie über Ihren Broker den Auftrag in den Markt, eine von Ihnen gehaltene Position in dem Moment bestens zu verkaufen, wenn während des Handels ein von Ihnen ebenfalls angegebenes Kurslimit unterschritten wird.

Im Prinzip eine gute Sache: Verluste werden begrenzt, bevor sie ausufern.

Sie können auch eine Stop-Loss-Order platzieren, die nach ihrer Aktivierung nicht bestens, sondern zu einem von Ihnen ebenfalls angegebenen Limit verkauft. Das ist in meinen Augen die Perversion der Stop-Loss-Order:

Wer diese Variante der Stop-Loss-Order platziert, will zwar Verluste begrenzen, aber nur zu „seinen“ Bedingungen. Das geht meist übel ins Auge, vor allem dann, wenn ein Kurs stark fällt. In diesem Fall wird das Limit nicht erreicht, die Order trotz Aktivierung nicht ausgeführt und die Verluste weiten sich dennoch aus.

Das Tückische an der Stop-Loss-Order

Das Wesen einer Stop-Loss-Order ist, dass sie offengelegt werden muss. Schließlich muss der Markt ja „wissen“, ab welchem Kurs der Verkaufsauftrag aktiviert werden soll. Daher werden alle Stop-Loss-Orders, wie jeder andere Verkaufsauftrag, in das Orderbuch eingetragen. Und genau hier beginnt die Möglichkeit der Manipulation.

Großinvestoren halten, wie der Name schon andeutet, große Positionen. Und sie beobachten die Orderbücher zu ihren Positionen sehr genau.

Finden sie dort eine große Anzahl von Stop-Loss-Orders, dann beginnen sie ihr Spiel.

Wie diese völlig legale Methode der Markt-Manipulation funktioniert, zeige ich Ihnen Morgen. Dann erfahren Sie auch, wie Sie künftig völlig ohne Stop-Loss-Order im „Haifischbecken“ Börse überleben können.

17. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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